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Borna Disput um Impfstoff: Ärzte im Landkreis Leipzig raten dringend zu Grippe-Schutz
Region Borna Disput um Impfstoff: Ärzte im Landkreis Leipzig raten dringend zu Grippe-Schutz
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00:20 14.10.2017
Landkreis Leipzig

Wie in jedem Jahr steht eine potenzielle Grippesaison vor der Tür – auch im Landkreis Leipzig lassen sich nun wieder viele Menschen impfen. Doch was ist der richtige Impfstoff? Während die Sächsische Impfkommission einen Vierfachschutz empfiehlt, fordern die Krankenkassen die Ärzte in Sachsen auf, aus wirtschaftlichen Gründen nur preiswertere Mittel mit einem Dreifachschutz zu spritzen. Wer als Patient den Vierfachschutz möchte, muss im Regelfall extra zahlen. Auch viele Mediziner im Landkreis Leipzig sind mit dieser Praxis der Krankenkassen nicht einverstanden, wie unsere Umfrage zeigt. Dennoch empfehlen sie unbedingt die Impfung.

Dass es diese Zweiteilung bei den Impfstoffen gibt, kritisiert auch Dr. med. Annemarie Hommel (44). „Ich finde das nicht gut“, sagt die Kinderärztin aus Geithain. Sie biete zwar beide Varianten an, impfe nach eigener Aussage aber primär vierfach. „Der Schutz ist wirksamer und verringert die Häufigkeit von Impfdurchbrüchen“, lautet ihr Fazit. Unter einem Impfdurchbruch wird eine Erkrankung verstanden, die im Zuge einer vorausgegangenen Impfung auftritt.

„Wir impfen im Jahr durchschnittlich 1000 Patienten“, erklärt der Facharzt für Allgemeinmedizin, Dr. med. Reinhart Berger aus Grimma. Bei ihm hat die Impfsaison bereits im September in der Käthe-Kollwitz-Straße in Grimma begonnen und dauert bis Mitte November. „Unsere Patienten haben uns schon danach gefragt, ob der Dreifachschutz ausreichend ist“, erklärt der Allgemeinarzt. Letztes Jahr hätte dieser nicht genügt, aber vor zwei und drei Jahren wäre eine Vierfachimpfung unnötig gewesen. „Wir raten in diesem Jahr, die Dreifachschutzimpfung in Anspruch zu nehmen“, sagt Dr. Berger. Patienten, die es wollen, können jedoch sich auch auf eigene Kosten vierfach impfen lassen. Die Rabattverträge mit den Arzneimittelherstellern würden noch in diesem und nächsten Jahr wirken. Dann gehe er davon aus, dass die Vierfachimpfung wieder ein Thema ist. „Sinn macht diese vor allem für ältere Leute“, erklärt der Facharzt. Allerdings könne in diesem Jahr und auch in den nächsten Jahren niemand mit Bestimmtheit sagen, ob die Erreger dann eine Vierfachimpfung erfordern. Der Dreifachimpfschutz würde die gängigen Grippe-Erreger abdecken.

Dr. med. Werner Jerusel (58), Facharzt für Allgemeinmedizin in Kitzscher, hat keine hohe Meinung von der Forderung der Krankenkassen. „Es ist ein Unding, dass die so etwas machen. Die Zweiteilung ist unmöglich.“ Er halte sich in seiner Praxis nicht hundertprozentig an die Anweisung, wie er freimütig bekennt. Patienten mit geschwächtem Immunsystem etwa, chronisch Kranken, Pflegeheimbewohnern oder Infektionsgefährdeten impft er weiterhin den Vierfachschutz. Den habe er entsprechend bestellt und halte ihn ausreichend vorrätig.

Von einer verfehlten Diskussion spricht Dr. med. Ulrich Pfeifer, Allgemeinmediziner in Borna: „Ob dreifach oder vierfach ist doch völlig unwichtig. Der Impfschutz ist ja in jedem Falle gegeben.“ Entscheidend sei, sagt der Facharzt, der zum Ende des Jahres seine berufliche Tätigkeit altersbedingt einstellt, dass sich die Menschen impfen lassen. Denn eine Immunisierung sei in der Bevölkerung kaum gegeben. Die Impfquote sei zuletzt exponentiell nach unten gegangen, gerade auch in Sachsen. „Offenbar haben die Leute kein Interesse mehr am Impfen. Das ist sehr bedenklich“, so Pfeifer.

„Die Dreifachimpfung bietet einen guten Schutz und hat sich bewährt, auch wenn die vierfache einen Hauch besser ist“, sagt Wolfgang Buske, Allgemeinmediziner in Trebsen. Für ihn stellt diese Unterscheidung jedoch nicht das Hauptproblem dar. „Viel wichtiger ist es, dass die Leute überhaupt impfen gehen. Viele erkennen die Notwendigkeit nicht“, erklärt der 55-Jährige, der betont, dass es sich bei der Grippe um eine schwere Erkrankung handelt. Den Vierfachimpfstoff bietet Buske auch an, er hält sich aber grundsätzlich an die gesetzlichen Vorgaben.

Von Matthias Klöppel, Cornelia Braun und Frank Pfeiffer

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