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Die Stadt Kitzscher verabschiedet sich enttäuscht vom E-Auto

Elektromobilität Die Stadt Kitzscher verabschiedet sich enttäuscht vom E-Auto

Kitzscher wollte bei der Energiewende Vorreiter sein und setzte zeitig auf ein kommunales Elektrofahrzeug. Jetzt ist der Traum vorläufig ausgeträumt. Das E-Auto geht zurück zum Händler, das neue hat einen Verbrennungsmotor.

Elektroladesäule am Rathaus in Kitzscher. Die Stadtverwaltung braucht sie vorerst nicht mehr, den Strom gibt’s kostenlos.

Quelle: André Neumann

Kitzscher. Bürgermeister Maik Schramm (Freie Wähler) fühlt sich enttäuscht und im Stich gelassen: von der Regierung, von der Industrie. Er wollte Kitzscher zur Vorreiterstadt in Sachen Elektromobilität machen, beschaffte für die Verwaltung ein Elektroauto, als andere das noch für Liebhaberei hielten. Doch nun, fünf Jahre später, ist der Traum ausgeträumt: Das E-Auto geht zurück zum Händler, das neue hat einen Verbrennungsmotor.

Zwar fahren mittlerweile auch andere öffentliche Verwaltungen elektrisch. Doch die lautlosen, nur am Reifengeräusch wahrnehmbaren Fahrzeuge sind absolut in der Unterzahl. Das hatte sich Maik Schramm anders vorgestellt, als er mit seiner Stadt ganz vorn mitspielen wollte. „Wir wollten die ersten sein“, sagte er Ende September 2012 bei der Übernahme eines elektrisch angetriebenen Citroen. Gewiss spielte bei dem Geschäft damals auch die Tatsache eine Rolle, dass der Autohausbesitzer im Stadtrat von Kitzscher sitzt und er auf diese Weise seinen ersten E-Pkw verkaufen konnte. Dennoch bekam Kitzscher nichts geschenkt, stolze 21 890 Euro kostete der Kleinwagen, den die Stadt in Raten finanzierte.

Maik Schramm und dem Stadtrat von Kitzscher war es die Sache wert: „Wir haben uns vor fünf Jahren bekannt, die Energiewende aktiv mitzumachen“, sagt Schramm. „Und wir haben gehofft, dass etwas passiert, das andere mitmachen.“ Um so schmerzlicher fällt jetzt die Ernüchterung aus. Eine Ladeinfrastruktur noch immer mangelhaft, ein Elektroauto immer noch doppelt so teuer, wie ein vergleichbarer Wagen mit Verbrennungsmotor, nur dass der mit einer Ladung immer noch nicht mehr als 150 Kilometer schaffe. Das konnte der Kleine von vor einen halben Jahrzehnt auch schon. Man müsse sich nur mal anschauen, welche Entwicklung beispielsweise Smartphones in fünf Jahren genommen hätten, vergleicht der Bürgermeister. Und er mutmaßt zugleich, dass bei der E-Mobilität jemand auf der Bremse stehe.

Deswegen, sagt ein zerknirschter Bürgermeister, „haben wir uns jetzt wieder für einen Benziner entschieden“. Der kommt nach einer Ausschreibung vom gleichen Autohaus und ist das, was man landläufig einen Hundefänger nennt, ein Kleintransporter auf Pkw-Basis mit Hecktür. Der kostet nur wenig mehr als die Hälfte des E-Autos von vor fünf Jahren. Im Oktober rechnet Schramm mit dem neuen Fahrzeug.

Immerhin bleibt Kitzscher auf der Landkarte der Elektroladestationen vertreten. Die E-Tanksäule auf dem Rathausparkplatz schenkte Energieversorger Envia 2013 der Stadt, damals lief so etwas wie eine Elektromobilitätsoffensive. Eine Zähl- und Bezahleinrichtung hat die Säule nicht, den Strom gibts gewissermaßen umsonst. Genutzt wird sie selten, in Kitzscher weiß Schramm von keinem anderen E-Auto. Und das eigene wurde meist in de Garage geladen. Immerhin soll auch schon ein Tesla hier gesehen worden sein. vielleicht steht die Säule ja noch so lange, bis die Elektromobilität nach Kitzscher zurückkehrt.

Von André Neumann

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