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Drehen ist wie eine Handschrift

Drehen ist wie eine Handschrift

69 Unternehmen in ganz Sachsen ließen am Sonnabend zum 6. Tag der offenen Töpferei ihre Besucher schauen, anfassen und selbst gestalten – darunter vier aus der Region: die beiden Werkstätten in Kohren-Sahlis sowie in Pegau und Löbnitz-Bennewitz bei Groitzsch.

Kohren-Sahlis. Viele Besucher nutzten das Angebot, sehr zur Freude der Töpfer. Auch der Hauptgeschäftsführers der Handwerkskammer, Reinhard Schröter, und der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft des Landkreises Leipzig, Ingo Schöne, gaben sich in Kohren ein Stelldichein. „Wir freuen uns, dass Töpfermeisterin Gundula Müller sich über das eigene Unternehmen hinaus für das Handwerk in der Region einsetzt“, würdigte Schröter, der erst seit wenigen Monaten im Amt ist, das Engagement der Kohren-Sahliserin. Er besuchte mit Schöne Unternehmen, die sich am Tag der offenen Töpfereien beteiligten. Besonders interessierte ihn in der Töpferei Müller, wie unter den geschickten Händen der Meisterin Reliefs entstehen, darunter eins über Kohren-Sahlis. Auch das älteste noch heute bekannte Dekor in Kohren-Sahlis, das Löffelmuster, versetzte ihn in Staunen, als die 48-Jährige einen Löffel in die Hand nahm und das Dekor mittels eines Farbbegusses auf einem Becher entstehen ließ. Zuvor erzählte Müller, dass die ältesten Zeugnisse der Töpferkunst in Kohren-Sahlis Scherben aus dem neunten Jahrhundert darstellen. Sie wurden bei Ausgrabungen am Fuße der Burg gefunden. Recht geschickt stellte sich Schöne an, der mit Hilfe von Müller auf der Töpferscheibe eine Vase aus Ton zauberte. Die Besucher betrachteten dabei faszinierend die Verwandlung des Tonklumpens. Gundula Müller erzählte unterdessen, dass sie mit ihrem Mann Carsten (50) und einer  Saisonkraft die Töpferei betreibt. Sie selbst arbeitet seit über 30 Jahren im Töpferhandwerk und legte 1995 ihre Meisterprüfung ab. Sie ging in die Schule von Erhardt Goschalla in Meuselwitz. „Wir restaurieren auch Keramik des berühmten Frohburger Kunstkeramikers Kurt Feuerriegel“, informierte Müller. Seine bekanntesten Werke sind der Kohrener Töpferbrunnen, bekrönt von der Gestalt der Töpferfrau, sowie die Figuren des Frohburger Töpfermädchens und des Feldgärtners Max Frenzel. Reliefs wie das von Gutenberg an der ehemaligen Buchdruckerei Berthold und die die Frohburger Hauptgewerbe Töpferei und Weberei symbolisierenden am Frohburger Bahnhof zählen auch dazu. „Wenn stets so ein Andrang herrschte, wären wir fein raus“, zeigte sich Simone Döhler vom Töpferhaus Arnold in Kohren-Sahlis sehr zufrieden. „Es werden jährlich mehr Gäste. Manche stellen sogar Routen zusammen, um mehrere Töpfereien in Augenschein zu nehmen“, schilderte sie. Nicht nur der selbst gebackene Kuchen lockte Roswitha Koschek und Joachim Greveaus Gera. „Wir wollten einmal selbst an der Töpferscheibe sitzen“, sagte sie. „Wir sind begeistert“, so die beiden, die nach der Töpferei Müller auch Arnolds einen Besuch abstatteten. Begeistert war ebenso Familie Krey aus Leipzig. So formte Ferdinand (4) eine Bratpfanne und Karl (5) ein Verkehrszeichen aus Ton. In der traditionsreichen Arnold’schen Töpferei – immerhin besteht sie seit 455 Jahren – stimmte der Tag der offenen Tür die sieben Mitarbeiterinnen glücklich. Das sah man auch Janine Fiebig an. Die 28-jährige Keramikerin demonstrierte, wie mittels Töpferscheibe Windlichter entstehen. „Drehen ist wie eine Handschrift, sehr individuell“, erzählte sie dabei Familie Bock aus Böhlen hatte Besuch von der Ostsee und aus Thüringen mitgebracht und freute sich, dass der von der alten Handwerkskunst beeindruckt war. Deshalb wird schon ein Besuch des 19. Töpfermarktes in Kohren Sahlis vom 4. bis 5. Juni in Erwägung gezogen.

Cornelia Braun

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