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Drei-Millionen-Plan zum Freibad ist im Bornaer Rathaus noch nicht aufgetaucht

Planungsbüro Arcadis darf nicht sprechen Drei-Millionen-Plan zum Freibad ist im Bornaer Rathaus noch nicht aufgetaucht

Offiziell ist es im Rathaus noch nicht aufgetaucht, das Dokument, das seit dem LVZ-Stadtgespräch am Dienstag in Borna für heftige Diskussionen sorgt: der „Vorentwurf – Freibad Wyhraaue“ des Dresdner Planungsbüros Arcadis, dessen Angabe zu den Kosten eines neuen Freibades an alter Stelle so brisant sind.

Beim LVZ-Stadtgespräch am Dienstag wurde bekannt, dass der (Wieder-)Aufbau des Freibades An der Wyhraaue 3,7 Millionen Euro kosten könnte.

Quelle: Andreas Döring

Borna. Offiziell ist es im Rathaus noch nicht aufgetaucht, das Dokument, das seit dem LVZ-Stadtgespräch am Dienstagabend im Goldenen Stern in Borna für heftige Diskussionen sorgt: der „Vorentwurf – Freibad Wyhraaue“ des Dresdner Planungsbüros Arcadis, dessen Angabe zu den Kosten eines neuen Freibades an alter Stelle so brisant sind. Statt bisher prognostizierter 1,9 Millionen Euro, mit denen auch die Bürgerinitiative für den Wiederaufbau des Bades im Vorfeld des Bürgerentscheids am 22. Mai argumentiert, veranschlagen die Planer jetzt mit 3,7 Millionen Euro nahezu das Doppelte. In einem Papier, das es im Rathaus offiziell gar nicht gibt. Nicht geben soll.

„Wir suchen noch“, erklärte die Bornaer Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) Freitag früh auf Anfrage. Der Vorsitzende des Freibadvereins, Holger Luedtke (Linke), hatte die Unterlagen dann zwei Stunden später. „Ich habe das unter großen Mühen bekommen und arbeite mich gerade durch.“ Es handle sich um einen Vorentwurf, „der nie diskutiert wurde“. Und weiter: „Offiziell gibt es den gar nicht.“ Begründung: Das Dokument sei erst an die Stadt geschickt worden, als der Stadtrat seinen Beschluss zum Abriss der Reste des einstigen Wyhraauenbades bereits gefasst hatte. Der 55-Jährige schlussfolgert, dass die Stadtverwaltung danach sämtliche Arbeiten in Sachen eines Wiederaufbaues des Freibades eingestellt habe. Holger Luedtke: „Das Papier ist nicht relevant.“

Zudem sei es „fachlich einfach falsch“. Arcadis habe weder Fachleute für den Bau von Naturbädern noch, Stichwort Hochwassergebiet, die Talsperrenmeisterei zurate gezogen, so Holger Luedtke. Die Oberbürgermeisterin kritisierte, der Auftrag an Arcadis habe sich auf ein Naturbad bezogen, „aber wir haben die Zahlen für ein Chlorbad bekommen“. Bei Arcadis selbst wollte sich am Freitag auf LVZ-Anfrage niemand äußern. „Dazu brauchen wir die Freigabe des Auftraggebers“, hieß es dazu. Also des Bornaer Rathauses. Die lag bis Freitagnachmittag nicht vor.

CDU-Stadtrat Sylvio Weise, einer von denen, die den Vorentwurf für das Freibad in der Hand haben, zeigte sich überrascht vom Auftreten des Freibadvereinschefs Holger Luedtke beim LVZ-Stadtgespräch im Goldenen Stern. Der habe die Contenance verloren, „obwohl er eigentlich ein cooler Typ ist“. Jana Storm, Frontfrau der Pro-Freibad-Initiative und gleichfalls im Podium bei der LVZ-Veranstaltung, gehöre zu den Leuten, die missbraucht würden. Zudem sei es schwer vorstellbar, dass jemand ein Gutachten für 70 000 Euro in Auftrag gebe, um dann nicht einmal nachzulesen, was er für sein Geld überhaupt bekommen habe, so Weise. Der frühere Bürgermeister Frank Stengel (parteilos) habe „mit viel Mühe“ das dafür notwendige Geld aufgetrieben.

Weise vermutet, dass die neuen Zahlen Teil einer Exit-Strategie von Oberbürgermeisterin Luedtke sind, weil unter Verweis auf die viel höheren Kosten am Ende festgestellt werden könne, „dass das alles gar nicht geht“. Weise stellt zudem die Frage, warum die Stadt zu Zeiten vor dem Abrissbeschluss des Stadtrates nicht längst Baurecht auf dem Wyhraauen-Areal geschaffen hat.

Auch im Internet wird der Umstand einer plötzlich aufgetauchten neuen Kostenschätzung zum Bad-Standort Wyhraaue heftig kritisiert und diskutiert. Selbst die Absage des Bürgerbegehrens, bei dem die Bornaer über die Rücknahme des Abrissbeschlusses für das Freibad und den Neubau eines Naturbades bis zum 31. Dezember 2018 entscheiden sollen, wird in den sozialen Netzwerken gefordert, weil die Bürgerinitiative die Unterschriften unter falschen Voraussetzungen gesammelt habe.

Auf den Online-Portalen der LVZ ist das Entsetzen groß. Christiane Stötzner kommentierte bei Facebook: „Ich fasse es nicht und man weiß nicht, was man dazu sagen soll. Wem soll man da noch glauben? Dieses Freibad treibt die Stadt in den finanziellen Ruin und was dann?“ User Thomas Schuppe meint im sozialen Netzwerk: „Ein neues Gutachten, das kurz vor der Übergabe der Unterschriftenliste datiert ist. Die LVZ kennt es, mindestens ein Stadtrat kennt es und die Stadtverwaltung will es nicht kennen. Irgendwer muss es doch bezahlt haben?“ Und auf LVZ.de kommentierte „Sorbin“: „Eine Bombe die zum richtigen Zeitpunkt geworfen wird.“

Was in der Arcadis-Vorplanung steht

Die Zahl derer, die die Vorplanung für das Freibad in der Bornaer Wyhraaue in der Hand haben, steigt seit dem LVZ-Stadtgespräch am Dienstag ständig. Bleibt die Frage, was das Dokument so brisant macht. Da sich die Verfasser des Dresdner Planungsbüros Arcadis bis zum Widerruf durch die Stadtverwaltung an ihr Schweigegelübde zu halten haben, bietet sich ein Blick in die Seiten an, die unter Orientierung an die Vorplanung der Wasserwerkstatt im Jahr 2007 entstanden, wie es darin heißt.

Zwar hätten sich die Auftraggeber der Voruntersuchung „die Umsetzung eines Naturbades“ gewünscht. Nach ausführlicher Prüfung habe sich aber herausgestellt, dass sich die Kosten für die Instandsetzung eines Naturbades nach einem Hochwasser „maßgeblich“ von denen für ein konventionelles Bad unterscheiden. Deshalb präferierte Arcadis zunächst eine Mischform aus konventionellem und Naturbad, „jedoch ist aus unterhaltungstechnischer Sicht einer konventionellen Lösung der Vorrang zu geben“.

Die Planer begründen ihren Vorschlag, konventionelle Badtechnik statt naturnaher Badewassertechnik zu verwenden damit, dass dadurch sowohl hohe Betriebskosten als auch die Instandsetzung nach einem möglichen Hochwasser „relativ zeitnah“ und ohne „hohen Kostenaufwand sicherzustellen sind“. So gebe es „immer hygienisch einwandfreies Badewasser“, zudem „wenig Personalaufwand“, und die Reinigung der Becken sei überschaubar. Auf diese Weise sei zudem ein „dauerhafter Betrieb möglich“.

Ein Naturbad hingegen könne „nicht desinfiziert werden, bei geringen Wasserqualitäten besteht Risiko der Schließung aus hygienischen Gründen“, heißt es in dem Papier. Es würden „Frösche angelockt“, was die Wasserqualität gefährde. „Bei einer intensiven Nutzung und hohen Temperaturen können viele Badegäste durch Einträge (Hautschuppen) zu Überdüngungen führen.“

Durch eine intensive Sonneneinstrahlung könnten sich zudem Algen bilden, was wiederum die Wasserqualität gefährde. Für die tägliche Oberflächenwasserreinigung sei ein höherer Personalaufwand nötig, und die notwendigen Reinigungsgeräte seien „sehr kostenintensiv“. Und nicht zuletzt gebe es bei Naturbädern eine Belastungsgrenze, weshalb das Bad womöglich gerade bei hohen Temperaturen wegen Überfüllung geschlossen werden müsse.

Weiter heißt es bei Arcadis: „Es musste festgestellt werden, dass die ursprünglich genannten Baukosten nach vertiefter Prüfung...so nicht mehr gehalten werden konnten und sich erhöht haben.“ Nach Angaben von Arcadis auf 3,7 Millionen Euro.

 

Von Nikos Natsidis

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