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Borna Eine Tube zum Sitzen und neue Füße für den Koloss – das 11. Bildhauer-Pleinair in Pegau
Region Borna Eine Tube zum Sitzen und neue Füße für den Koloss – das 11. Bildhauer-Pleinair in Pegau
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00:16 06.06.2017
Wann kann man schon mal auf einer Zahnpastatube sitzen? Die Kinder aus dem evangelischen Kindergarten „Grünes Tal“ besuchten am Freitag die Künstler im Klostergarten Pegau und durften als Erste probesitzen. Steinmetz Marie-Luise Kermelk (li.) erklärt ihnen genau, wie sie arbeitet. Quelle: Jens Paul Taubert
Pegau

Eine Zahnpastatube zum Sitzen, neue Füße für den Koloss von Pegau und eine sonderbare Begegnung in Stein – so etwas gibt es nur beim Bildhauer-Pleinair in Pegau. Seit einer Woche arbeiten im idyllischen Klostergarten unter freiem Himmel die Bildhauer- und Steinmetz-Kollegen Marie-Luise Kermelk aus Kahnsdorf, Danny Schellenberger aus Groitzsch, Markus Petersen aus Leipzig sowie Gastgeber Rainer Pleß aus Pegau.

Das verheerende Unwetter am Dienstagabend haben die Vier ohne Blessuren überstanden. „Zum Glück waren wir alle schon zu Hause, als es auf einmal finster wurde und richtig losging“, erzählt Rainer Pleß. Anders im vorigen Jahr: „Der Sturm hatte ein paar Äste abgeknickt und ein Baum war halb auf das Zelt von Herrn Strege gekippt“, erinnert sich der Pegauer noch lebhaft. Doch bis auf das kaputte Zelt gab es keine Schäden.

Bereits zum elften Mal hat sich Rainer Pleß Künstlerkollegen in die gute Stube nach Pegau eingeladen. „Hier kann man 14 Tage lang mal Dinge ausprobieren, die man sonst nicht macht. Ohne jegliche Vorgaben“, erklärt er den Zauber des Pleinairs. Der Leipziger Markus Petersen ist ein alter Bekannter in der Elsterstadt, unter anderem durch seine Ausstellungen im „Blauen Haus“. Von ihm stammt der „Koloss“ auf dem Ottomarsplatz. Doch dem 4,60 Meter großen Riesen waren in den vergangenen Jahren sprichwörtlich die Holzfüße weggefault und er brauchte dringend neue. Vergangenes Jahr „amputierte“ Petersen seiner Figur die Füße und seitdem liegt diese im Klostergarten mit dem Kopf im Gras.

Doch endlich darf der Koloss wieder Lebensmut schöpfen. Er bekommt nicht nur stabile Füße aus Stahl, sondern gleich noch einen treuen Begleiter an die Seite. Der steinerne Hund („Windmops“) schaut sein Herrchen treu ergeben von der Seite an. „Für jeden Hundeliebhaber ist etwas dabei“, lässt Petersen die Rasse bewusst offen. Hund und Herrchen werden bald auf dem Ottomarsplatz ihren rechtmäßigen Platz bekommen. „Nach und nach verschwinden damit die Holzskulpturen aus der Stadt“, kündigt Pleß an.

Marie-Luise Kermelk (38), die in Kahnsdorf eine Steinmetz-Werkstatt betreibt und überwiegend künstlerische Grabsteine sowie Möbel aus Stein, Stahl, Beton oder Holzkombinationen fertigt, ist neu in der Runde. „Der Klostergarten ist wunderbar, es ist ein sehr schönes Arbeiten hier“, ist sie dankbar für die Erfahrung. Zusammen mit dem Groitzscher Danny Schellenberger fertigt sie eine ungewöhnliche Sitzgelegenheit aus Sandstein: eine aufgerollte Tube. Ob Zahnpasta oder Tomatenmark, das bleibt offen für Gedankenspiele. „Ich frage bei solchen Dingen gerne meine Kinder, wenn ich nicht weiter weiß“, erzählt die 38-Jährige. „Kinder sind so ehrlich und unvoreingenommen. Und sie haben echt gute Ideen und einen objektiven Blick.“

Rainer Pleß nennt sein aktuelles Werk „Begegnung“, ein Sandstein, den er zunächst „bei 30 Grad mühsam mit dem Fuchsschwanz“ in der Mitte durchgeschnitten hat. Jede Hälfte bekommt nun ein Gesicht – hier den schweigsamen Mann und dort die plaudernde Frau – und wird am Ende wieder zusammengestellt. Eine Begegnung in Stein, ideal geschaffen für das neue Jugend-Begegnungszentrum in der Pegauer Breitstraße.

Besucher sind im Klostergarten jederzeit herzlich willkommen – wie am Freitag die Kindergartengruppe aus dem „Grünen Tal“ oder PKK-Alterspräsident Jürgen Kröher. Interessenten können den Künstlern täglich von 10 bis 18 Uhr über die Schultern schauen. Zum Bergfest am Sonnabend zeigt Hans-Hermann Koch Kurzfilme, der Beginn ist 20.30 Uhr.

Von Kathrin Haase

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