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Eine Kerze für Christian Führer

Eine Kerze für Christian Führer

Ab heute soll für Christian Führer eine Kerze in der Dorfkirche von Langenleuba-Oberhain brennen. In jener Kirche, in der sein Vater Ernst von 1928 bis 1972 - mit kriegsbedingter Unterbrechung - Pfarrer war.

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Signierstunde in der Geithainer Nikolaikirche 2009: Christian Führer las hier aus seinem Buch "Und wir sind dabei gewesen".

Quelle: Jens Paul Taubert

Langenleuba-Oberhain. In jener Kirche, die für Führer, der selbst Pfarrer wurde, über all die Jahrzehnte eine Bezugsgröße war. Ein Ausgangspunkt wie das Dorf Langenleuba-Oberhain, in dem Christian Führer zwar nicht geboren wurde, in dem er aber prägende Kinder- und Jugendjahre verbrachte. Kontakte von damals haben Bestand bis in die Gegenwart.

Deshalb kann es nicht verwundern, dass gerade Gerd Geißler für ein stilles Gedenken in Oberhain sorgen will. Immerhin haben beide acht Jahre gemeinsam die Schulbank gedrückt. Geißler und seine Frau Christine pflegen seit mehr als zwei Jahrzehnten das Grab auf dem Oberhainer Friedhof, in dem Christian Führers Vater und Mutter ruhen - und seit dem August 2013 auch seine Frau Monika. Es war sein lang gehegter Wille, hier ebenso Platz zu finden. Am Sonntag soll Führers Beisetzung sein. Der langjährige Pfarrer an der Leipziger Nikolaikirche und 1989 einer der maßgeblichen Initiatoren der friedlichen Proteste gegen das DDR-System war am Montag im Alter von 71 Jahren gestorben.

"Wir wollen in den Altarraum unserer Kirche eine Kerze stellen und ein Bild von Christian dazu. Dann kann jeder Abschied nehmen, Blumen ablegen, etwas in ein Buch schreiben, das wir auslegen", sagt Gerd Geißler. Gestern verständigte er sich mit Markus Helbig, der als Pfarrer des Kirchspiels Geithainer Land zurzeit die Vakanzvertretung für Langenleuba-Oberhain innehat, darauf. Die Nachricht vom Tod traf Familie Geißler nicht wirklich überraschend, denn sein sich verschlechternder Gesundheitszustand war bekannt; die Betroffenheit war ungeachtet dessen nicht geringer. "Zum letzten Mal kam er am 1. Mai nach Oberhain. Da gab es immer ein Treffen der ganzen Familie Führer in Kohren-Sahlis. Doch dieses Mal fehlte ihm die Kraft, noch bei uns reinzuschauen", berichtet Christine Geißler. Immerhin: Zum Geburtstag von Gerd am 25. Juni rief Christian Führer noch an; das war das letzte Mal, dass beide seine Worte vernahmen.

 

 

Über seine Oberhainer Jahre legte Christian Führer Zeugnis ab in seinem 2009 erschienenen Buch "Und wir sind dabei gewesen", auch wenn seine frühen Jahre eher am Rand Erwähnung finden. Möglicherweise erheblich für seine Entscheidung, selbst Pfarrer zu werden, ist jene Episode, die er darin erzählt: Dass der Lehrer im Unterricht die Bibel zum Märchenbuch degradierte, wollte er nicht hinnehmen, rhetorisch geschickt hielt er dagegen und ließ den Lehrer, der sich wenige Jahre zuvor noch als glühender Nazi gebärdet hatte, in eine Falle tappen. Als Christian Führer mit diesem Buch auf Lesereise ging, fand er nicht nur in Langenleuba-Oberhain - der Dorfladen von Bärbel Knauer verkaufte innerhalb weniger Wochen mehr als 200 Exemplare - große Resonanz. In Geithain war die Kirche - auch eine Nikolaikirche - ebenfalls hervorragend gefüllt.

Seine Verbundenheit mit Oberhain bewies Führer, als es nach der Wende um die Sanierung der Kirche ging. Er unterstützte die Spendenaktion der Gemeinde nicht nur selbst mit einer Summe. Er ebnete auch den Weg dafür, dass der renommierte Leipziger Thomanerchor 1999 in der Kirche ein Benefizkonzert gab. Ein Engagement, dass der Kirchenvorstand bis heute zu schätzen weiß.

"Christian war ein ganz einfacher Mensch, nicht eingebildet, einer, der nicht abhob", sagen Christine und Gerd Geißler unisono. Ein herzliches Verhältnis verbinde sie auch mit seinen Kindern und Enkeln: "Er kam oft mit der Familie am Ewigkeitssonntag ins Dorf. Dann sahen wir uns und besuchten auch den Gottesdienst."

Als Führers Frau Monika im vergangenen Jahr ihrem Krebsleiden erlag und in Langenleuba-Oberhain beigesetzt wurde, war die Anteilnahme groß. "Viele, viele waren dabei, darunter viele Schulfreunde. Das wird am Sonntag nicht anders sein", sagt Elke Dietrich. Die Todesnachricht gehe ihr nahe, denn sie habe ihn nicht nur bei der Lesung vor fünf Jahren im voll besetzten Saal ihres Gasthofs kennen- und schätzen gelernt. Was sie beeindruckt habe: "In allem war sein Glaube an Gott zu spüren." Sie hätte ihm nach dem Wechsel in den Ruhestand gern noch ein paar gute Jahre mit seinen Kindern und Enkeln gewünscht.

 

 

"Christian Führer war das Gesicht der Friedensgebete", sagt Superintendent Matthias Weismann. Zwar sei er selbst in den fraglichen Jahren vor 1989 Pfarrer in einer Dresdner Gemeinde gewesen, so Weismann. Was in der Leipziger Nikolaikirche passierte, sei ihm aber dennoch bekannt gewesen. Führer habe immer "tief aus seinem Glauben heraus" gewirkt. Und weiter: "Er war ein sehr angenehmer Mensch", als Stadtpfarrer gegenüber seinen Amtsbrüdern auf dem Lande alles andere als abgehoben.

Für Landrat Gerhard Gey (CDU) ist klar, dass Christian Führer die friedliche Revolution maßgeblich beeinflusst hat. "Wir sind ihm für seinen Mut und sein Engagement zu Respekt und herzlichem Dank verpflichtet." Führers Name bleibe mit der friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung verbunden, sagt Gey. Der Landrat hat auch eine persönliche Beziehung zum langjährigen Leipziger Nikolaikirchen-Pfarrer: Führer hatte einst Geys Bruder und seine Schwägerin getraut.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.07.2014

Ekkehard Schulreich

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