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Die letzten Brötchen sind verkauft - Bäcker findet keinen Nachfolger

Die letzten Brötchen sind verkauft - Bäcker findet keinen Nachfolger

Groitzsch/Löbnitz-Bennewitz. Die Ladentür bleibt fest verschlossen, die letzten Brötchen sind gegessen und die Regale in der kleinen Landbäckerei wirken bis auf ein paar Kekstüten wie leer gefegt.

Bäckermeister Lothar Pöhner vor den nun leeren Regalen.

Quelle: Jens Paul Taubert

Nach fast 102 Jahren Familienbetrieb sind in der Bäckerei Pöhner in Löbnitz-Bennewitz sprichwörtlich die Lichter ausgegangen. Bäcker- und Konditormeister Lothar Pöhner (65) hat das Rentenalter erreicht und bis zuletzt keinen Nachfolger für den Betrieb gefunden. "Es ist traurig und tut mir persönlich sehr weh", sagt der sympathische Handwerksmeister. "Ich hätte gerne noch ein paar Jahre weitergemacht, ich fühle mich fit und noch nicht so alt. Aber die Umsätze sind immer weiter zurückgegangen. Es hat sich einfach nicht mehr gelohnt."

 

 

Schon als Elfjähriger arbeitete Lothar Pöhner gerne in der Backstube mit, ging seinen Eltern Gertraud und Manfred und den Großeltern nach Schulschluss zur Hand. Neben Brot und Brötchen backte die Familie auch Konditorwaren wie Eclairs, Schwarzwälder Kirschtorte, Erdbeer-, Schmand- oder Quarkkuchen. Sie blieben bis zuletzt der Renner an den Kaffeetafeln der Region. "Andere Jungs in meinem Alter mussten in der Landwirtschaft Ställe ausmisten und die Tiere versorgen. Ich habe lieber gebacken." Als er später bei Bäckermeister Gerhard Müller in Groitzsch in die Lehre ging, musste der junge Mann gar nicht mehr viel dazulernen.

 

 

Im September 1971 übernahm er den Familienbetrieb, war damals mit 21 Jahren der jüngste Bäckermeister in der DDR. Nachts 3 Uhr aufstehen, machte ihm nichts aus. Nach der Wende klingelte der Wecker sogar noch etwas früher, denn das Geschäft brummte. Zwischenzeitlich arbeiteten zwölf Angestellte im Zweischichtsystem und backten für den Laden in Löbnitz-Bennewitz, die beiden neuen Filialen in Groitzsch und Kretzschau (Zeitz) sowie für einige Betriebe in Lucka, Pegau und die Fleischerei Landhan in Großstolpen. Dazu kamen zwei Verkaufswagen, die über Land fuhren.

 

 

Doch die goldenen Zeiten sind längst vorbei. Als Lothar Pöhner nun sein Geschäft schloss, überschütteten ihn die Kunden mit Blumen, Sekt und Dankesworten. Manche kauften schnell noch ein paar Brote bei ihm ein, um sie zu Hause einzu-frieren und noch lange die gewohnte Qualität genießen zu können. "Mir standen die Tränen überall", sagt der 65-Jährige.

 

 

Nun muss er selber seine Brötchen einkaufen: bei den Kollegen Schützka in Groitzsch oder Just in Hohendorf. Supermarktbackwaren kommen für den Handwerksmeister nicht in die Tüte. "Ein gutes Brötchen besteht nur aus Mehl, Salz, Wasser und Hefe. Keine künstlichen Backmittel, keine Geschmacksverstärker, Volumenvergrößerer oder Konservierungsmittel. All das haben wir niemals verwendet. Auch den Sauerteig habe ich immer selber hergestellt. Das machen heute noch die wenigsten..." Die Supermarktpreise sind für einen Privatbäcker nicht zu toppen, doch Lothar Pöhner hat dazu seine eigene Meinung: "Für ihr Auto geben die Menschen viel Geld aus, das Öl kann ihnen nicht teuer genug sein. Aber was auf den Tisch kommt, ob nun Brot oder Brötchen, Fleisch und Wurst, sollte bitteschön immer das Billigste sein. Das kann einfach nicht gutgehen."

 

 

Sein Rentnerleben will der Löbnitz-Bennewitzer vor allem mit seiner Frau Evelin, die ihn immer unterstützt hat, und der Familie verbringen. Enkel Nicolas Schlüter ist ein erfolgreicher Ruderer und Mitglied der deutschen Nationalmannschaft. Der 19-jährige Sportsoldat trainiert und wohnt in Halle, nutzt aber jede freie Minute, um seine Eltern und Großeltern zu Hause zu besuchen. "Vielleicht habe ich jetzt mehr Zeit, ihn bei Wettkämpfen zu sehen", sagt der stolze Opa.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.01.2015
Kathrin Haase

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