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Doppelmord in Groitzsch: Tatverdächtiger schweigt - Mutter rief Polizei an

Doppelmord in Groitzsch: Tatverdächtiger schweigt - Mutter rief Polizei an

Groitzsch/Leipzig. Nach der Festnahme eines Tatverdächtigen im Fall des Doppelmordes von Groitzsch schweigt der Beschuldigte weiter.

Neuere Erkenntnisse oder gar ein Geständnis lägen nicht vor, sagte der Leipziger Oberstaatsanwalt, Ricardo Schulz, am Samstag gegenüber LVZ-Online. Am Wochenende liege der Schwerpunkt der Ermittlungen auf der Arbeit am Tatort. Der Tatverdächtige berate sich mit seinem Anwalt.

Der 40-Jährige war am Donnerstagabend in Bayern festgenommen worden, nachdem er sich selbst gestellt hatte. Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft sei er der Eigentümer des Geländes, auf dem am 28. August in Groitzsch zwei 19 und 23 Jahre alte Männer erschossen worden waren.

Der Festnahme sei ein Anruf der Mutter des mutmaßlichen Täters bei der Polizei vorausgegangen, sagte der Leiter der Polizeidirektion Westsachsen, Jürgen Georgie, bei einer von LVZ-Online übertragenen Pressekonferenz. Die Frau habe demnach gesagt: „Mein Sohn möchte sich stellen.“ Der Beschuldigte selbst meldete sich später bei den Beamten mit den Worten: „Ich bin hier und warte auf Sie.“ Er habe sich daraufhin widerstandslos festnehmen lassen.

In dem Wagen, in dem der 40-Jährige wartete, fand die Polizei eine Pistole. Derzeit werde untersucht, ob es sich um die Tatwaffe handelt. Der Mann ist Inhaber einer Waffenbesitzkarte und eines Jagdscheines, außerdem wurden mehrere Waffen in seiner Wohnung gefunden. „Strafrechtlich ist er ein unbeschriebenes Blatt“, sagte Georgie.

Der mutmaßliche Täter selbst hatte seit 2007 vier Anzeigen wegen Sachbeschädigungen und Hausfriedensbruchs erstattet, die sich auf sein Gelände in Groitzsch bezogen. Der Leiter der Polizeidirektion Westsachsen sagte: „Wir wissen, dass er selbstständiger Kaufmann sein soll.“ Ihm sollen verschiedene Immobilien in Sachsen, vor allem in den Regionen Leipzig, Grimma und Döbeln gehören.

Unmittelbar nach dem Mord an den beiden jungen Männern war der jetzt Beschuldigte zunächst als Zeuge gesucht worden. Passanten hatten ihn zuvor in Groitzsch gesehen. Im Laufe der Woche konnten ihn die Ermittler nicht ausfindig machen. Welcher Umstand dazu geführt hat, dass der 40-Jährige vom Zeugen zum Tatverdächtigen wurde, wollte Oberstaatsanwalt Schulz am Freitag nicht sagen. Er betonte, dass noch Ermittlungsarbeit nötig sei, um sicher Anklage erheben zu können. Auch die Untersuchungen am Tatort sind nach den Worten Georgies noch nicht abgeschlossen. Spezialisierte Ermittler seien dabei, Spuren zu sichern.

Der Tatverdächtige war noch in der Nacht zu Freitag aus Bayern nach Leipzig gebracht worden, wo er am Morgen von Staatsanwaltschaft und Polizei sowie vom Ermittlungsrichter befragt wurde. Der Beschuldigte äußerte sich dabei nicht zu den Vorwürfen. Der Richter sah den dringenden Tatverdacht als gegeben und ordnete Untersuchungshaft an.

Im April 2009 war ein 27-Jähriger in der Nähe des Tatortes in Groitzsch erschossen worden. Die Ermittler prüfen nun, ob es zwischen den Taten einen Zusammenhang gibt. Dazu werden unter anderem die Projektile verglichen. Das Ergebnis dieser Untersuchung stehe aber noch aus, teilte Landespolizeipräsident Bernd Merbitz mit.

maf

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