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Die Hürde Natur

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Ende des Monats wird der Stadtrat von Rötha den Auftrag für den Abriss alter Hallen auf dem Gelände der ehemaligen Schweinemastanlage vergeben. Im September sollen die Arbeiten bereits losgehen.

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Am 22. Juni war die Welt in Ordnung: Innenminister Markus Ulbig übergab auf der ehemaligen Schweinemastanlage den Zuwendungsbescheid für den Abriss.

Quelle: Jakob Richter

Rötha. Allerdings muss vorher eine naturschutzrechtliche Hürde genommen werden. Denn auf der Brache haben sich geschützte Tiere angesiedelt, deren Lebensraum laut Bundesnaturschutzgesetz nicht gestört werden darf. Die Stadt bemüht sich – im Sinne des Menschen – um eine Lösung.  Fledermäuse, diverse Vögel und Amphibien haben sich seit Mitte der 90er Jahre auf dem 6,4 Hektar großen Areal häuslich eingerichtet. Geschützte Arten, die kraft Gesetzes tatsächlich geschützt werden. Eine Variante wäre der Bau von Ausweichquartieren, sagte Röthas Bürgermeister Ditmar Haym (parteilos) gestern auf Anfrage. Eine Variante, die die Stadt zweifellos vor Probleme stellen würde. Auch wegen der gebotenen Eile. Denn für die vom Freistaat Sachsen bewilligten Fördermittel von 543 426 Euro für den Abbruch und Entsorgung der alten Stallanlagen muss bis zum Jahresende die Schlussrechnung vorliegen. Die Stadtverwaltung bemühe sich nun um eine andere Lösung. Haym: „Wir werden einen Antrag auf Befreiung von den Ge- und Verboten des Bundesnaturschutzgesetzes stellen." Das sei aus der Gründen der öffentlichen Sicherheit oder des überwiegenden öffentlichen Interesses möglich (Paragraf 67). Wie dieser Streit ausgeht, bleibt abzuwarten. Bislang wurden seitens der Naturschutzbehörde lediglich Gehölzbeseitigungen genehmigt. Für den Abbruch-Auftrag, der sich über drei Monate erstrecken soll, haben sich im Zuge der Ausschreibung 23 Firmen beworben. „Es gab drastische Unterschiede bei den Angeboten", erläuterte Architekt Roland Müller in der Ausschusssitzung am Donnerstagabend. Alle seien sorgfältig auf ihre Eignung geprüft worden. Zumal es beim Abbruch der Hallen – ungefähr die Hälfte soll im ersten Bauabschnitt weichen – auch um die Entsorgung von Asbest und kontaminierten Baustoffen gehe, erläuterte der Fachmann. Drei Firmen kommen in die engere Auswahl, mit ihnen soll es Bietergespräche geben. Gleichwohl plädierte Müller nach entsprechenden Recherchen für das Unternehmen mit dem günstigsten Angebot. Auch bei diesem Großauftrag muss gespart werden. Besonders in Rötha, das momentan finanziell angeschlagen ist. Daher sollen die Eigenleistungen der Stadt von rund 60 000 Euro durch die Mitarbeiter des städtischen Wirtschaftshofes erbracht werden. Das sei zulässig, erläuterte der Bürgermeister und nahm Bezug auf ein entsprechendes Schreiben der Landesdirektion Leipzig. Die alten Hallen werden übrigens nur bis zur Bodenfläche abgebrochen. Alle weiteren Maßnahmen müssen dann mit dem Autobahnamt abgestimmt werden, das die Brache als Ausgleichsfläche für die A 72 begrünen will. Das heißt: Bodenplatten, Schächte und Versorgungsleitungen sind von dem Auftrag Abbruch nicht berührt. In einem zweiten Bauabschnitt sollen dann die restlichen Gebäude fallen. So weit ist es noch nicht. „Die umweltschutzrelevanten Maßnahmen können die Baumaßnahmen nach hinten ziehen", befürchtet Haym.

Saskia Grätz

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