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Die gute Seele mit den goldenen Händen an der Grundschule Deutzen

Die gute Seele mit den goldenen Händen an der Grundschule Deutzen

Wenn man von jemandem behaupten darf, dass die Schule ihm zu einer Art zweiter Heimat geworden ist, dann trifft das allemal auf Ursula Breuning aus Deutzen zu. Die 59-jährige ist an der Grundschule Deutzen Hausmeisterin.

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Hausmeisterin Ursula Breuning spannt in ihrer Werkstatt neue Blätter in Laubsägen für den Werkunterricht ein.

Quelle: André Neumann

Deutzen. Das ist für sich genommen schon eine Seltenheit. Doch Ursula Breuning betrachtet ihre Arbeit in einer Männerdomäne, die sie seit über 33 Jahren tut, zudem als Berufung, ihre Schule als fast so etwas wie einen Familienbetrieb.

 

 

Von 1960 bis 1970 war sie Schülerin in Deutzen. Zehn Jahre später, nach Lehre, Hochzeit und Kindern, kehrte sie zurück. Willy Lang, Hausmeister schon während ihrer Schulzeit, ging damals in Rente und fragte sie, ob sie als Helferin von Lisbeth Schröder an der Schule arbeiten wolle. Ursula Breuning sagte zu, für ein Jahr. Als das um war, dachte daran niemand mehr - und sie blieb.

Heute ist Ursula Breuning hier so etwas wie die gute Seele mit den goldenen Händen, die sich bemüht, jeden Wunsch zu erfüllen. Kommt eine der Lehrerinnen, mit denen sie per du ist und sagt: "Ich habe da eine Idee, kannst du mir helfen", denkt sie darüber nach, geht in ihre Werkstatt hinter der Turnhalle und kommt alsbald mit einer Lösung zurück. Im einfachsten Fall spannt sie für den Werkunterricht neue Sägeblätter in die Laubsägen. Oder sie baut einen Ständer für Reagenzgläser, in denen die Kinder Gräser sammeln.Über die scheinbar zusätzliche Arbeit denkt sie nicht nach. "Wenn ich den Lehrerinnen Arbeit abnehmen kann, gehen die entspannter in die Klassen", sagt sie.

Selbst gebaut hat sie unter anderem auch die Weihnachtspyramide, deren Gestell sie jetzt gleich als Träger für die Osterdekoration verwenden kann. Und als zu Beginn des Schuljahres Jana Danz als neue Schulleiterin antrat und für die Schulanfangsfeier ein Rednerpult vermisste, war sie verblüfft, wie schnell Ursula Breuning eins gezimmert hatte.

Die Werkstatt der Hausmeisterin ist vom kleinen Schraubenzieher über den Schraubstock bis zur Kettensäge gut ausgerüstet, und wenn Bauarbeiter auf dem Gelände sind, bittet sie die gleich mal, ihr ein Stück Kunststoffrohr, ein paar Quadratmeter Gage oder eine Schaumstoff-Ummantelung dazulassen. Kann man alles mal gebrauchen, aus vielem ist schon etwas Nützliches für den Unterricht geworden. "Das Handwerkliche habe ich schon immer gern gemacht", verrät Ursula Breuning und erinnert sich daran, wie sie es als Kind interessant fand, gemeinsam mit dem Vater ein Fahrrad auseinanderzunehmen und wieder zusammenzubauen.

Natürlich hat sie nicht den ganzen Tag Zeit zum Werkeln und Basteln. Zu ihrem Job gehören vier Stunden Reinigung am Tag, sie erledigt anfallende Reparaturen im Haus, schiebt im Winter Schnee und streut, schneidet im Sommer Hecken und Bäume, repariert Stühle und Bänke, räumt bei Bedarf Zimmer ein und aus. "Ja", sagt sie, "einen Schrank kann man alleine tragen, man muss nur wissen wie", und sie zeigt auf eine selbst gebaute Transportkarre. Überdies verwaltet Ursula Breuning den Schlüssel für die Turnhalle für die Vereine. Und sie ist morgens sechs Uhr die Erste und am Abend die Letzte im Haus, denn sie schaltet die Alarmanlage ab und ein, egal ob 18 Uhr oder erst nach abendlichen Veranstaltungen gegen 20 Uhr oder später. Dafür ist es günstig, dass sie gerade mal Hundert Meter von der Schule entfernt wohnt. Und auch bei Wochenendveranstaltungen der Bildungsstätte ist sie selbstverständlich immer mit dabei.

Apropos Familienbetrieb: Seit ihr Mann Rentner ist, kommt der regelmäßig vormittags mit in die Schule und hilft ihr. Und zwei Bekannte aus dem Ort fassen auch noch mit zu, wenn es doch mal Arbeiten gibt, die ihr allein zu schwer sind.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.03.2013

Neumann, André

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