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Die Waschmaschine erklären – wie Familienpflegerinnen im Kreis Leipzig helfen

Angebot von Wohlfahrtsverbänden Die Waschmaschine erklären – wie Familienpflegerinnen im Kreis Leipzig helfen

Manchmal versammelt Gabriele Gerhardt die ganze Familie am Frühstückstisch. Weil es nur dort möglich ist, familiäre Konflikte zu lösen. Sie ist als Familienpflegerin der Volkssolidarität im Landkreis unterwegs um dort Hilfe zum alltäglichen Leben zu geben, wo diese benötigt wird.

Familienpflegerin Gabriele Gerhard.

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna/Frohburg. Manchmal versammelt Gabriele Gerhardt die ganze Familie am Frühstückstisch. Weil es nur dort möglich ist, familiäre Konflikte zu lösen. Die 51-Jährige muss bisweilen auch vermitteln. Kein Wunder, ist sie als Familienpflegerin der Volkssolidarität Borna doch mittendrin in einer Familie. In einer fremden Familie, die auf Gabriele Gerhardts Hilfe angewiesen sind. Das ist das Prinzip der Familienpflege, wie sie von Wohlfahrtsverbänden angeboten wird.

„Wir kommen auf Anforderung“, sagt die frühere Köchin, die ihre Ausbildung zur Familienpflegerin an einer Fachschule in Altenburg absolviert hat. Heißt: Familien in Notsituationen können ihre Hilfe bei ihrer Krankenkasse beantragen, die dafür grünes Licht geben muss. Etwa dann, wenn eine Mutter mit drei Kindern an ihre Grenzen stößt, weil der Gatte wochenlang auf Montage ist. Oder wenn eine alleinstehende Mutter ins Krankenhaus muss, aber niemanden hat, der sich um ihr kleines Kind kümmert. In solchen Fällen kommen Gabriele Gerhardt und ihre Kolleginnen. Im Falle eines Falles auch über Nacht, um dafür zu sorgen, dass das Kind am nächsten Tag Frühstück bekommt und in den Kindergarten geht.

Die engagierte Frau macht aber klar, dass ihr Job keineswegs als Putzhilfe zu verstehen ist. Und wenn die Berge mit schmutziger Wäsche zu sehr in die Höhe wachsen, bietet sie den Müttern auch an, ihnen zu zeigen, wie die Waschmaschine funktioniert.

Familienpflege ist durchaus ein Balanceakt. „Man baut eine Bindung auf, muss aber auch eine gewisse Distanz wahren“, sagt Gabriele Gerhardt, die bei der Volkssolidarität auch als Hauswirtschafterin und in der Seniorenbetreuung arbeitet. Hinzu kommt der Umgang mit Kindern, oftmals kleinen, aber auch Jung-Teenagern. Windeln zu wickeln gehört also ebenso zu ihrer Jobbeschreibung wie die Zubereitung von Mahlzeiten.

Die Einsätze in den Familien zwischen Frohburg, Borna und Markkleeberg sind unterschiedlich lang. Mal drei Wochen, aber auch zwei Jahre. Die Familienpflegerinnen sind dabei allerdings nicht im 24-Stunden-Dienst im Einsatz. „Da gibt es Schichtdienste.“ Am Ende eines jeden Familieneinsatzes schreiben die Familienpflegerinnen einen Bericht fürs Jugendamt.

Gabriele Gerhardt hat gemerkt, dass es noch Hemmschwellen gibt, die vor der Inanspruchnahme der Familienpflege liegen. Sie wünscht sich deshalb, dass das Angebot bekannter wird, etwa mit Hilfe des Jugendamtes. Befürchtungen, was den Einsatz der familienfremden Helferinnen anbelangt, seien jedenfalls fehl am Platz. „Wir wollen niemandem die Kinder wegnehmen.“ Und weiter: „Uns geht es um Hilfe.“

Von Nikos Natsidis

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