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Borna Elias Bierdel im Bornaer Stadtkulturhaus
Region Borna Elias Bierdel im Bornaer Stadtkulturhaus
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06:00 19.04.2010
Menschenrechtler Elias Bierdel stellte in Borna sein Buch über seinen Einsatz für Gerechtigkeit vor. Quelle: Peter Krischunas
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Borna

Nachdem er mit dem Kapitän und Erstem Offizier des Schiffes festgenommen worden war, lernte der einstige ARD-Korrespondent die europäische Justiz kennen. Im Bornaer Stadtkulturhaus gab der Berliner am Sonnabend Rede und Antwort zum Sicherheitstrakt Europa und Menschenrechte. Geladen hatte der Verein „Bon Courage".„Wir haben fünfeinhalb Jahre um unser Recht kämpfen müssen", so der Sozialwissenschaftler. Zwar sei er bereits im Oktober 2009 freigesprochen worden, doch rechtskräftig wurde das Urteil erst vor wenigen Tagen. „Es geht hier nicht darum - wer gegen wen - sondern wie es den Flüchtlingen geht", meinte der engagierte Menschenrechtler. Jedes Jahr verlieren Tausende von ihnen ihr Leben auf überfüllten und maroden Booten oder selbst gebauten Flößen. Sein Buch „Ende einer Rettungsfahrt" beschreibt die Rettungsaktion 2004 im Mittelmeer, die tagelang die Medien beherrschte. „Doch allgemein wird kaum über die Wahrheit berichtet." Auch ein Bild mit einem Abschnitt der europäischen Außengrenze zwischen Marokko (bei Ceuta und Melilla) und Spanien ist darin zu sehen. „Die Stacheldrahtzäune und das Mienenfeld erinnern mich an die Grenze inmitten von Berlin", so Bierdel, der in der Hauptstadt nur 70 Meter entfernt von der Mauer aufwuchs. Doch das sei nicht der Grund, warum er für „Cap Anamur" auf hoher See sein Leben riskierte. Durch seine Arbeit als Korrespondent für die ARD sei er in ein Kriegsgebiet geraten. Das hat ihn geprägt. Plötzlich sah er, wie Menschen ohne Rechte gegen die stählernen Mauern Europas ankämpfen - vergebens.

Doch diese schreiende Ungerechtigkeit finde laut dem Sozialwissenschaftler in den Medien nicht statt. Deshalb wolle er die Öffentlichkeit aufklären. 150 Veranstaltungen in Kongresssälen, Schulen und Kulturhäusern hat er bereits gegeben. Eine davon hatte Sandra Münch in Chemnitz besucht. „Ich war sofort überzeugt, dass dieser Vortrag auch nach Borna gehört", so das Mitglied von „Bon Courage".Bierdel leitet mittlerweile seine eigene Organisation „Borderline Europe", in der es um Menschenrechte ohne Grenzen geht. Dafür erhielt der Berliner im Januar den Ute Bock Preis für Zivilcourage 2009. In „Cap Anamur" sei er weiterhin Mitglied. Zudem ist er heute Projekt-Koordinator des österreichischen Studienzentrums für Frieden und Konfliktlösung (ÖSFK). Während des Workshops im Stadtkulturhaus wollte er die Besucher nicht nur über die südlichen Grenzen der EU sondern auch über die im Osten aufklären. Dort habe die Abschottung zwar nicht die dramatischen Konsequenzen wie im Mittelmeer und vor den Kanarischen Inseln. Aber auch hier finden vielfältige Menschenrechtsverletzungen statt, sei es durch lang andauernde Inhaftierungen von Flüchtlingen, durch den Ausbau menschenunwürdiger Flüchtlingslager und durch die Rückschiebungen von Flüchtlingen.

Peter Krischunas

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