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Borna Die Tücken des Restsees
Region Borna Die Tücken des Restsees
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17:00 29.08.2012
Im Gespräch auf der Baustelle: Der Geschäftsführer der Mueg Andreas Gerhardt (50, l.) und Bereichsleiter Thomas Beyer (54). Quelle: Jakob Richter
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Lippendorf/Böhlen

Er endete zum Glück glimpflich. Fachleute hatten den See von Beginn an als unberechenbar eingestuft. In mehr als 30 Jahren – von 1968 bis 2000 – wurden rund 20,4 Millionen Kubikmeter Asche aus dem Altkraftwerk Lippendorf eingespült. Das Ergebnis: ein diffuser Untergrund, der sich nur langsam würde beseitigen lassen. Die Instabilität bestätigte sich im Januar vorigen Jahres. „Es gab einen Grundbruch im See", sagt Andreas Gerhardt (50), Geschäftsführer der Mitteldeutschen Umwelt und Entsorgung GmbH (Mueg), die als Bauherr fungiert. Erdmassen rutschten damals plötzlich weg und brachten auch einen im Uferbereich stehenden Radlader ins Wanken. Die Maschine kippte nach vorn ins Wasser und musste per Kran herausgeholt werden. Der Fahrer blieb zum Glück unverletzt. Vattenfall indes nahm diesen Unfall zum Anlass, um die strengen Sicherheitsvorkehrungen für das Gelände nochmals zu verschärfen. Es werde nun noch vorsichtiger gearbeitet, so Gerhardt gestern bei einem Vororttermin. Außerdem wurden die Lasten am Ufer verteilt und drei Stellen geschaffen, um sich dem Restsee mit schwerem Gerät anzunähern. Das harmlos erscheinende Gewässer schluckt unvorstellbare Mengen an Abbruchmaterial, Bahnschwellen, Betonresten und Braunkohlenasche. „Rund 2,4 Millionen Tonnen Material wurden bereits eingebaut", erläutert Thomas Beyer (54). Der Diplomingenieur ist bei der Mueg Geschäftsbereichsleiter für Deponie und Bergbausanierung. Diese Baustelle sei eine ganz besondere. Letzte Schätzungen gehen davon aus, dass der Restsee noch weitere 1,5 Millionen Tonnen Bauschutt verschlingen wird. Vielleicht auch mehr. Und so rollen Tag für Tag zig Laster auf das Gelände, um in gebotener Entfernung Ladung für den einst 15 Hektar großen See abzukippen. Um der großen Unbekannten sicher zu begegnen, sind geotechnische Gutachter vor Ort. Sie werten wöchentlich Setzungspegel des Bodens aus und legen danach die Arbeitsweise am Ufer fest. In den sensiblen Bereichen arbeiten pro Schicht zwei Mann, die das Tageslicht ausnutzen. Einer lenkt den 90 Tonnen schweren Bagger, einer beobachtet im Umfeld der Maschine den Boden, achtet auf Risse. Auf der anderen Seite wird per Raupe in etwas größerem Abstand zum See gearbeitet. Für Anfang Oktober soll den Planungen zufolge am ehemaligen Pumpenhaus eine neue Technologie versuchsweise anlaufen. Eine mit Bauschutt beladene Schute wird zur tiefsten Stelle des Sees fahren und dort direkt abkippen. „Wir lassen uns auf keinerlei Risiken ein", sagt Gerhardt. Eine Fachfirma, die auf diese Weise bereits am Senftenberger See arbeitete, werde den Job auf dem Wasser übernehmen. 500 Tonnen Abbruchmaterial pro Tag werden dann verklappt. „In zwei Jahren sollen es 200 000 Tonnen sein. So ist der Plan", sagt Beyer und betont, dass Sicherheit auf der Baustelle oberstes Gebot sei. Derzeitigen Prognosen zufolge könnte die „Operation See" 2017/2018 beendet sein und die Begrünung des Areals beginnen. Das ursprünglich avisierte Ziel Ende 2013 war wegen des Unfalls in weite Ferne gerückt.

Saskia Grätz

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