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Borna Ein Königreich für Marmelade: Das Profener Froschland
Region Borna Ein Königreich für Marmelade: Das Profener Froschland
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07:54 15.09.2018
„Marmelinchen“ Ines Seydel-Adam verkauft im Froschkönigland die ungewöhnlichsten Fruchtaufstriche. Quelle: Jens Paul Taubert
Elstertrebnitz/Profen

Ein richtiger Froschkönig kann aus fast allem Marmelade machen: Quitte und Grapefrucht, Mango und Feige, Rhabarber und Vanille, Möhren, Orange und Ingwer, Holunderblüten und Löwenzahn. Für diese märchenhaften Aufstriche lassen die Marmeladenkocher Ines Seydel-Adam und Maik Adam keine Frucht und keine Blüte ungepflückt und scheuen auch nicht vor Zutaten wie Chili, Muskat, Amaretto, Prosecco oder Rum zurück. Hauptsache lecker und ein bisschen anders.

Profener Schuppen verzaubert sich in Froschland

Fünf Jahre ist es her, dass die Grafikdesignerin und der Bäckermeister und Konditor aus Elstertrebnitz ihr kleines Froschland eröffneten. Neben der ehemaligen Profener Dorfschule, in der Ines Seydel-Adam ein Werbestudio betreibt und das keine zwei Kilometer hinter der Landesgrenze in Sachsen-Anhalt liegt, stand schon lange ein Schuppen leer und war viel zu schade zum abreißen. Heute beherbergt er ein Kuriosenkabinett für Leckermäulchen.

Im Profener Froschkönig werden keine Tiere an die Wand geworfen sondern Geschmacksknospen zum Explodieren gebracht.

Der Mini-Hofladen mit seinen rustikalen Tischen und Schränken, den putzigen Kommoden, Regalen, bunten Wänden und den Dekofröschen hat mittlerweile viele Fans im Dreiländereck gefunden – bis hin nach Altenburg, Leipzig und Halle. Hier geht der Kunde nicht nur einkaufen, hier taucht er förmlich ab. „Ich hatte schon immer einen Froschklaps“, erzählt Maik Adam über die märchenhaften Anfänge. „Zu Hause habe ich alles mit Fröschen – von Tellern und Strümpfen bis hin zum Duschbad. So ist auch der Name für unsere Manufaktur entstanden.“

Marmelinchen erste selbstdekorierte Torte. #froschkönig #marmelinchen #rosen #diemarmeladenmacher #hochzeitstorte #regional #mitliebeundherz #direktvermarkter #catering

Gepostet von Froschkönig am Donnerstag, 23. August 2018

Das Herzstück im Reich des Froschkönigs ist aber die Küche. Hier versinkt der 46-Jährige regelrecht in einem Meer aus Früchten, Blüten und Gewürzen und rührt im großen roten Kochtopf immer neue Sachen an. Mal eine Marmelade für Diabetiker mit Stevia-Süße, mal etwas Ausgefallenes wie Waldbeeren-Prosecco, mal Klassiker wie Erdbeer- oder Kirschmarmelade oder die veganen Varianten Erdbeer-Koriander- und Waldbeer-Muskat-Marmeladen ohne Kristallzucker, die seit einem Jahr das Bio-Siegel tragen dürfen. Der Konditor selbst schwört auf Schwarze Johannisbeere-Calvados, weil sie so schön kräftig und nicht so labberig ist. Seine Frau steht eher auf die fruchtige Note und packt sich am liebsten Passionsfrucht-Mango-Ingwer aufs Brötchen. Als Marmelinchen weiß sie, was gut schmeckt.

Vorsicht: Mieze Schindler macht süchtig

Die jüngste Kreation im Profener Märchenland ist jedoch die Mieze Schindler, eine alte Erdbeersorte, die nach Waldbeere schmeckt und schwer nach Kindheit erinnert. „Diese Erdbeeren waren sensationell“, hat Maik Adam den Geschmack noch auf der Zunge. „Genau so eine Marmelade wollten wir wieder herstellen.“ Mit dem Burtschützer Hof in Tröglitz bei Zeitz fanden die Froschkönige einen regionalen Partner, der die „Mieze Schindler“ extra und nur für sie anbaut. „Aber Vorsicht, die macht echt süchtig“, lacht der Elstertrebnitzer, „aber es ist eine schöne Sucht“.

Heute ist wieder Froschtag und unser Froschkönig war wieder fleißig. #froschkönig #himbeerschoko #diemarmeladenmacher...

Gepostet von Froschkönig am Donnerstag, 12. Juli 2018

Bei Marmelade allein ist es in den fünf Jahren natürlich nicht geblieben. Mittlerweile kreiert das Duo Bonbons und Pralinen, backt Kuchen, Torten und Steinofenbrot, richtet Familien-, Vereins- und Firmenfeiern von klein bis groß aus. Jeden Freitag hat zudem das kleine Café im Froschland geöffnet. Zwei rustikal eingerichtete Räume mit Kachelofen und einer Kaffeekannensammlung an der Wand schaffen eine behagliche Atmosphäre. „Den Leuten gefällt es. Sie sagen immer, bei uns ist es wie nach Hause kommen“, freuen sich die beiden über das Kompliment.

Zirkuswagen wird ein Weinlokal

Auch wenn die Nachfrage rasant gestiegen ist und das Froschland in Profen bald aus allen Nähten platzt, sind sich die Marmeladenmacher einig: „Wir wollen uns nicht vergrößern, sondern unseren Gästen lieber immer etwas Neues anbieten und für kleine Überraschungen sorgen. Sie lieben ja gerade die schnucklige Atmosphäre.“ Ab Oktober stellt das Duo einen umgebauten alten Zirkuswagen im Garten auf und bietet darin lokale Weine an – für Verkostungen oder kleine Gesellschaften.

Die Ideen gehen den beiden offenbar nie aus. 2017 und 2018 schafften es Ines Seydel-Adam und Maik Adam sogar bis ins Finale des Wettbewerbs „Kulinarischer Stern“ in Sachsen-Anhalt, darüber hinaus gewannen sie 2017 den Unternehmerinnenpreis. „Maik ist jetzt Ehren-Unternehmerin“, neckt ihn seine Frau.

Froschkönig und Marmelinchen überall gefragt

Die Kunde von der süßen Versuchung hat sich mittlerweile im gesamten Landkreis Leipzig herumgesprochen. Und so fahren der Froschkönig und sein Marmelinchen gerne mit ihrem Trabi oder dem neuen Retro-Roller von Event zu Event. Das helle Grün mit weißen Punkten und einer saftigen roten Erdbeere darauf ist bereits zu einer Marke geworden. Überall werden die Elstertrebnitzer mit offenen Armen empfangen, die Süßmäuler landauf landab schwören auf die Einzigartigkeit ihrer Produkte.

Seit einem Jahr pachtet die Seydel & Adam GbR, zu der mittlerweile zwei Angestellte gehören, die Eisenmühle in Elstertrebnitz – Deutschlands letzte ihrer Art, die noch voll funktionsfähig ist und heute ein Museum beherbergt. Auf dem historischen Mühlenhof betreiben die Marmeladenmacher das Café Reiberei („Kommt nicht von Reibekuchen, sondern vom Eisen reiben in der Mühle“), das jeden Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet hat. Darüber hinaus richten sie in der rustikalen Industrieanlage Feierlichkeiten aus, von Hochzeiten bis zu großen Firmen-Events. Die Nachfrage ist auch hier gewaltig. Schon für 2020 stehen erste Weihnachtsfeiern im Kalender, hat Ines Seydel-Adam im Kalender nachgeschaut, andere Termine für Familienfeierlichkeiten reichen sogar bis ins Jahr 2023.

Dessert für die Leipziger Weihnachtsshow

Auch im Leipziger Spiegelpalastzelt haben Ines und Maik Adam seit drei Jahren einen Stein im Brett. Zur Weihnachtsshow „Gans ganz anders“, die von Mitte November bis Silvester läuft, sind die Elstertrebnitzer für das Dessert zuständig. Dieses Jahr steht es unter dem Motto Piraten. Es gibt einen goldenen Johannisbeer-Calvados-Kuchen mit Piraten-Rumkugel. Genau das Richtige für einen Froschkönig.

Märchenhaft lecker.

Von Kathrin Haase

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