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Borna Eberhard von Cancrin und der 17. Juni 1953 (4)
Region Borna Eberhard von Cancrin und der 17. Juni 1953 (4)
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16:22 17.06.2010
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Geithain/Borna

Die Forschungen von Heidi Roth führen zu anderen Ergebnissen: „Die SED- Kreisleitung Borna berichtete darüber, dass von Cancrin zunächst beim MfS einsaß und später von der Kreisdienststelle Borna „wegen Aufwiegelung und Aufruhr (...) den sowjetischen Dienststellen übergeben wurde.' Ein Bericht der Kreisdienststelle bestätigt diese Angabe." Wie ist nun das Wort „später" zu interpretieren? Erfolgte der Abtransport im Jeep, von dem in verschiedensten Zeitzeugenberichten gesprochen wird, gleich nach der Übergabe? Wann starb Eberhard von Cancrin, warum wurde er erschossen und warum gerade er? „In einem Bericht der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit wurde kurz und knapp festgehalten, dass von Cancrin „durch die Freunde erschossen' wurde." Im offiziellen Todesschein (im Besitz der Familie) steht "...zu unbekannter Stunde am 18. Juni 1953 in Leipzig verstorben." 1990 entstand in Espenhain der Dokumentarfilm „Schornsteinleben". Ein ehemaliger Arbeitskollege nennt darin im Interview ebenfalls Leipzig als Ort, an dem von Cancrin erschossen worden sei. Warum von Cancrin als einziger den sowjetischen Stellen übergeben und von diesen erschossen wurde, könnte schlicht mit dem adeligen Namen zusammenhängen. Falls es den sowjetischen Dienststellen darum ging, ein Exempel zu statuieren, war ein „von Cancrin" natürlich prädestiniert. Georg Graf von Cancrin war 1844 Finanzminister des russischen Zaren. Wie in der Biographie zum Ausdruck kam, hat Eberhard von Cancrin aber, außer dem Namen, mit dem bedeutsamen Adelsgeschlecht praktisch nichts zu tun. Recherchen im Internet ergaben, dass der Name im Offiziersadel des 1. Weltkrieges nicht mehr vorkommt. Auch unter den Adligen im Offizierscorps der Waffen-SS ist der Name nicht vertreten. Es erscheint mehr als gewagt, einen Zusammenhang herstellen zu wollen zwischen der russischen Linie des Geschlechts derer von Cancrin im 19. Jahrhundert und der Erschießung des Eberhard von Cancrin Mitte des 20. Jahrhunderts durch sowjetisches Militär. Eher träfe dann schon zu, dass das Wörtchen „von" im Namen und nicht der Name selbst relevant war.

G. Senf

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