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Eberhard von Cancrin und der 17. Juni 1953 (6)

Eberhard von Cancrin und der 17. Juni 1953 (6)

Nach Torsten Diedrich demonstrierten am 17. Juni insgesamt 417 750 Personen. Am 18. Juni, also bereits nach Verhängung des Ausnahmezustandes, gingen noch 44 300 auf die Straße und 105 740 streikten in den Betrieben.

Geithain/Borna. Der große Anteil der Arbeiterschaft ist unbestritten und würde die Bezeichnung „Arbeiteraufstand" stützen. Wie die große Mehrheit der Bevölkerung war auch der Arbeiter Eberhard von Cancrin mit den damaligen Verhältnissen keinesfalls zufrieden. Sicher hat er die oben erwähnte Resolution mit unterschrieben, weil auch er mithelfen wollte, die Lebensverhältnisse zu verbessern. Mit großer Wahrscheinlichkeit hat er in der Gewerkschaftsversammlung am 17. Juni seine Meinung geäußert. In dem oben erwähnten Bericht der SED-Kreisleitung Borna, die sich im Sächsischen Staatsarchiv befindet, wird als Verhaftungsgrund bei fast allen Personen angegeben: „Aufwiegelung und Aufruhr, Aufruf der Belegschaft zum Streik, ... rissen Transparente und Bilder führender Staatsmänner von den Wänden ... Verbrechen nach Art. 6 und § 115 (Aufruhr) des St.G.B. ..." Ein anderer Satz ist ebenso bezeichnend: "...wurde nicht festgestellt, dass von den Inhaftierten eine militärische Ausbildung in Westberlin erfolgte." Vom grammatikalischen Fehler in diesem Satz abgesehen, offenbart er die damalige Sicht auf die Ereignisse. Es bleibt nach dem Lesen aller einschlägigen Dokumente die Tatsache, dass von den 21 Inhaftierten sieben „wegen Mangels an Beweisen" bereits am 21. Juni 1953 entlassen wurden, die anderen 14, darunter die als Rädelsführer bezeichneten Blohme und Mahleur, von DDR-Behörden (Polizei bzw. Staatssicherheit) inhaftiert blieben und nur einer den sowjetischen Dienststellen übergeben wurde. Diese Übergabe bedeutete für Eberhard von Cancrin den Tod, für die Familie den Verlust von Vater und Ehemann. Dass sich in den folgenden Jahren bis zum Ende der DDR die offizielle Darstellung zum 17. Juni 1953 nicht geändert hat, belegt Folgendes: Zur 800-Jahr-Feier Geithains 1986 erschien ein rund 80 seitiges Heft zur Geschichte der Stadt. In der Zeittafel am Schluss wird unter dem Jahr 1953 lediglich die Wahl der Hausvertrauensleute und die Gründung der Volkshochschule erwähnt. Im Hauptteil auf Seite 42 wird der 17. Juni 1953 auf zehn Zeilen beschrieben. Der Name Eberhard von Cancrin erscheint in dieser Zusammenstellung zur Geschichte Geithains an keiner Stelle.

G. Senf

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