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"Eine Riesen-Unterstützung": Tagespflege in Bad Lausick entlastet Angehörige

"Eine Riesen-Unterstützung": Tagespflege in Bad Lausick entlastet Angehörige

Pflegestärkungsgesetz: Der Begriff geht nicht leicht über die Lippen. Doch was da seit Jahresbeginn gilt, eröffnet Menschen, die Angehörige pflegen, ganz neue Möglichkeiten.

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Basteln gehört zu den Angeboten in der Tagespflege des Paul-Gerhardt-Heimes in Bad Lausick.

Quelle: Jens Paul Taubert

Bad Lausick. "Für uns ist das eine Riesen-Unterstützung", sagt Bernd Fischer aus Grimma. Seit Januar besucht sein Schwiegervater die Tagespflege im Bad Lausicker Paul-Gerhardt-Heim. Für den 91-Jährigen bedeute das Abwechslung, für die pflegende Familie eine spürbare Erleichterung, sagt Fischer. "Jeden Monat werden Gelder bereitgestellt, aber nicht genutzt, weil viele davon gar nichts wissen." Ein guter Grund für den 59-Jährigen, offensiv für dieses neue Gesetz zu werben.

Ein halbes Jahrzehnt lang schon pflege man den Schwiegervater, der an Demenz erkrankt sei, zu Hause. Die Tagespflege, die er nun nutzen könne, wirke sich spürbar positiv auf den Schwiegervater aus, sagt Fischer: "Seine Konstitution frischt sich auf. Dazu tragen zweifellos die Anregungen bei, die er hier bekommt." Zweimal in der Woche komme der alte Herr nun nach Bad Lausick in die Einrichtung der Inneren Mission. Ein Haus, dass die Familie bisher nur nutzte zur sogenannten Verhinderungspflege: "Die hat es uns ermöglicht, nach fünf Jahren mal wieder ein paar Tage Urlaub zu machen."

Tagespflege bietet das Pflegeheim "Paul Gerhardt" seit der Eröffnung des Neubaus im Kurviertel vor 15 Jahren an. Die zwölf Plätze würden immer stärker genutzt, sagt Heimleiterin Reinhild Gersch: "Was wir auf jeden Fall ausweiten könnten, das wäre die Betreuung in den Abend hinein oder die Ausdehnung auch auf das Wochenende." Das Pflegestärkungsgesetz der Bundesregierung, seit Jahresbeginn in Kraft, führe dazu, dass die Tagespflege stärker nachgefragt werde. Doch nicht nur wer eine Pflegestufe habe, profitiere davon. Selbst mit Pflegestufe Null stehe jetzt Geld zur Verfügung, um vier, fünf Tage im Monat den Besuch einer Tagespflege-Einrichtung zu besuchen - vorausgesetzt, die Betreffenden und ihre Angehörigen wüssten überhaupt darum. Selbst die Kosten für den Transport mit dem Taxi übernehme je nach Entfernung die Pflegekasse.

"Wer zu uns kommt, soll sich wie zu Hause fühlen. Und ich bin sicher, das tun die Frauen und Männer auch", sagt Ilona Zieger, die die Tagespflege von Beginn an leitet. Der Tag sei vielfältig strukturiert. Neben der Behandlungspflege, Übungen zu Mobilität und geistiger Regsamkeit gebe es Raum für gemeinsame kreative Beschäftigungen, für Gespräche, Vorlesen, Entspannung im parkartigen Gelände des Heims, auf Wunsch auch kleine Spaziergänge im nahen Kurpark. "Es wird gemeinsam gekocht und gebacken, aber jeder findet auch Zeit zu Muße", so Zieger. Veranstaltungen im Pflegeheim würden ebenfalls genutzt, jährlich gebe es mehrere Ausfahrten. Was geschehe, das bestimmten die Gäste und ihre Angehörigen mit. Dieses enge Miteinander sei sehr wichtig.

Die Tagespflege befindet sich im Souterrain des Pflegeheims, ist aber vom Pflegeheim selbst mit seinen 70 Plätzen klar getrennt. Zum Ensemble gehört ebenso eine alte Villa am Kurpark, in der 24 Plätze für betreutes Wohnen angeboten werden. Das neue Gesetz komme auch Bewohnern des Heimes zugute, erklärt Reinhild Gersch: "Wir konnten unsere Alltagsbetreuer aufstocken. Sie sind jetzt von Montag bis Sonntag da. Das ist ein großer Vorteil."

Die Leistungen des Pflegestärkungsgesetzes zu nutzen, sei einfacher, als viele meinten, sagt Bernd Fischer: "Sie bringen wirklich etwas. Jeder, der die Möglichkeit hat, davon zu profitieren, sollte sich kundig machen - und das auch tun."

© Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.04.2015
Ekkehard Schulreich

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