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Ein Areal voller Schicksale

Ein Areal voller Schicksale

Großzössen. Ab sofort hält der "Helene-Platz - Platz der verlorenen Orte" die Erinnerung an sieben Orte wach, die zwischen 1941 und 1971 der Braunkohle weichen mussten.

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Noch sind die Erinnerungstafeln schwarz verhüllt: Rund 100 Menschen verfolgten am Freitagabend die Eröffnung des "Helene-Platzes - Platz der verlorenen Orte" in Großzössen, der an sieben der Braunkohle zum Opfer gefallenen Orte erinnert.

Quelle: André Neumann

An der Stelle der ehemaligen Gaststätte, die im Volksmund Scharfe Ecke hieß, ist ein schmucker Rastplatz entstanden.

Dessen Einweihung geriet am Freitagabend zu einer Art Volksfest. Selbst Neukieritzschs Bürgermeister Henry Graichen war überrascht von den vielen Menschen, die den neuen Platz in Besitz nehmen wollten. Neben etlichen Einwohnern waren darunter auch viele, die noch persönliche Erinnerungen an Hain, Kleinzössen, Kreudnitz, Trachenau, Treppendorf, Witznitz und den devastierten Teil der ehemaligen Lobstädter Straße von Neukieritzsch haben. Die Familie von Dieter Pestner (72) zum Beispiel lebte bis 1963 in Trachenau. Er war damals bei der Armee, kam als junger Mann mit der Veränderung einigermaßen zurecht. Doch "für die Muter war es schwer", weiß er noch heute. Die, Erika Pestner, hatte im zweiten Weltkrieg den Mann verloren und musste schon 1941 Witznitz verlassen, den Ort, der den Tagebauen Witznitz den Namen gab. In Trachenau baute sie sich mit ihrer Mutter Milda Pestner, die schon im ersten Weltkrieg zur Witwe geworden war, ein neues Zuhause auf. Für wenig mehr als zwanzig Jahre, wie sich später zeigte. Und auch den ältesten Sohn holte die Braunkohle weitere zweieinhalb Jahrzehnte später noch einmal ein, wenn auch weniger dramatisch: Dieter Pestner musste 1987 seinen Garten in Breunsdorf aufgeben.

An diese und viele andere Schicksale und Tragödien erinnern nun grau-metallene Platten mit gravierten Ortsnamen, den Jahreszahlen der Ersterwähnung und der Devastierung der Dörfer sowie der Zahl der betroffenen Einwohner an zwei Gabionen-Wänden. In einem hölzernen Pavillon, der Ausflüglern als Rastplatz und Einheimischen als Treffpunkt dienen soll, hat die Neukieritzscher Geschichtswerkstatt auf Informationstafeln noch viele Details zu den Orten zusammengetragen. Entstanden sei, laut Bürgermeister, auf diese Weise und in Zusammenarbeit von Gemeinde, Verein Neue Helene, Geschichtswerkstatt und Bürgern eine Erinnerungsstätte, wie es sie mit einem solchen Informationsgehalt nicht noch einmal gebe. "Solche Orte sind wichtig, weil die Erinnerung sonst verloren geht", lobt auch Andreas Berkner, Vorsitzender des Dachvereins Straße der Braunkohle das Geschaffene. Der "Helene-Platz", versichert er, wird in das Projekt Straße der Braunkohle mit aufgenommen und in der nächsten Auflage des Exkursionsführers, der voraussichtlich 2014 erscheinen soll, vertreten sein.

Den Mittelpunkt des Platzes mit Gedenkstein und vielen Pflanzen bilden auf einem gepflasterten Rondell drei weiße Spiel- und Streichelkatzen aus Beton. Die Idee des Architekten kam bei den jüngsten Eröffnungsbesuchern schon am ersten Abend gut an.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.05.2013

André Neumann

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