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Entsetzen und Mitgefühl

Entsetzen und Mitgefühl

Stille gestern an der Bahnunterführung am Ortsausgang von Tautenhain in Richtung Hopfgarten. Pfingstmontag noch war der enge Kurvenbereich mit den Autos der Ermittler und Techniker zugeparkt, drängten sich Fernsehteams um den Polizeisprecher.

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Polizeifahrzeuge der Ermittler prägten in den letzten Tagen das Bild in Elbisbach. Im Hintergrund ist die Kirche zu sehen, in die Pfarrerin Barbara Vetter ab heute Nachmittag zu stillem Gedenken einlädt.

Quelle: Thomas Kube

Frohburg. Wenige Meter entfernt von hier waren die getötete Jasmin K. und der gesuchte Skoda gefunden worden.

Gestern lag die kleine Straße, die sich durch die Felder windet, in trügerischem Frieden. Nach Hopfgarten hinein fährt man über den Tautenhainer Berg. Am Gartenzaun ein schwarzes Transparent. "Die Bewohner vom T(autenhainer) Berg trauern um Jasmin", es trägt viele Unterschriften. Vor dem Haus des tatverdächtigen Sebastian S. im Ort standen auch gestern zahlreiche Polizeiautos. Kriminaltechniker suchen offenbar weiterhin nach Spuren. Bislang liegen gegen den 23-Jährigen nur Indizien vor, gibt es kein Geständnis.

Bestürzung, Entsetzen, Mitgefühl mit der Familie der getöteten jungen Frau aus Elbisbach - das sind die vorherrschenden Emotionen der Menschen in der Frohburger Region. Gleich um die Ecke von Jasmins Elternhaus liegt "Das kleine Landhotel", da war Sonnabendabend Pfingsttanz. Doch die unbeschwerte Stimmung währte nicht lange. Bald stießen Jugendliche mit ihren Smartphones im Internet auf die Vermisstenmeldung, erzählt Wirtin Heidrun Paulin. "Das ist doch Jasmin", wurde das Handy ungläubig herumgereicht. Wie ein Lauffeuer sprach sich das herum, alle waren betroffen. Schon gegen 1 Uhr brachen sämtliche Gäste auf, nicht nur wegen der Hitze. Sonst wird im Landhotel meist bis gegen 3 Uhr gefeiert. Heidrun Paulin ist tief betroffen, sie hat Jasmin aufwachsen sehen und zur Schule gehen, kennt sie als nettes, höfliches, freundliches Mädchen. "In so einem kleinen Dorf, das ist ganz schlimm", sagt die Elbisbacherin. Im Ort selber gibt es wenig junge Leute, so staunte die Wirtin über den großen Freundeskreis, der sich hier versammelte und nach der jungen Frau gesucht hat, Anteil nahm.

"Das löst schon Betroffenheit aus", sagt auch Ulrich Wiesehügel, Landwirt aus Elbisbach. Er wisse aus eigenem Erleben, wie man sich fühlt, wenn man einen nahen Menschen verliert. "Von Elbisbach bis Hopfgarten ist nur ein Katzensprung. Was soll da passiert sein?", fragt er sich.

Viele der Autos, die Pfingstmontag zum Fundort des Wagens und der toten Frau zwischen Hopfgarten und Tautenhain gefahren sind, kamen am Gasthof Schwarze in Tautenhain vorbei. "Wir haben Gänsehaut gehabt, als wir hörten, was passiert ist. Wir haben selber eine Enkelin", sagt Elke Schwarze. Die Familie hat in Hopfgarten Bekannte, nach einem Besuch bei ihnen läuft das Ehepaar in der Regel auf eben jener Straße zu Fuß nach Hause. "Jetzt habe ich richtig Angst", sagt die Tautenhainerin.

"Das ist schlimm, wie haben mitgefiebert mit den Eltern bei der Suche, dass es doch noch gut ausgeht", erzählt Ramona Kräcker aus Hopfgarten. Ihr Mann, der eine Autowerkstatt im Ort hat, kannte jemanden mit genau so einem silberfarbenen Skoda Fabia wie jener, nach dem bundesweit gefahndet wurde. Er hat sich dessen Auto geborgt, ein Bild gemacht und den Eltern zur Verfügung gestellt - in der Hoffnung, dass es bei der Suche hilft.

Die schlimme Tat ist weiterhin überall Ortsgespräch. "So ein Fall in unmittelbarer Nachbarschaft berührt einen doch besonders. Man wundert sich nur, wer dazu fähig ist und sich hier mitten in der Nacht herumtreibt", sagt Manfred Halm aus Hopfgarten. Das sei beunruhigend. "Das bewegt einen schon, das ist wirklich schlimm", bestätigt Regine Mehlhorn, ebenfalls aus Hopfgarten. Auch Siegmar Dennhardt aus Frankenhain hat am Sonnabend die Hubschrauber kreisen sehen. "Das ist schlimm, vor allem für die Eltern, für Bekannte und Freunde", sagt der Nachwuchsleiter des Frankenhainer Sportvereins. Er kann sich vorstellen, dass dieses Verbrechen viele beunruhigt. Doch schon bislang würden die jungen Kicker zu Training und Spielen in Fahrgemeinschaften von den Eltern gebracht. Kaum ein Kind radele oder laufe allein über die Dörfer.

"Ich bin geschockt, fassungslos, und es fällt schwer das Ganze zu begreifen", sagt Karsten Richter, einst Bürgermeister von Eulatal, zu dem Elbisbach vor der Eingemeindung nach Frohburg gehörte, und jetzt Ortsvorsteher. Allen, mit denen er spreche, gehe es ähnlich. "Wenn man von solchen grausamen Verbrechen hört oder liest, ist es immer weit weg - und nun ist es plötzlich so nah. Es bleibt einem nur, der Familie und den Freunden viel Kraft für diese schwere Zeit zu wünschen."

"Solche Nachrichten berühren persönlich sehr stark. Mein tief empfundenes Mitgefühl gilt der Familie", sagt Gerhard Gey (CDU), der Landrat des Landkreises Leipzig.

"Die Stimmung im Dorf ist sehr gedrückt", weiß Carsten Fischer, der Chef der Freiwilligen Feuerwehr Hopfgarten/Elbisbach. Das Geschehene könne man gar nicht fassen: "Man kennt sich, man grüßt sich - und dann so was." Er fühle mit den Betroffenen wie viele andere auch. Dass gestern erneut Ermittler und Medien das Bild im Dorf prägten, mache die Situation für die Familie des Opfers nicht leichter.

"Das Entsetzen ist überall", bestätigt Sigrid Kraft, die Leiterin der DRK-Wohnstätte Kohren-Sahlis. Im Mitarbeiterkreis sei das Verbrechen ein Thema, das keinen kalt lasse: "Man kann nicht nachvollziehen, dass einer in der Lage ist, so etwas zu tun." Zumal einige den Tatverdächtigen hier durchaus kennen.

Ab heute steht die Elbisbacher Dorfkirche nachmittags allen Menschen offen, die um Jasmin trauern möchten. "Wir zünden für das Mädchen eine Kerze an und legen ein Buch aus, in das jeder seine Gedanken schreiben kann", sagt Pfarrerin Barbara Vetter. Willkommen sei auch jeder, der einfach einen Ort der Stille und Besinnung suche, um das furchtbare Geschehen zu verarbeiten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.06.2014
Schulreich, Ekkehard

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