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Elektroschrott wird ab Februar im Kreis Leipzig noch exakter sortiert

Nur ein Drittel legal entsorgt Elektroschrott wird ab Februar im Kreis Leipzig noch exakter sortiert

Ab nächsten Monat wird der Elektroschrott auf den lokalen Sammelhöfen noch exakter sortiert. Warum eigentlich? Wird nicht am Ende sowieso alles wieder zusammengekippt? Genau das soll nicht passieren. Denn zu viele ausgediente Waschmaschinen und Handys der Wohlstandsgesellschaft landen auf wilden Müllkippen wie in Ghana.

Jede Menge Elektroschrott – hier der Container mit alten Fernsehern und Computerbildschirmen.

Quelle: Andreas Döring

Borna. Kühlschränke, Fernseher, Mikrowellen, Waschmaschinen und Computer türmen sich in riesigen Containern auf dem Wertstoffhof in Borna. Mitarbeiter in ihrer orangefarbenen Arbeitskluft, die Helden der Entsorgung, halten diesen Hof des sortierten Mülls in Schuss. Wie oft die Container mit Elektroschrott abgeholt werden? Die Männer überlegen. „Der mit den Fernsehern ist so alle drei Wochen voll“, sagt einer. „Der mit den Kühlschränken braucht vier bis fünf Wochen“, meint ein anderer. Es werde eben vieles weggeschmissen, „wir sind ja ’ne Wegwerfgesellschaft“.

Mehrere Container bergen jetzt den Elektroschrott der Bornaer Region – ab Februar kommt ein weiterer hinzu. „Wir müssen uns jetzt Gedanken machen, wohin wir den stellen“, sagt Sammelhofleiter Michael Zucht. Für den Bürger ändere sich nicht viel. Außer: Es muss etwas anders sortiert werden und ab 1. Februar können Privatleute Nachtspeicheröfen und ausgediente Photovoltaik-Module nur noch am Standort in Cröbern abgeben – ebenfalls kostenlos wie den sonstigen Elektromüll auch. Das könne nicht auf jedem Hof einzeln sortiert werden. Aus den fünf Sammelgruppen werden künftig sechs. Grund: Der zum Teil giftige Müll soll weiter aufgegliedert – und künftig sinnvoller verwendet oder entsorgt werden.

Darum kümmert sich nicht die Kommunalentsorgung Landkreis Leipzig GmbH (Kell), zu der dieser Hof gehört, sondern deutschlandweit die Stiftung elektro-altgeräte register (ear) mit Sitz in Fürth. Sie registriert alle Hersteller von Elektrogeräten, die je nach Menge ihrer Produktion auch für deren Entsorgung zahlen müssen, wie ear-Pressesprecherin Claudia Conrad-Kreml sagt. Wenn auf dem Bornaer Werstoffhof ein Container voll ist, gebe es eine elektronische Meldung nach Fürth und binnen kurzer Zeit holt ein LKW die ausrangierten Kühlschränke in Borna ab. In der Regel sind das Unternehmen der Region, die von den Herstellern bezahlt werden. „Je mehr produziert wird, desto öfter ist das Unternehmen mit der Entsorgung dran“, so die Sprecherin. Wer wann welchen Container abholen muss, werde nach einer komplizierten Formel ausgerechnet.

Es gibt eine Ausnahme. Elektroschrott enthält wertvolle Materialien. „Wenn die Rohstoffpreise gerade hoch sind, kann es sein, dass die Kommune sagt: Wir kümmern uns selbst um die Verwertung“, erklärt Conrad-Kreml. Dann habe die Stiftung damit nichts zu tun. In Borna ist das jedoch nicht der Fall. „Wir haben das recherchiert und uns damit beschäftigt, aber dann davon Abstand genommen“, sagt Kell-Geschäftsführer Jens Adam.

Das Thema Elektroschrott ist heikel. Im August vergangenen Jahres sorgte eine aufwendige Studie für Aufsehen. Zwei Jahre lang recherchierten sieben Organisationen, darunter zwei Uno-Institutionen, unter Führung der internationalen kriminalpolizeilichen Organisation Interpol, was mit den ausrangierten Handys, Waschmaschinen und Kühlschränken der Wohlstandsgesellschaft geschieht. Laut Gesetz muss das alles gesammelt, fachgerecht entsorgt oder wiederverwendet werden – in der Praxis funktioniert das aber laut dieser Studie offenbar alles andere als gut. 9,5 Millionen Tonnen elektrische und elektronische Geräte werfen die Europäer jedes Jahr in den Müll – aber nur gut ein Drittel davon kommt der Untersuchung zufolge in die offiziellen Sammel- und Recyclingeinrichtungen. Die restlichen mehr als sechs Millionen Tonnen landen im Hausmüll, werden illegal entsorgt und in Entwicklungsländer exportiert.

Zum Beispiel nach Ghana. Traurige Berühmtheit erlangte der Stadtteil Agbogbloshie der Millionenmetropole Accra durch das UNICEF-Siegerfoto aus dem Jahr 2011. Das Bild heißt „Ghana: Unser Müll in Afrika“ und ist von Kai Löffelbein. Es symbolisiert die Auswirkung illegal eingeführten Elektroschrotts. Einst gab es dort eine grüne Lagune, heute leben Menschen auf einer meterhohen Lage Elektro- und Plastikmüll. Tausende Ghanaer, darunter viele Kinder, schlachten alte Geräte aus, um etwas Geld zu verdienen. Diese Region wurde 2013 von der Umweltorganisation Blacksmith Institute zu einem der am schlimmsten verseuchten Orte der Welt gewählt.

Seitdem hat sich das Elektroschrottgesetz in Deutschland weiter verschärft. Seit Oktober vergangenen Jahres müssen zum Beispiel auch Händler im Ausland bei der ear registriert werden. „Online-Händler sind nun verpflichtet, entweder in Deutschland eine Niederlassung zu eröffnen oder einen Bevollmächtigten zu benennen“, sagt die Stiftungssprecherin. Damit sollen auch diese Hersteller für die Entsorgung zur Kasse gebeten und Trittbrettfahrer vermieden werden.

Von Claudia Carell

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