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Einstiegsalter für Drogen sinkt weiter

Einstiegsalter für Drogen sinkt weiter

30 bis 40 Prozent aller Schüler im Landkreis Leipzig kommen mit Drogen in Berührung. Diese Zahl hat Gunnar Rietzsch, Sozialpädagoge im Gesundheitsamt des Landkreises, jetzt bei einer Beratung des Suchtarbeitskreises in Borna genannt.

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Joints (Cannabis) sind schon bei Schülern verbreitet.

Quelle: Joern Pollexddp

Borna. Damit seien allerdings nicht die sogenannten legalen Drogen wie Alkohol und Nikotin erfasst. Es gebe an sämtlichen Schulen Drogen. Einziges Mittel dagegen sei die verstärkte Aufklärung.

„Wir haben seit zehn Jahren ein Problem mit Cannabis", bilanzierte Rietzsch jetzt bei der Beratung des ehrenamtlichen Gremiums, das sich seit Jahren um die erfahrene Suchttherapeutin Brigitte Schmidt versammelt und bei dem das Spektrum der Teilnehmer vom Mediziner Lothar Ritter über die Bornaer Barmer-Chefin Margitta Koch bis hin zum bekannten langjährigen Mölbiser Pfarrer Karlheinz Dallmann reicht. Rietzsch betont, das längst auch Drogen wie Crystal, Liquid und Ecstasy genommen werden – von immerhin mehr als einem Drittel aller Schüler. Wobei der Anteil von Drogennutzern höher wäre, würden auch Alkohol und Nikotin hinzugerechnet. „Dann lägen wir bei 70 Prozent", sagt Rietzsch.

Drogen seien ein Problem an sämtlichen Bildungseinrichtungen. Allerdings sei es an Berufsschulen größer. Immerhin hätten Erhebungen ergeben, dass etwa 40 Prozent aller Schüler zumindest interessenhalber einmal probieren würden, wenn es um Drogen geht.

Dass Drogen konsumiert werden, macht ein Test deutlich, der zwar schon einige Jahre zurückliegt, aber auch heute noch als beweiskräftig gelten kann. Bei einer freiwilligen Untersuchung, sagt Sozialpädagoge Rietzsch, wurden sieben Prozent der Probanten positiv getestet. Was auch erschreckend sei: Das Einstiegsalter sinke immer mehr. Mit Alkohol kommen die jungen Leute ab einem Alter von zwölf Jahren in Berührung, mit Cannabis ab 13, und die chemischen Drogen werden dann für Jugendliche ab 14 interessant. Dabei, betont Suchttherapeutin Schmidt, sei die Schädigung der Organe umso größer, je jünger mit dem Drogenkonsum begonnen werde. Die einzige Möglichkeit, dem entgegenzuwirken, da sind sich alle Mitglieder des Suchtarbeitskreises einig, sei die Aufklärung.

Die nicht früh genug beginnen kann. Auch, weil es womöglich um eine gewisse Tiefenwirkung ging. Das macht ein Blick in die Nachwendegeschichte deutlich. Spätestens nach der Wiedervereinigung hatten Experten eine große Drogenwelle in den neuen Bundesländern erwartet, wie Rietzsch sagt. Doch die blieb zunächst aus – und zwar sechs Jahre lang. Die jungen Leute, die in dieser Zeit ins Alter potenzieller Erstkonsumenten kamen, hatten offenkundig noch die nachhaltige Warnung aus dem Staatsbürgerkundeunterricht von den Schattenseiten des Kapitalismus, Drogensucht inclusive, im Ohr. Danach, erinnert Rietzsch, seien die Mädchen und Jungen ins Jugendalter gekommen, die beim Mauerfall noch im Grundschulalter waren und die sozusagen positive Indoktrination der DDR-Schule nicht mehr mitbekommen hatten.

Barmer-Chefin Koch wies darauf hin, dass mit der Förderung des Gesundheitsbewusstseins gar nicht früh genug begonnen werden könne. Statistiken zufolge flössen in Deutschland nur vier Prozent der Ausgaben für die Gesundheit in die Prävention, aber 70 Prozent in Pflegeleistungen und Medikamente.

Um junge Menschen stark und immun gegen Drogen zu machen, seien auch Gespräche wichtig. Einer, der das weiß und praktiziert, ist der frühere Mölbiser Pfarrer Dallmann. Es gehe darum, einen Sinn des Lebens zu vermitteln. Und natürlich, so Suchttherapeutin Schmidt, seien auch die Eltern gefordert, die ihren Kindern vor allem Liebe und Vertrauen bieten müssten.

Nikos Natsidis

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