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Borna Eberhard von Cancrin und der 17. Juni 1953 (3): 100 Mitarbeiter unterschrieben eine Petition
Region Borna Eberhard von Cancrin und der 17. Juni 1953 (3): 100 Mitarbeiter unterschrieben eine Petition
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16:20 17.06.2010
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Geithain/Borna

„Rädelsführer" (aus Obrigkeitssicht) war. Informationen zu dieser Frage finden sich bei Roth: „Kurz nach Schichtbeginn fand in der Brikettfabrik II ... eine Gewerkschaftsversammlung statt, die bereits längere Zeit geplant war. Auf dieser Versammlung trat der 38-jährige Armin Blohme aus Leipzig auf und verlangte den Sturz der Regierung, Solidarität mit den streikenden Berlinern, Freilassung sämtlicher politisch inhaftierter Personen, Absetzung des Werkleiters und Senkung der HO-Preise. Es wurde eine Resolution verabschiedet, die etwa 100 Mitarbeiter unterschrieben. Nach Angabe der SED-Kreisleitung und der Staatssicherheit waren zwei Leipziger ... die „Rädelsführer'. Neben Blohme wurde der 31-jährige Erwin Mahleur genannt." Fehlt hier schon der Name von Cancrin, heißt es bei Roth einige Zeilen weiter ausdrücklich: „Er wurde in den MfS-Berichten nicht als „Wortführer' genannt." Michael Hofmann schreibt in seinem 1995 erschienenen Buch „Soziale Milieus in Ostdeutschland", nach Erinnerungen von Zeitzeugen sei auf dieser Versammlung auch der Geithainer von Cancrin hervorgetreten. Nach über 50 Jahren zu entscheiden, ob nun „Rädelsführer" oder „auch hervorgetreten", ist nicht möglich, aber auch nicht nötig. Zum Ende der Versammlung heißt es in einem MfS-Bericht: „Eine Arbeitsniederlegung konnte verhindert werden." Im Gegensatz zu den anderen sechs SAG-Betrieben im Bezirk Leipzig blieb es in Espenhain „am 17. Juni 1953 mehr oder weniger ruhig." Forts. folgt.

G. Senf

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