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Drei Monate Verzug: Alternativer Strafvollzug zieht erst Anfang 2018 an den Hainer See

Baustellenführung Drei Monate Verzug: Alternativer Strafvollzug zieht erst Anfang 2018 an den Hainer See

Zwei dreigeschossige Gebäude stehen rohbaufertig am ansonsten unberührten Teil des Nordufers des Hainer Sees. Es sind die ersten Bauten für den Strafvollzug in freien Formen, den der Verein Seehaus hier betreiben wird. Unter den rund 40 Gästen der Baustellenführung waren am Sonnabend vorwiegend Neugierige und am Projekt Interessierte.

Franz Steinert (M.) führt die Besucher durch die Baustelle für den Strafvollzug in freien Formen am Nordufer des Hainer Sees.

Quelle: André Neumann

Neukieritzsch/Hainer See. Zwei dreigeschossige Gebäude stehen rohbaufertig am ansonsten unberührten Teil des Nordufers vom Hainer Sees. Man könnte meinen, hier entstünde in exklusiver Lage ein Ferienobjekt. Tatsächlich aber handelt es sich um die ersten Bauten für den Strafvollzug in freien Formen, den der Verein Seehaus spätestens ab dem kommenden Jahr hier betreiben wird. Zunächst bis zu 14 jugendliche Straftäter aus dem Jugendgefängnis in Regis-Breitingen sollen dann hier ihre verbleibende Haftzeit verbringen. Nicht in Zellen und hinter Gefängnismauern, dafür in familiären Strukturen mit straffem Tagesplan. Maximal 21 dürfen es laut Bebauungsplan werden.

Der Freistaat Sachsen lässt sich diese Alternative zur Gefängnishaft bis zu einer Million Euro im Jahr kosten, die der Verein für den Betrieb bekommt. Nicht aber für den Bau, den müsse Seehaus aus eigenen Mitteln finanzieren. Das sagte Franz Steinert am Sonnabend den Teilnehmern einer Baustellenführung, zu der der Verein eingeladen hatte. Was der Bau kostet, sagte er nicht.

Steinert ist Hausvater in Störmthal, wo sich der Strafvollzug in freien Formen seit 2011 übergangsweise im ehemaligen Lutherstift befindet. Er lebt dort mit seiner Familie mit drei Kindern mit sechs jungen Straftätern zusammen. Die Seehausmitarbeiter nennen sie: „Unsere Jungs.“

Am Hainer See werden in einem der beiden Häuser auf je einer Etage zwei große Wohneinheiten gebaut, in denen jeweils bis zu sieben verurteilte Jugendliche mit einer Familie zusammenleben. Für die jungen Männer gibt es drei Zimmer, dazu kommen Gemeinschaftsräume. Hinter einer Zwischentür wird sich die Wohnung der Betreuerfamilie befinden. Die sei, sagt Steinert, für die Jungs tabu.

Ob er schon gefährliche Situationen erlebt habe, wird Steinert während der Führung gefragt. Ja, es habe ein, zwei Vorfälle gegeben, der schwerste sei eine Kopfnuss gewesen, die ein Bewohner einem anderem gegeben habe. Der musste zurück in den Knast. Über das Leben mit seiner Familie im Seehaus sagt er, das sei die Entscheidung für einen Lebensentwurf. Die Familie, die am Nordufer die zweite Wohngruppe betreuen wird, sei schon gefunden.

Im anderen Gebäude entstehen Wohnungen für Mitarbeiter, Räume für die Verwaltung und ein Schulraum. Der Aufenthalt im Seehaus soll mindestens neun Monate währen, besser noch ein Jahr. In dieser Zeit durchlaufen die Jugendlichen eine Ausbildung mit zwei Tagen Schule und drei Tagen Werkstatt in der Woche, Ausbildungsrichtung Bau oder Holz. Wer ohne Abschluss kommt, der kann hier einen BvJ-Abschluss machen, der dem Hauptschulabschluss gleichkommt. Wer den schon hat, durchläuft das Berufsgrundbildungsjahr, welches später von einem Ausbildungsbetrieb als erstes Lehrjahr anerkannt werden könnte.

Die Werkstatt selbst wird voraussichtlich bis zum Umzug des Seehauses ans Nordufer noch nicht gebaut sein. Die soll erst später von Kahnsdorf auf das neue Gelände geholt werden. Zunächst läuft das Bauvorhaben einem Verzug von rund drei Monaten hinterher. Weswegen der Betrieb hier nicht wie geplant im September sondern voraussichtlich im Januar 2018 aufgenommen wird, wie Seehaus-Leiter Michael Bartsch sagte.

Die Pläne des Seehauses am Hainer See waren von heftigen Protesten begleitet. In einem Bürgerentscheid, der von den Gemeinderäten Neukieritzsch und Espenhain überstimmt wurde, hatten sich vor zwei Jahren jeweils rund zwei Drittel der Teilnehmer gegen die Ansiedelung ausgesprochen. Unter den rund 40 Gästen der Baustellenführung waren am Sonnabend vorwiegend Neugierige und am Projekt Interessierte. Darunter Bürger aus umliegenden Orten, Röthaer Stadträte und Dauercamper vom nahen Campingplatz. Die wollten beispielsweise wissen, ob das Gelände abgesperrt sein werde, ob sie über Land zum Campingplatz zurück kämen, wenn sie beim Surfen hier mal stranden sollten. Das Gelände bleibe öffentlich zugänglich, versicherte Steinert. Schön wäre, schob er hinterher, wenn sich jemand hierher verlaufe, mit den Bewohnern spreche und erst hinterher erfahre, dass das Strafgefangene waren.

Von André Neumann

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