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"Eingriffe sind nicht vertretbar"

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Neukieritzsch. Mit der Stellungnahme zum Mibrag-Antrag auf Bewilligung von Braunkohle im Feld Kieritzsch wird sich der Gemeinderat auf seiner Sitzung am Dienstag ab 18 Uhr im Ratssaal des Bürgerbegegnungszentrums befassen.

. Diese soll aufgrund einer Fristverlängerung bis zum 25. März beim Oberbergamt vorliegen. Wir sprachen dazu mit Bürgermeister Henry Graichen.

Frage: Kieritzsch soll eine Insel werden, wenn es nach den Plänen der Mibrag geht. Wie sehen Sie die Situation?

Henry Graichen: Genauso. Wenn der Antrag vom Oberbergamt auf Erteilung einer Bergbaukonzession für das Abbaufeld Kieritzsch unweit des Tagebaus Vereintes Schleenhain genehmigt wird, schließt der Tagebau den Ortsteil von drei Seiten ein. Der Zeitraum der Auskohlung würde sich um drei Jahre verlängern. Beim bisherigen Plan geht die Mibrag von 15 Jahren aus. Auch würde die kürzeste Anbindung von Kieritzsch nach Neukieritzsch auf die S 71 gekappt. Die Kieritzscher hätten dann nur noch eine Anbindung auf die S 71 (zwischen Lippendorf und Neukieritzsch).

Was sind aus der Sicht der Verwaltung die wichtigsten Knackpunkte, die in der Stellungnahme an das Oberbergamt enthalten sein werden?

Wir vertreten die Auffassung, dass das öffentliche Interesse höher zu bewerten ist als das Bergbauinteresse. Die zusätzlichen Gewinnmöglichkeiten von maximal zehn Millionen Tonnen Braunkohle stehen in keinem Verhältnis zu den Belastungen, die auf die Menschen, die Natur und die Landschaft zukommen. Von dem zusätzlich beantragten Gebiet von 220 Hektar würden nicht nur die Kieritzscher, sondern auch die Neukieritzscher Bürger mehr Lärm und Dreck ausgesetzt. Laut neuem Antrag soll das Wäldchen nördlich der Grubenwasserreinigungsanlage der Kohle weichen. Dabei handelt es sich um ein Vorranggebiet Waldschutz. Dieses stellt derzeit einen Schutz vor den Auswirkungen des Tagebaubetriebes für die Neukieritzscher dar. Kieritzsch würde es noch stärker treffen, da östlich von Kieritzsch kein Schutzstreifen besteht. Dieser könnte auch nicht bis 2013 angelegt werden.

Es wird am 22. März die nächste Beratung der Mibrag mit Bürgern geben. Die Mibrag möchte ähnlich wie im Industrie- und Gewerbegebiet Lippendorf-Böhlen eine Bürgerkontaktgruppe installieren. Es wurden Stimmen laut, die sagten, dass diese erst gegründet werden soll, wenn die Mibrag ihren Antrag zurückgezogen hat. Wie stehen Sie dazu?

Den Sinn einer Bürgerkontaktgruppe sollte man nicht infrage stellen. Eins steht fest: Die Mibrag und die Bürger werden 15 Jahre Nachbarn sein. Deshalb ist es gut, dass man über Dinge, die passieren, im Gespräch bleibt. Wir haben das in Neukieritzsch gespürt. Hier war die Mibrag ein zuverlässiger und fairer Partner gewesen. Der Energiekonzern ist auf die Probleme der Bürger eingegangen und hat versucht, diese abzustellen. So wurden unter anderem Flächen begrünt, die besonders für Staub und Dreck sorgten. Allerdings sollten die Bürger deutlich machen, dass sie den Antrag auf Inanspruchnahme zusätzlicher Abbaufelder ablehnen und fordern, dass dieser zurückgenommen wird.

Wer müsste in der Gruppe Ihrer Meinung nach mitwirken?

Es ist sinnvoll, dass sich diese aus Kieritzschern und Lippendorfern zusammensetzt, obwohl der Schwerpunkt bei Kieritzsch liegen sollte, da dieser Ortsteil besonders betroffen ist. Die Gruppe sollte aus einer händelbaren Anzahl bestehen. Mehr wie zehn bis fünfzehn Leute dürften es nicht sein.

Wie wollen Sie als Gemeindechef Kieritzsch unterstützen?

Die Gemeinde wird die Pläne der Mibrag in der angeforderten Stellungnahme ablehnen. Ich habe mit der Mibrag gesprochen, den Antrag in der derzeitigen Situation zurückzunehmen. Ein weiteres Gespräch steht bevor.

 

Cornelia Braun

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