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Borna Eberhard von Cancrin und der 17. Juni 1953 (2)
Region Borna Eberhard von Cancrin und der 17. Juni 1953 (2)
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16:18 17.06.2010
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Geithain/Borna

Darin ging es auch um den Geithainer Eberhard von Cancrin. Zu würdigen ist die Arbeit von Dr. Heidi Roth aus Leipzig. Ihre Forschungen fanden ihren Niederschlag im 2003 erschienenen Buch „Der 17. Juni 1953 in Sachsen". Es ist die erste umfassende regionalhistorische Untersuchung zum Thema. Die Arbeit basiert auf sehr umfangreicher Recherche, trotzdem mussten Einzelfragen zum Schicksal Eberhard von Cancrins offen bleiben. Die Autorin weist darauf hin, dass allein das Studium von sowjetischen Originaldokumenten weiterführen könnte. In Veröffentlichungen zum 17. Juni 1953 taucht mitunter die Formulierung auf, von Cancrin sei „standrechtlich erschossen" worden. Trifft das die Wahrheit, oder sollte die Formulierung ein wie auch immer geartetes „Standrecht" suggerieren? Offen ist: Wer hat geschossen? Wann genau und wo wurde die Tat ausgeführt? Warum und weshalb? Da ist, direkt oder indirekt auf Eberhard von Cancrin bezogen, von „Spion", „Agent", „Rädelsführer" und „Wortführer" die Rede, als sollte Verhaftung und Erschießung damit begründet werden. Die „Leipziger Volkszeitung", insbesondere auch die Geithainer Kreisseite, enthalten in den Wochen Juni bis September 1953 viele Meldungen über die Ereignisse. Die Berichte bleiben aber durchweg allgemein und phrasenhaft. Nie wird ersichtlich, dass überhaupt ein Geithainer an den Ereignissen beteiligt war bzw. bestraft worden ist. Die Bemühungen, jegliche auch nur halbwegs konkrete Aussagen in der Geithainer Öffentlichkeit zu vermeiden, sind auffallend und waren Methode. Aus heutiger Sicht ist die Reaktion erklärbar: Für die Beschuldigung, von Cancrin sei ein Agent oder Spion gewesen, gab es und gibt es nicht die geringste sachliche Grundlage. Fortsetzung folgt.

G. Senf

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