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Die Lebensretter

Die Lebensretter

Sie sind eigenen Worten zufolge "ziemlich gute Freunde": Sven Schickmann (18) aus Rohrbach und Johnny Perlik (17) aus Espenhain. Zwei junge Kameraden der Feuerwehr, die am 12. September Außergewöhnliches leisteten, weil sie - zufällig - zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren.

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Zwei Lebensretter: Johnny Perlik (l.) von der Feuerwehr Espenhain und Sven Schickmann von der Feuerwehr Oelzschau werden am Freitag ausgezeichnet.

Quelle: Saskia Grätz

Espenhain. Und somit das Leben eines Mannes in Espenhain retten konnten. Am 28. November werden sie dafür in Naunhof ausgezeichnet. Neben vielen anderen "alten Hasen" der Feuerwehren des Landkreises Leipzig.

"Es ist eine Geschichte, die wir unseren Enkeln erzählen werden", sagt Sven Schickmann. Ein ungewöhnlicher Satz aus dem Munde eines Lehrlings, der gerade mal 18 Jahre alt ist. Er saß an jenem Freitag bei seinem Freund Johnny in Espenhain, die Welt schien nicht anders als an anderen Tagen zu sein. Beide wollten noch zur Feuerwehr fahren, die ihr Leben seit Kindertagen an bestimmt.

Ein vergessener Stick half dem Schicksal an diesem Abend auf die Sprünge. Die jungen Männer starteten zehn Minuten später als ursprünglich geplant. Es war bereits dunkel, als sie auf der Straße des Friedens in Espenhain einen Mann wahrnahmen. Er lag reglos mitten auf der Fahrbahn und war offenbar vom Rad gefallen. Das erfuhren die Jungs von seiner Frau, die ihnen entgegenlief. Der Mann brauchte dringend Hilfe, hatte keine Vitalfunktionen mehr. Johnny rief einen Notarzt. Sven fing mit der Wiederbelebung an: Herz-Druck-Massage, wie sie in der Ausbildung gelehrt wurde. Ein Knochenjob, der an den Kräften zehrt. Später übernahm Johnny, nachdem er weitere Hilfe geordert hatte. Man wisse ja nie, wie lange es dauert. Das war auch in diesem Fall so. "Eine gefühlte Ewigkeit" sei es gewesen, 15, vielleicht 20 Minuten, bis der Notarzt übernahm. Die Freunde können es nicht sagen, haben nicht auf die Uhr geschaut. Dazu wäre keine Zeit gewesen. Sie wollten helfen, mehr ging ihnen nicht durch den Kopf.

Der Mann, Ende 50, wurde ins Krankenhaus gebracht, mittlerweile macht er eine Reha. "Wir können stolz auf unsere jungen Kameraden sein", sagt Gemeindewehrleiter Frank Pecher. Er lobt die jungen Leute, die mit Herz und Seele dabei sind. Und zwar schon lange: Mit zehn Jahren habe er bei der Jugendfeuerwehr in Espenhain angefangen, erinnert sich Johnny. Ein Klassenkamerad nahm ihn damals mit. "Es hat mir gefallen. Ich blieb dabei", sagt der Espenhainer. Bei Sven lief es ähnlich, durch einen Schulkameraden kam auch er zur Jugendfeuerwehr. Er war acht Jahre alt. Heute gehört er zu den Aktiven in der Feuerwehr Oelzschau.

In der Grundschule Espenhain, die beide besuchten, hatten die Jungs wenig miteinander zu tun. Ein Schuljahr trennte sie voneinander. Erst vor anderthalb Jahren trafen sie sich bei einem Kumpel wieder. Seit dieser Feier sind beide nahezu unzertrennlich, haben den gleichen Freundeskreis. An den Wochenenden machen sie viel gemeinsam. Sven lernt in Berlin den Beruf eines Fahrzeug- und Karosseriemechanikers. Nach seiner dreieinhalbjährigen Ausbildung möchte er wieder in die Heimat. Johnny wird bei der Firma Scholz Recycling zum Industriemechaniker ausgebildet. Neben der Feuerwehr bleibt Zeit für Musik und das Motorrad.

Ihr lebensrettender Einsatz wird am Freitag wieder präsent sein. Ihre Eltern hätten gestaunt, wie ruhig sie geblieben sind. Hektik helfe ja nicht weiter, sagen die beiden. Helfen zu können, treibe sie an. Johnny träumt davon, Berufsfeuermann in Leipzig oder am Flughafen zu sein. Und auch Sven wäre bei einer solchen Option nicht abgeneigt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.11.2014
Saskia Grätz

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