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Eine Sternstunde auch für Geithain

Eine Sternstunde auch für Geithain

Großer Bahnhof vorgestern Vormittag an einem kleinen Bahnhof, dem Geithainer. Das hatte seinen guten Grund. Ging doch von hier erstmals einer der neuen silbergrauen Züge mit grünen Türen zur Sternfahrt der S-Bahn-Linie S4 nach Leipzig ab.

Gerade ist in Geithain zum ersten Mal der neue silbergraue Zug mit den grünen Türen eingefahren, der künftig das Bild auch auf der S-Bahn-Linie S4 prägen wird.

Quelle: Jens Paul Taubert

Geithain/Borna. In Borna stiegen weitere 50 Personen zu.

 

 

Rund 100 Bürger fanden sich neben dem Bahnhofsgebäude ein, um diesen Start zu erleben. Seit 6 Uhr morgens hatten zwei Dutzend Mitarbeiter der Deutschen Bahn Pavillons errichtet, in denen Fahrpläne, Postkarten oder Puzzles ebenso wie Leipziger Lerchen, Glühwein, Sekt oder Kinderpunsch unters Volk gebracht wurden.

11.22 Uhr erhob Hans-Peter Werner von der DB Regio AG das Wort, um alle zu begrüßen, vor allem den Zug, der zwei Minuten später einfuhr. Was nicht nur für Geithains Stadtoberhaupt Romy Bauer wichtig für die Entwicklung der Stadt war. "Ich denke, das ist heute eine Sternstunde für Geithain. Wir haben nun neben der Autobahnzufahrt zwei mögliche Bahnwege nach Leipzig - mit der Regionalbahn über Bad Lausick und mit der S4 über Borna und den Citytunnel direkt ins Leipziger Zentrum." Die Bürger seien schneller in Leipzig und Chemnitz, die Städter aber auch hier. Ergo rücke man näher zusammen, und vielleicht siedle sich deshalb ein mancher auch in Geithain an, erhofft sich die Rathauschefin.

Bei aller Freude und Erwartung benannte Bauer auch vorhandene Wünsche. So reiche der Parkplatz für Pendler nicht aus. Der Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig sei gefordert, diese Situation zu verbessern. Und noch eins bewegt die Bürgermeisterin: "Wir leben im 21. Jahrhundert, haben sehr viel von diesem für Deutschland an Qualität, Komfort oder Geschwindigkeit Maßstäbe setzenden Projekt gehört. Da muss es doch möglich sein, dass Menschen an einer Verknüpfungsstelle wie dem Bahnhof Geithain ihre Notdurft in einer ordentlichen Toilette verrichten können", mahnte sie an und bat die Deutsche Bahn um Unterstützung.

Auch Thomas Voigt, 2. Beigeordneter des Landkreises Leipzig, würdigte die Inbetriebnahme von City-Tunnel und neuem S-Bahn-Netz. "Den größten Nutzen werden wir im Landkreis haben." Die Bornaer seien nun im Halbstundentakt innerhalb von 30 Minuten in Leipzig, die Geithainer hätten diesen Service durch das neue S-Bahn-Netz jetzt auch am Wochenende, lobte Voigt, übrigens ein Reichsbahnerkind.

Kurz nachdem im Pavillon ein symbolisches Schild mit der Aufforderung "Steigen Sie ein" enthüllt war, kam diese Aufforderung für alle jene, die sich auf die Sternfahrt begeben wollten, auch von draußen. Pünktlich 11.59 Uhr verließ der Sonderzug Geithain.

"Bahnfahren ist für mich das Wichtige", sagte Wolfgang Herold. Gern sei er mit seinem Enkel Damian (9) per Zug unterwegs, zum Hauptbahnhof, nach Chemnitz, ins Bad Lausicker Freizeitbad "Riff", so der Geithainer Rentner. Einkaufen werde er auch künftig kaum in Leipzig, sondern vor allem vor Ort.

"Ich will die Stationen kennenlernen, das neue Streckennetz erleben", meinte Manfred Heditzsch, der mit seiner Frau Adelheid von Geithain aus die Sternfahrt absolvierte. Die S-Bahn schaffe eine sehr gute Verbindung zwischen Leipzig und dem Südraum, so der Polizeibeamte. Da er in Leipzig tätig sei, wisse er die Bahn als Pendler zu schätzen. Unmittelbar vor Abfahrt der ersten S-Bahn aus Geithain schaute sich der Geithainer Frank Meyer in dem 73 Meter langen Talent-2-Zug mit seinen 200 Sitzplätzen um: "Ist doch was Neues für Geithain. Da will ich wenigstens mal gucken." Sprachs und stieg wieder aus.

Augenblicke später schloss Thomas Hüttel (47), der Mann im Cockpit, die Türen. Sanft, ohne ein Rucken gewann der Zug an Fahrt. "Das Fahren ist neu, das Bremsen ist neu, der Tunnel ist neu", sagte der Leipziger mit 32 Jahren Bahnerfahrung. Ein gutes Jahr hätten seine Lokführer-Kollegen und er sich mit den neuen Zügen vertraut gemacht.

"Wir freuen uns sehr, dass wir bei der LVZ Freikarten für diese Fahrt gewonnen haben", sagten Karin und Fred Hocher, die in Borna zustiegen. "Wir wollen einfach sehen, wie der Tunnel aussieht", sagten beide, die seit mehr als 40 Jahren Abonnenten der Zeitung sind.

Einen Eindruck von der neuen Qualität der Verbindung verschaffen wollte sich auch der halbe Bornaer Stadtrat, der gut gelaunt in der S4 Platz genommen hatte.

"Es ist eines der größten Projekte, die die Bahn in den letzten Jahren umgesetzt hat", würdigte Monika Hartmann. Die Bahnmitarbeiterin, seit 40 Jahren im Einkauf beschäftigt, war extra aus Frankfurt am Main angereist und nannte das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz "einfach fantastisch".

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.12.2013
Thomas Lang

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