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Borna Dorfgasthof-Sterben: Wirt Bliß hält dagegen
Region Borna Dorfgasthof-Sterben: Wirt Bliß hält dagegen
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15:01 30.04.2018
Sind stolz auf 30 Jahre im Landgasthof Michelwitz: Martina und Mario Bliß in ihrem Saal. Quelle: Andreas Döring
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Groitzsch

Als kleiner Junge sagte Mario Bliß zu seiner Oma: „Ich will Koch lernen und eine eigene Gaststätte haben.“ Und genau das tat er später auch. Der heute 58-Jährige stammt aus Groitzsch und lernte in den 70er-Jahren Koch im Böhlener Werk. Später arbeitete er in der Küche des Chemiebetriebes, aber sein Chef wusste immer: Irgendwann macht der Mario sein eigenes Ding.

Im nahen Michelwitz hörte 1988 der Wirt auf, ein Nachfolger wurde gesucht. Mario Bliß kannte den Landgasthof gut. Er war als Jugendlicher dort regelmäßig tanzen, lernte seine Frau Martina bei der Disco im Michelwitzer Saal kennen. Die beiden halfen dem Wirt ab und zu bei Hochzeiten und größeren Feierlichkeiten. Sie bewarben sich als Nachfolger.

Elektriker-Paar war bei Bewerbung zunächst schneller

Allerdings waren sie die zweiten Bewerber. Ein Elektriker-Paar war schneller. „Deshalb bekamen sie von der LPG den Zuschlag, so war das damals“, erinnert sich Bliß. Die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft hatte für die Kneipe das Nutzungsrecht und durfte entscheiden, wer Wirt wird. „Nach ein paar Tagen rief mich aber der LPG-Vorsitzende an und erzählte, dass seine Leute ihn überstimmt hatten und meinten: Wenn sich ein Koch bewirbt, können wir doch keinen Elektriker nehmen“, erzählt er.

Vor 30 Jahren, am 1. Mai 1988, öffnete Familie Bliß ihre Lokalität. Zur Feier des Tages spielte eine tschechische Blaskapelle. Das Paar weiß bis heute nicht genau, wer das damals eigentlich organisierte und sucht immer noch nach Fotos. Es war eine wahnsinnig stressige Zeit, nur zwei Wochen blieben den neuen Wirtsleuten für die Übernahme.

Für 20 Mark war damals die ganze Familie satt und der Vater heiter

Über wenige Besucher konnten sie von Anfang an nicht klagen. „Sie standen bei uns oft Schlange“, sagt Mario Bliß. Ein Schnitzel mit Brot kostete 1,70 Mark. „Für 20 Mark konnte sich eine Familie satt essen und der Vater konnte noch richtig was trinken, das waren Zeiten“, staunt der Wirt nach drei Jahrzehnten.

Umfangreiche Bauarbeiten standen damals an. Es gab noch Plumpsklos, Asbest war im Dach. Der Saal wurde renoviert, Heizung und Fenster erneuert. Zunächst war das Paar bei der LPG angestellt, ab 1990 pachteten die beiden den Gasthof, 1992 konnten sie ihn kaufen.

Oldie-Disco in Michelwitz, als dies noch kaum einer kannte

Die Wende lief gut für sie. Monteure mieteten sich in ihren Gastzimmern ein. Einmal in der Woche war die Jugenddisco gut besucht. 1996 allerdings gab es Probleme mit Randale. Wirt Bliß verzichtete auf Tanz für junge Leute, bot dies in seinem schönen Saal aber fürs ältere Semester an, lange bevor Oldie-Discos allseits bekannt waren. „Das schlug ein wie ’ne Bombe, die Leute kamen von sonst woher“. Bis heute wird bei ihm einmal im Monat getanzt. „Vielleicht biete ich sogar mal ’ne Ü-50-Disco an“, überlegt er.

DJ Bonzay alias Andy Staudacher aus Leipzig kommt dafür regelmäßig nach Michelwitz. Der 35-Jährige legt vor allem für städtische Partys auf, auf dem Land ist er weniger. „Es gibt bei mir drei Dörfer, wo es seit Jahren gut läuft, eins davon ist Michelwitz“, sagt der DJ, der seit 14 Jahren im Geschäft ist. Das Publikum im Saal des Landgasthofes sei bunt gemischt, von 20 bis 60. Danach würde er die Musik aussuchen. Die Stimmung sei prima. Die nächste Oldie-Disco startet am 20. Mai um 21 Uhr.

Mit Familienfeiern wird heute das Geld verdient

Früher war der Dorfgasthof ein Ort, an dem man sich zum Skaten, Knobeln und Quatschen traf, „das gibt es heute fast nicht mehr“, meint Wirt Bliß. Sein Geld verdient er mit Familienfeiern. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, „2019 ist fast voll, wir haben sogar schon Buchungen für 2020“. Donnerstag, Freitag und Sonnabend ist im Saal oft große Party angesagt. Dabei gibt es schon Stammkundschaft: Wer seine Hochzeit in Michelwitz feierte, kommt zur Silbernen Hochzeit wieder.

Für den Drei-Mann-Betrieb – das Paar beschäftigt eine Küchenkraft und für die Feiern Pauschalkräfte – bedeutet das jede Menge Arbeit. Die Partys gehen oft bis morgens um drei oder vier. Häufig frühstücken die Gäste vor Ort. Mario Bliß hat an seinem Job nach all den Jahren immer noch Spaß. „Ich stehe gern in der Küche, liebe das Kochen, mache alle Salate selbst.“ Ein großes Glück sei, dass auch seine Frau, eine gelernte Verkäuferin, dieses Leben mag und sie zusammen so erfolgreich ihren Gasthof betreiben können.

Am 1. Mai feiert das Wirtspaar Bliß den Gasthof-Geburtstag mit einem Frühschoppen von 10 bis 15 Uhr. Die Guggemusiker haben sich 11 Uhr angesagt.

Von Claudia Carell

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