Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Die Geschichte des Tagebaus Espenhain
Region Borna Die Geschichte des Tagebaus Espenhain
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:16 26.09.2018
Der ehemalige Tagebau Espenhain, dessen Betrieb Ende 1994 eingestellt wurde: Ein Absetzer schüttete später den Abraum für die heutige Autobahn 38 auf. Quelle: dpa
Espenhain

Einmal Bergmann, immer Bergmann. Für Thomas Schmidt gilt das ganz bestimmt. Zwar liegt die Zeit, in der er als Baggerfahrer im Tagebau arbeitete, schon nahezu zwei Jahrzehnte zurück, das große Interesse an allem, was mit Großraumgeräten zusammenhängt, hat den 63-Jährigen aber bis heute nicht losgelassen. Mittlerweile ist daraus ein Buch geworden.

Nach der Währungsunion kam das Aus

Es ging sehr schnell, damals im Sommer 1990, als die Währungsunion kam und Deutschland auf die Wiedervereinigung zusteuerte. Es war die Zeit, als das Aus für Thomas Schmidt kam, damals Baggerfahrer im Tagebau Breitenfeld nördlich von Leipzig. „Wir wurden auf null Stunden Kurzarbeit gesetzt“, erinnert sich der Mann, der mittlerweile in Liebertwolkwitz zu Hause ist. Schmidt ging nach Bayern, arbeitete jahrelang als Kanalreiniger, blieb aber im Herzen immer Bergmann. Und der Kreis schloss sich, als er einen neuen Job bekam. Bei einer Firma, die Schweißgasflaschen entsorgt. In Espenhain.

Leidenschaftlicher Bergmann: Thomas Schmidt mit einem Telefon, wie es im einstigen Tagebau Espenhain verwendet wurde. Quelle: Nikos Natsidis

Ausgerechnet in Espenhain, wo für Thomas Schmidt, der aus Waldheim stammt, alles begann. Im damaligen Tagebau Espenhain, wo er nach der Ausbildung zum Maschinisten für Großgeräte vier Jahre lang arbeitete, bevor er ins Delitzscher Revier wechselte. Es war wohl der alte neue Arbeitsort, der in Thomas Schmidt die Leidenschaften entfachte, die bei einem Bergmann sicher niemals verglühen. Nach Kontakten mit anderen Bergleuten über ein Internetforum hatte er genügend Blut geleckt und begann, sich der Geschichte des Tagebaus Espenhain, seines Tagebaus, zu widmen.

Viele Unterlagen waren weg

Was sich allerdings als weniger leicht erwies als ursprünglich angenommen. „Es sind viele Unterlagen weggeschmissen worden.“ Speziell in der Zeit nach der Wende, auch wenn der Tagebau, in den 30er-Jahren als Ersatz für den Tagebau Böhlen/Zwenkau aufgeschlossen, noch bis 1994 genutzt wurde. Ein ehemaliger Bornaer Bergmann allerdings konnte helfen. „Der hatte Unterlagen gerettet.“ Schmidt ging zudem ins Staatsarchiv, und so entstand im Selbstverlag sein Buch „Eine Zeitreise in die technisch-technologische Entwicklung des Tagebaus Espenhain“, das es seit 2015 gibt. Das Vorwort dazu stammt von niemand geringerem als Rudi Lehmann, dem früheren Bereichsleiter der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltung (LMBV). Das Buch mit mehr als 220 Seiten, an dessen Entstehung Schmidts Lebensgefährtin Manuela Kux als Korrektorin maßgeblich mitgewirkt hat, ist für Leute gedacht, die sich für technische Details ebenso interessieren wie für die Geschichte des Tagebaus, die unübersehbar endete, als die Förderbrücke im Jahr 1997 gesprengt wurde.

Buch wird jedes Jahr ergänzt

Es ist ein Buch, das vermutlich niemals wirklich fertig werden dürfte, jedenfalls nicht, so lange Thomas Schmidt noch will und kann. Das Buch wird jedes Jahr ergänzt. Und so tief, wie der frühere Bergmann sich in die Materie vergräbt, geht ihm der Stoff garantiert nicht aus. Er will die Erinnerung an die Tagebaue rund um Leipzig und die Arbeit lebendig halten, auch wenn er glaubt, dass entsprechende Bemühungen dazu, auch von staatlicher Seite, keineswegs zu früh kommen. Dass er ehrenamtlich im Bergbau-Technik-Park an der Autobahn 38 arbeitet, ist Ehrensache für jemanden wie ihn.

Qualitätskohle aus Espenhain

Wenn er an die neuen Seen fährt, „bin ich schon wehmütig“. Obwohl er durchaus gern zum Aussichtspunkt Störmthal geht. Denkt er an den Tagebau Espenhain, fällt ihm auch die beträchtliche Menge Kohle ein, die dort in Spitzenzeiten abgebaut wurde. „Qualitätskohle“, wie er betont, in den 80er-Jahren 14 Millionen Tonnen im Jahr. Dabei war ursprünglich nur eine Abbaumenge von zehn Millionen Tonnen vorgesehen.

Dübener Heide als Tagebau

Aber die DDR hatte sozusagen Kohldampf. Der Hunger des sozialistischen deutschen Staates nach Kohle als dem einzigen in Mengen verfügbaren Bodenschatz war riesig, was auch an den Plänen zu zukünftigen Tagebauen deutlich wird. Ohne Wende und Wiedervereinigung wäre der ganze damalige Kreis Delitzsch mehr oder weniger zu einem Tagebau geworden, „bis nach Bitterfeld“. Auch vor der Dübener Heide hätten die Bagger irgendwann nicht mehr Halt gemacht. Thomas Schmidt: „Das war für das Jahr 2100 geplant.“ So gesehen war es doch ganz gut, als vor knapp drei Jahrzehnten das weitgehende Aus für den Bergbau im Mitteldeutschen Revier kam.

Kreis schließt sich in Espenhain

Eine Erkenntnis, die die Leidenschaften eines überzeugten Bergmanns aber nicht dämpfen kann. Immerhin hat sich für Thomas Schmidt mit seinem aktuellen Arbeitsort Espenhain der Kreis wieder geschlossen. Mit der Aufarbeitung der Geschichte seines Tagebaus wird er ohnehin niemals fertig.

Von Nikos Natsidis

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bei einem Wohnhausbrand in Borna mussten am Dienstagabend Bewohner mit der Drehleiter gerettet werden. Ein 24-jähriger Mann, offenbar psychisch krank, soll das Feuer gelegt haben, so die Polizei.

26.09.2018

Eine Böhlenerin müsste eigentlich umziehen. Das jedenfalls fordert das Jobcenter von ihr. Allerdings ist die Frau krank und kann der Aufforderung derzeit nicht nachkommen. Nun hat sie Sozialklage eingereicht.

26.09.2018

Die Sana Kliniken Leipziger Land sehen sich für die Herausforderungen im Gesundheitswesen gut gewappnet. Das Haus bildet selbst aus und die Lage zwischen Leipzig und Chemnitz sei auch für junge Leute interessant, sagt Pflegedienstleiterin Cornelia Reichardt im Interview mit der LVZ.

28.09.2018