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Drei Juwele in der Schatzkiste von Kitzen – Schloss, Inspektorenhaus und Gutspark

Pegau Drei Juwele in der Schatzkiste von Kitzen – Schloss, Inspektorenhaus und Gutspark

Drei Juwele gibt es in Kitzen: das einstige Schloss, das Inspektorenhaus und der angrenzende Gutspark. Nach der Sanierung des Inspektorenhaus gibt es nun ehrgeizige Pläne für das wenig genutzte Herrenhaus. Nach Vorstellungen des Ortschaftsrates und Siedlerverbandes könnten hier eine Außenstelle der Grundschule Pegau sowie ein Wochenend-Café entstehen.

Blick durch den Kulturpark auf das Herrenhaus von Kitzen. Nach dem Willen des Ortschaftsrates und Siedlervereins könnte hier bald eine Außenstelle der Grundschule Pegau entstehen.

Quelle: Jens Paul Taubert

Pegau/Kitzen. Wie Perlen auf einer Kette reiht sich im Herzen von Kitzen ein Schmuckstück an das andere: das Rittergut, das Inspektorenhaus und der Gutspark. Für dieses kulturhistorische Dreieck gibt es ehrgeizige Pläne und einiges ist auch schon in Bewegung geraten, berichtet Carsten Iwan, Stadtrat in Pegau für den Siedlerverein Kitzen-Rodeland.

Beispielsweise das Inspektorenhaus, ein Kulturdenkmal, im Heimatschutzstil geplant und errichtet vom Hallenser Architekten Paul Grempler im Auftrag des Rittergutsbesitzers Max Laue im Jahr 1922. Iwan hatte das Anwesen 2014 von zwei Geschäftsleuten aus den Altbundesländern erworben und seitdem rund 650 000 Euro in die Sanierung investiert. „Es war total runtergekommen, eine Ruine“, erinnert er sich. Brandschäden, Vandalismus, der Einfall des Heizhauses, Feuchtigkeit im Erdgeschoss – hier wartete ordentlich Arbeit auf den erfahrenen Bauingenieur.

Nach der heißen Bauphase in den Jahren 2015 und 2016 ist das dreistöckige Gebäude mittlerweile ein echter Hingucker, mit wärmegedämmten Fenstern, Etagenheizung und Fußbodenheizung im Erdgeschoss. Alle fünf Wohnungen sind vermietet – an Familien aus Leipzig, Zwenkau, Löben und Knautnaundorf. Als Letztes müssen noch die Dachrinne über dem Garagenkomplex ausgewechselt und die Remise schmuck gemacht werden, dann ist alles fertig. „Ich liebe dieses Haus“, sagt Carsten Iwan über das kleine Juwel. Er werde oft darauf angesprochen und merke zwischen den Zeilen, wie der Stolz der Einwohner auf das Dorf insgesamt wachse.

Das sanierte Baudenkmal nimmt nun sogar am sächsischen Landeswettbewerb Ländliches Bauen 2017 teil. Erst vor wenigen Tagen erhielt Carsten Iwan die Nachricht, dass sein Projekt die Endrunde erreicht hat. Am 22. Juni besichtigte die Jury unter Leitung von Professor Will das Inspektorenhaus.

Einen Katzensprung entfernt befindet sich eine weitere Perle: das barocke Rittergutsschloss, erbaut um 1700 von Caspar von Hacke. „Ich nenne es gerne Schloss oder Schlösschen“, erzählt der Bauingenieur, „in Pegau sagt man altes Rathaus dazu und in Kitzen Kulturhaus. Wie auch immer: Wir möchten gerne die Nutzung unseres Schloss-Kultur-Rathauses etwas beschleunigen.“ Das Erdgeschoss werde vom Jugendfreizeittreff, aber auch vom Seniorenclub und den Landfrauen genutzt. In der ersten Etage befindet sich der Ratssaal mit Nebenräumen, und das Dachgeschoss hat eine vermietete Wohnung sowie 150 Quadratmeter ungenutzten Raum. „Für die Unterhaltung eines Gebäudes in dieser Größenordnung ist das herzlich wenig“, rechnet Carsten Iwan vor.

Der Ortschaftsrat und die Kitzener Vereine suchen deshalb Ideen, um das „Rittergutsschloss-Rat- und Kulturhaus“ fit für die Zukunft zu machen. Denkbar sei eine Außenstelle der Grundschule Pegau für 30 bis 50 Kinder, erläutert Stadtrat Carsten Iwan. „Kitzen hat aktuell 860 Einwohner. Der Bebauungsplan für das Rodeland wird erweitert und auch im Kernort wird neuer Wohnraum geschaffen. Ende des Jahres rechnen wir schon mit 900 Einwohnern und im Jahr 2020 sogar mit 1000“, überlegt der zugezogene Kitzener. Pegau und Elstertrebnitz entwickeln sich ähnlich prächtig – und dürften früher oder später mit ihrer Grundschule an Grenzen stoßen.

„Warum also nicht eine erste und zweite Klassen in Kitzen aufnehmen“, stellt Carsten Iwan die Frage in den Raum. Der Ratssaal eigne sich dafür hervorragend, er habe zwei getrennte Eingänge und könne ohne großen Bauaufwand hergerichtet werden. Auch der Gutspark mit dem markanten Theodor-Körner-Denkmal und altem Baumbestand biete den Schulkindern genügend Möglichkeiten für Pausengestaltung und sogar Unterricht im Freien. Ein entsprechender Antrag soll in Kürze von der Stadtverwaltung Pegau an das Regionalschulamt gestellt werden. „Ich hoffe, dass es dann endlich ins Laufen kommt“, sagt der Vorsitzende des Siedlervereins. Darüber hinaus gibt es Überlegungen, im Schloss ein Wochenend-Café einzurichten. „Ich finde das ein ambitioniertes, charmantes Konzept, das Kitzen gut zu Gesicht stehen würde“.

Historie Schloss Kitzen:

1073: erste urkundliche Erwähnung von Kitzen.

1277: das Rittergut Kitzen wird Lehnsgut des Bistums Merseburg

1695: der Edelhof von Kitzen brennt durch Unachtsamkeit einer Magd ab

um 1700: Caspar von Hacke errichtet das Herrenhaus im Barockstil. Architekt und Baumeister sind unbekannt.

1809: Joachim Christian Lücke, Kauf- und Handelsherr in Leipzig, kauft das Rittergut Kitzen für 80 000 Taler

1821: Christoph Alexander Freiherr von Wyhlich und Dyrenforth kauft das Rittergut für 56 000 Taler.

Es dient ihm hauptsächlich als Geldanlage.

1831: Alexandrine Gräfin von Dankelmann, Nichte des Freiherrn von Wyhlich, erbt das Rittergut Kitzen.

ab 1857 folgen mehrere bürgerliche Eigentümer.

1910: Umbau des Rittergutsschlosses durch Max Laue

1945: Enteignung von Gisela Laue, der Tochter und Erbin von Max Laue, als Rittergutsbesitzerin

1946: Die staatliche Maschinen-Ausleih-Station (MAS) erhielt das Rittergutsschloss als Verwaltungsgebäude.

Zeitweise kamen dort Kriegsflüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten unter.

1952: Umwandlung in ein Kulturhaus mit Kino, Theater und Tanzveranstaltungen

1990: Nach Übereignung des Gebäudes an die Kommune Kitzen wird es bis 2012 als Rathaus genutzt.

Von Kathrin Haase

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