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Die Kandidaten-Kandidaten

Die Kandidaten-Kandidaten

Borna. Es ist die wichtigste Bornaer Personalie: der Posten der/des Oberbürgermeister(in/s), der bei der Wahl im Juni zur Debatte steht.

Und während Amtsinhaberin Simone Luedtke (Linke) schon seit langem keinen Zweifel daran gelassen hat und zudem auch aus einer gewissen Parteiräson heraus gar nicht anders kann, (als) dass sie ihren Posten verteidigen will, stellt sich die Frage immer vehementer, wer ihr(e) Herausforder(er) sein könnte(n). Ein Versuch, die Lage zu sondieren.

Wenn es um eine mögliche Neubesetzung des Chefpostens im Rathaus geht, fällt sein Name meist als erster: Bernd Schröter (Bürger für Borna/BfB), von 2001 bis 2008 bereits Oberbürgermeister und nach allgemeiner Wahrnehmung vor sechs Jahren im zweiten Wahlgang vor allem an sich selbst gescheitert (völlig überflüssige Wahlempfehlung zugunsten des damaligen Grimmer Landrats Gerhard Gey). Ein Jahr später war Schröter in der politischen Versenkung verschwunden, nachdem es den BfB nicht gelungen war, juristisch hieb- und stichfest die formalen Anforderungen zu erfüllen, um zur Stadtratswahl 2009 zugelassen zu werden. Wer Schröter allerdings beim LVZ-Wahlforum im Mai im Goldenen Stern erlebt hat, der konnte schon den Eindruck gewinnen, dass der 59-Jährige wieder Blut geleckt hat. Kenntnisreich und mit Mutterwitz war er an diesem Abend zweifellos überzeugend und machte den Eindruck, dass er sich durchaus noch einmal vorstellen könnte Nachfolger seiner Nachfolgerin zu werden.

Mittlerweile heißt es aus eingeweihten Kreisen, dass er doch lieber an der Spitze seiner Firma bleiben und nicht noch einmal antreten will. Wer Schröter, mittlerweile wieder Vorsitzender BfB-Stadtratsfraktion, auf eine Kandidatur anspricht, erhält die Antwort, dass bis zur Wahl ja "noch so viel Zeit" sei. Wenn es einen geeigneten Kandidaten gäbe, "könnten wir den unterstützen". Der Kandidat müsse Ideen haben, "um Borna in der Region wieder zur Anerkennung zu verhelfen". Eine gewisse Bekanntheit sollte er auch haben. Weichenstellungen gebe es bisher noch nicht, so Schröter. Das für bare Münze zu nehmen, müsste den alten Fuchs Schröter aber regelrecht beleidigen. Zudem gibt es bei den BfB mit Maic Staudacher zumindest einen weiteren Kandidaten, von dem es heißt, dass ihm der Job des oberste Bornaers zuzutrauen sei.

Auch Roland Wübbeke, der zweite starken Mann im bürgerlichen Bornaer Lager, mag keine Namen nennen. Der CDU-Fraktionschef bestätigt aber, "dass wir auf der Suche nach einem geeigneten Kandidaten aus dem bürgerlichen Lager sind". Allerdings sei er nach Jahren heftiger Auseinandersetzungen mit Amtsinhaberin Luedkte "in gewisser Weise auch befangen". Und weiter: "Die sechs Jahre haben schon sehr stark polarisiert." Dr Kandidat könnte ein Zugezogener sein und, das ist neu, müsste auch nicht zwingend das CDU-Parteibuch haben. Das war beim letzten Urnengang noch anders, als die Bornaer CDU mit dem seinerzeitigen Leiter der Kommunalaufsicht im Landratsamt, Benno Fromeyer, das Rathaus stürmen wollte. Der erwies sich allerdings nach einem bizarren Wahlkampf, in dem er bisweilen auch in einem Lutherkostüm unterwegs war, als ein hervorragender Chancentod - sofern die CDU seinerzeit überhaupt eine reale Chance auf die Übernahme der Rathausmacht hatte.

Wübbeke ist mittlerweile klüger. "Nach sieben Jahren Leidensdruck ist unsere Eitelkeit nicht mehr so groß." Heißt: Es könnte auch ein Nicht-CDU-Mann mit der Unterstützung der Bornaer CDU rechnen. In jedem Fall müsste der Anwärter Führungserfahrung haben, sagt Wübbeke.

Die hätte einer wie Sylvio Weise sicher. Immerhin ist der CDU-Stadtrat Troubleshooter eines großen Handels- und Dienstleistungsunternehmens. Er gilt als kompetent und redegewandt und kann durchaus auch als Sympathieträger durchgehen. Und der Mann, der in Regis großgeworden ist, macht kein Hehl daraus, dass die Frage, ob er wohl möglicherweise ein Kandidaten-Kandidat wäre, für ihn alles andere als üble Nachrede ist. Wollen Sie also, Herr Weise? "Optional ja." Das ist schon recht klar, und dieses Statement wird von Weise um den Satz erweitert, dass "ich nichts ausschließe". Und weil es der politische Anstand mehr oder weniger gebietet, weist Weise im übernächsten Satz pflichtgemäß darauf hin, "dass es auch nicht die allerschlechteste Lösung wäre, wenn es einen parteilosen Kandidaten aus dem bürgerlichen Lager gäbe".

Einer, dem ebenfalls schon seit einiger Zeit Ambitionen nachgesagt werden, ist Michel Zurbrügg. Von Haus aus Jurist und beschäftigt im Finanzamt in der Brauhausstraße, engagiert er sich seit Jahren für die Grundschule Neukirchen und ist dadurch zum hartnäckigen Fragesteller in den Fragestunden des Stadtrates geworden. Seit der letzten Stadtratswahl sitzt er für die SPD, deren Mitglied er seit 16 Jahren ist, im Stadtrat. Der 42-Jährige kann sich eine Oberbürgermeisterkandidatur "unter bestimmten Umständen vorstellen". Womit Zurbrügg die Unterstützung durch die eigene Partei meint. Immerhin gibt es für ihn drängende Probleme in Borna wie die demografische Entwicklung, fehlende Industrieansiedlungen und nicht zuletzt die in seinen Augen ungünstigen Öffnungszeiten der städtischen Kindertagesstätten, die bereits 16.30 Uhr schließen. Zurbrügg wirkt nicht so, als hänge sein Seelenheil von einer Kandidatur für den Oberbürgermeisterposten ab, an seiner potenziellen Bereitschaft dazu dürfte aber kaum zu zweifeln sein.

Wenn es um einen Herausforderer für Oberbürgermeisterin Luedtke geht, wird auch ein weiterer Namen immer wieder genannt: Sören Uhle, eloquenter Geschäftsführer der Bornaer Wohnbau- und Siedlungsgesellschaft (BWS) mit echten Entertainerqualitäten (Orchesterball), der für Bornaer Verhältnisse eine gewisse Weltgewandtheit mitbringt. Das liegt weniger an seinem Geburtsort Karl-Marx-Stadt und seinen Jahren als Berufssoldat bei der Bundeswehr. Uhle war beruflich erfolgreich in Schleswig-Holstein und damit in einer Gegend, wo Ossis, um den Begriff zu gebrauchen, auch heutzutage noch nicht a priori allererste Wahl bei der Besetzung von Führungsposten sind. Es gibt Leute, die sehen in der Besetzung des Chefpostens im BWS-Aufsichtsrat durch den Gewerbevereinsvorsitzenden Thoralf Lang, auch BfB-Stadtrat, anstelle von Oberbürgermeisterin Luedtke (die LVZ berichtete) bereits einen Fingerzeig auf mögliche Ambitionen von Uhle. Dass der nach außen dementiert, ja dementieren muss, ist allerdings genauso klar wie der Fakt, dass einer wie der 39-Jährige schon wollen würde, wenn er denn wollen dürfte. Der BWS-Geschäftsführer bräuchte allerdings die Unterstützung durch die Bornaer Politik.

Bleibt die Frage nach den Chancen der Amtsinhaberin. Hier gilt der schöne Satz des legendären Britenpremiers Winston Churchill über die Schwierigkeit von Prognosen, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Abgesehen davon dürfte es aber grundfalsch sein, die Oberbürgermeisterin abzuschreiben. Das machen zwar viele gern, für die die 43-Jährige so etwas wie der Gottseibeiuns ist und die ihren Wahlsieg vor sechs Jahren für den größten Irrtum der jüngeren Bornaer Geschichte halten. Das widerlegt sich aber schon dadurch, dass kein anderer Rathauschef seit 1990 auf eine Amtszeit verweisen kann, in der derart viel gebaut, saniert und eröffnet wurde: Schwimmhalle, Gymnasium, Clemens-Thieme-Schule, Teichareal... Luedtke hinterlässt also unbestreitbar Beton, und das kann vorderhand kein Kritiker wegdiskutieren.

Es ist deshalb nicht allzu vermessen, der Amtsinhaberin keine schlechten Chancen zur Titelverteidigung einzuräumen, wenn sie mehr als eine(n) Herausforderer/in hat. Spannend dürfte es werden, wenn es am Ende Frau gegen Mann/Frau geht.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.09.2014
Nikos Natsidis

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