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Elstertrebnitz fordert Schutzwehr

Elstertrebnitz fordert Schutzwehr

Klaus Sommer (CDU) ist erschöpft und wütend. Seit 23 Jahren ist er Bürgermeister in Elstertrebnitz, hat mehr als zehn schlimme Hochwasser in dieser Zeit erlebt und redet seit gefühlten Ewigkeiten über ein Wehr, das den Ort retten soll.

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Auch bei diesem Treffen mit Politikern auf einem Hochwasser-Feld macht Klaus Sommer (r.) seinem Ärger Luft.

Quelle: Thomas Kube

Elstertrebnitz. Aber: "Wir haben nur Papier und es passiert nichts!" Die LVZ spricht mit dem Gemeindechef über einen langen Kampf und die jüngsten Ereignisse.

Frage: Die Lage in Elstertrebnitz ist immer noch nicht entspannt...

Klaus Sommer: Nein, am Montag kam das Wasser wieder, erneut sind mehrere Häuser betroffen. Nach Aussagen der Talsperrenverwaltung soll dies an dem Starkregen liegen. Die jetzige Lage ist allerdings nicht mit der prekären Situation vor einer reichlichen Woche zu vergleichen.

Elstertrebnitz wurde in den vergangenen Jahren wiederholt vom Hochwasser heimgesucht. Wie schlimm war es diesmal?

Im Januar 2011 war es schon extrem. Damals habe ich gesagt: So was hab' ich noch nie erlebt. Aber dieses Hochwasser übertrifft das noch bei Weitem. Am Zeitzer Pegel wurden 6,80 Meter gemessen. Dabei tritt die Elster bei uns schon bei 3,50 Meter über die Ufer! Aber der schlimmste Fall ist bei uns Gott sei Dank nicht eingetreten.

Was ist passiert?

Am Montag vergangener Woche um 11.45 Uhr gab es eine Krisensitzung mit dem Vize-Landrat in Pegau. Dort wurde gesagt, dass möglicherweise das Wasser über die B 2 kommt. Das hätte bedeutet, dass unser ganzer Ort unter Wasser steht. Ich sollte eigentlich die Evakuierung auslösen. Aber ich habe gesagt: Noch nicht, wir sollten warten. Das Wasser kommt bei uns nicht plötzlich. Wir beobachten den Wasserstand Tag und Nacht, und wir werden erst dann aktiv, wenn es weiter steigt. Wir bekommen immer zehn bis zwölf Stunden versetzt den Stand von Zeitz, so dass wir ziemlich genau wissen, was uns erwartet. Aber das Wasser ist am Montag dann nicht weiter gestiegen. Bei Bornitz sind mehrere Dämme gebrochen, möglicherweise hat uns das gerettet, weil dort Wassermassen abfließen konnten.

Wie groß sind die Schäden?

Das können wir noch nicht beziffern. Es wird Schäden an Straßen und am Kanal geben. Bei der Feuerwehr sind einige Pumpen kaputt gegangen. Und es wird wieder hohe Reparaturkosten an Privathäusern geben.

Hat Sie das Hochwasser diesmal überrascht?

Nein, ich habe es geahnt und gefürchtet bei diesem Dauerregen. Es waren bei uns 200 Liter pro Quadratmeter.

Wurde der Ort gut informiert?

Wir informieren uns selbst. Hinzu kamen dreimal am Tag Lagebesprechungen beim Katastrophenstab in Pegau. Dort gab es die neusten Informationen, wo Schwerpunkte sind und welche Maßnahmen ausgelöst wurden.

Wie stark war Elstertrebnitz diesmal betroffen?

Es hat 20 bis 25 Häuser erwischt. Die meisten stehen zwischen Mühlgraben und B 2, einige auch in Senken. Etwa zehn Häuser hatten keinen Strom.

Wie liefen die Hilfeleistungen?

Man kann es nicht hoch genug schätzen, was die Leute hier leisten! Das kann sich keiner vorstellen, der nicht dabei war. Die Feuerwehrkameraden waren im Schichtbetrieb wieder rund um die Uhr im Einsatz. Auf unsere Feuerwehr können wir uns zu hundert Prozent verlassen. Hinzu kamen die vielen Freiwilligen. Zudem waren unsere Bauhofleute immer mit dabei. An alle meinen großen und herzlichen Dank! Auch von außerhalb kamen viele Helfer. Einige riefen hier an und fragten, wo sie mit anpacken können. Auch viele Polizisten waren mit im Einsatz. Wir haben diesmal keine Grundstücke frei gepumpt, es ging vor allem um Sandsäcke füllen, Schutzdämme bauen sowie Kanal und Straßenzüge frei pumpen. Man muss sich das mal vorstellen, bei uns wurden 40 000 Sandsäcke verbaut! Und was das Allerschlimmste ist: Wenn wir schon das Wehr gehabt hätten, hätte Elstertrebnitz und Teile von Pegau kein Hochwasser gehabt!

Es gibt dazu unterschiedliche Meinungen. Einige glauben, dass dieses Wehr am Elstermühlgraben für Pegau auch Gefahren bringen könnte.

Das stimmt nicht. Umstritten ist noch das geplante Wehr an der Elster in Pegau. Da muss man schauen, wo und wie das Wasser dann abfließen kann. Aber unser Wehr schadet Pegau nicht. Im Gegenteil, es schützt auch Teile der Nachbarkommune. Und für uns wäre es zu 99,9 Prozent ein sicherer Schutz. Vor einiger Zeit hätte ich noch 100 Prozent gesagt, aber wenn das Wasser über die B 2 tritt, hilft uns auch dieses Wehr nicht. Dann muss die zweite geplante Hochwassermaßnahme greifen: die Ertüchtigung der B 2. Auch das ist schon im Plan. Als drittes soll dann das Elsterwehr in Pegau gebaut werden. Das alles ist seit Langem im Gespräch, nur los geht es nicht.

Wie ist der aktuelle Stand zum Wehr am Elstermühlgraben?

Nach dem schlimmen Wasser von 2011 hieß es: Im Jahr 2013 wird unser Wehr gebaut. Aber nichts passiert. Es heißt, dass die Genehmigungsunterlagen noch bei der Landesdirektion liegen. Es kann doch nicht sein, dass solch ein Verfahren zweieinhalb Jahre dauert! Und ich habe die große Befürchtung, dass jetzt, wo große Städte vom Hochwasser betroffen waren und wieder aufgebaut werden müssen, die kleinen Dörfer wieder hinten runter fallen. Es ist so frustrierend! Wir haben unzählige Briefe geschrieben, wir haben Unterschriftensammlungen eingereicht, wir fragen immer wieder nach, wir schreiben das alles in die Zeitung - aber es geschieht nichts! Unser Wehr kostet 1,6 Millionen Euro. Was ist das für eine Summe für einen so großen Freistaat, der Milliarden für den Hochwasserschutz ausgibt! Ich weiß schon gar nicht mehr, was ich den Leuten sagen soll.

Kann die Gemeinde das Wehr selbst bauen?

Nein, es ist ein Gewässer erster Ordnung, da dürfen wir nichts bauen. Sonst hätten wir das schon lange getan und lieber zwei bis drei Straßenbaumaßnahmen verschoben.

Interview: Claudia Carell-Domröse

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.06.2013

Carell-Domröse, Claudia

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