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Borna Eine Kur für die drei Heiligen
Region Borna Eine Kur für die drei Heiligen
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15:44 12.10.2010
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. Die Holzfiguren auf dem Altar der Marienkirche Rötha haben eine Restaurierung nötig. Mitarbeiter vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsen nahmen die drei Gesprengefiguren gestern ab, um sie in Dresden wieder herzurichten. Das Schleierbrett ist bereits fertig restauriert und kehrte gestern nach Rötha zurück.

Geschützt in Folie verpackt wartete das Schleierbrett auf den großen Moment der Heimkehr. Einzelteile der filigranen Schnitzarbeit wurden vermutlich beim Diebstahl des Reliefs, das einst die Nische der Predella barg, zerstört. Und hatten dann offenbar viele Jahre unbeobachtet im Gestühl gleich neben dem Altar gelegen. „Vieles war zerstört", sagt Restaurator Andreas Schulze vom Landesamt für Denkmalpflege. Die einzelnen Teile seien in den vergangenen Monaten verklebt und gesichert worden. „Fehlendes wurde nicht nach geschnitzt", erläutert der Fachmann. Das würde dem Konzept einer zeitgemäßen Restaurierung widersprechen, die altes erhalten möchte, so original wie eben möglich. Und die darüber hinaus einen Zustand herstellt, der natürlich auch bestimmten ästhetischen Ansprüchen gerecht wird.

Eine solche nachhaltige Prozedur soll nun auch den drei Heiligen zu gute kommen. Bei einer Voruntersuchung der Landesbehörde im August 2009 waren die Schäden der ziemlich instabilien Figuren sichtbar geworden. Schäden, die vor allem in der Zeit entstanden, als die Kirche aufgrund eines kaputten Dachs offen war. Und so finden sich auf den drei Heiligen Spuren von hartnäckigem Vogeldreck, Staub, Ruß. Und nicht nur das. Der Holzwurm hat ganze Arbeit geleistet, wie unzählige kleine Löcher beweisen. Frühere Restauratoren bekämpften derlei mit Ölen. Ein Material, das heute keine Verwendung mehr findet, erläutert Schulze. Die Dresdener setzen heute auf in Lösungsmittel getränktes Kunstharz, das das instabile Holz verfestigen soll.

 Im Übrigen haben Mauritius, Florian und Georg im Lauf der Jahrhunderte so manches eingebüßt. Drachentöter Georg beispielsweise benötigt dringend einen „Chirurg" – seine Hand ist zerstört. Und Mauritius, dessen dunkelhäutiges Gesicht gestern für ein paar Momente vor dem Kunstguttransport in die Landeshauptstadt wunderschön zu sehen war,vermisst einen Teil seines oberen Kragens. Ganz und gar nicht mittelalterlich sind die Lanzen, die die Restauratoren gestern bei der Demontage sicherstellten. Die werde man – entsprechend historischer Vorlagen – sicher ergänzen müssen, sagt Schulze.

Letztlich ist der Altar der Marienkirche auch von hohem wissenschaftlichem Interesse. Die in Sachsen verbreiteten Opfertische sind üblicherweise farbig gefasst. Der Holzaltar in St. Marien hingegen verzichtet fast ganz auf Farbe. Nur ein paar Details wie die Münder der Heiligen sind farbig. Und so ist der Altar, der in seiner Art eher nach Süddeutschland gehört, für Sachsen einzigartig.

Laut Denkmalbehörde, die für ganz Sachsen zuständig ist, ist momentan nicht abzusehen, wann die restaurierten Figuren an ihren Stammplatz heimkehren können. Welche konservatorischen Aufgaben Mauritius, Florian und Georg abverlangen, entscheidet sich erst in der Werkstatt.

 

 

Saskia Grätz

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