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Erben: Kein vollständiger Abschied

Erben: Kein vollständiger Abschied

Sein Abschied wird allgemein bedauert. Dass Frank-Michael Erben jetzt nach fünf Jahren als Chefdirigent vom Pult des Leipziger Symphonieorchesters (LSO) zurückgetreten ist, bedeutet für den Klangkörper zweifellos eine Zäsur.

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Der scheidene LSO-Chefdirigent Frank-Michael Erben - hier ganz in Weiß beim Orchesterball im März im Bornaer Stadtkulturhaus.

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna. Auch an flüchtigen Konzertbesuchern dürfte keineswegs vorbeigegangen sein, dass das LSO unter Erbens Leitung einen gewaltigen Sprung gemacht hat. Wobei das Orchester bereits zuvor ein beachtliches Niveau erreicht hatte. Es war wohl eine ganz spezielle Handschrift des nunmehrigen Ex-Chefdirigenten, die dem Orchester in besonderer Weise auf die Sprünge geholfen hat.

Was wohl daran liegen dürfte, dass einer wie der Erste Geiger des Leipziger Gewandhausorchesters als langgedienter Orchestermusiker eben weiß, wie er behandelt werden will. "Ich bin mit jedem so umgegangen, wie ich selbst behandelt werden will." Also stand der 48-Jährige niemals als Diktator vor den 38 Musikern, sondern als Motivator. "Mir ist es nicht um Druck gegangen, sondern darum, die besten Seiten der Musiker zu fördern." Darauf hat Erben, dessen erste Begegnung mit dem Orchester Anfang der 80er Jahre in einer Zeit stattfand, als das Ensemble noch als Staatliches Sinfonieorchester Borna firmierte und der künftige Musikstudent mit einem Violinkonzert von Mozart auf der Bühne des Böhlener Kulturhauses stand, Wert gelegt.

Unter Markus Huber, seinem Vorgänger als Chefdirigent, war Erben Solist beim LSO. Als er vor fünf Jahren Hubers Nachfolge antrat, war es undenkbar, dass die Musiker einstmals so gewichtige Werke wie sämtliche sechs Brandenburgischen Konzerte von Johann Sebastian Bach oder gar den Zyklus "Mein Vaterland" würden spielen können - an einem Abend. Das hat sich geändert. Obwohl die Leute, die vor dem Dirigenten saßen, im Prinzip dieselben waren wie zuvor.

Neben der Anzahl der Spielstätten, wodurch das LSO jetzt in Borna, Böhlen und Markkleeberg spielt, änderte Erben vor allem die Probenarbeit. Vor jedem Konzert gibt es fünf und bereits in der Woche davor noch eine. "Ich habe grundsätzlich an technischen Dingen gearbeitet." Dadurch, ist Erben überzeugt, würden auch komplizierte Werke für ein Orchester wie das LSO spielbar, und das sei wohl ein Unterschied zu einem Dirigenten, der frisch von der Hochschule kommt. Und weiter: "Proben sind harte Arbeit, da geht es nicht so sehr um Kunst, sondern um Handwerk."

Erben hat oftmals selbst das Notenmaterial eingerichtet und dabei auch das große Gewandhausarchiv geplündert. Der Chefdirigent Erben ist sicher, "dass das Gefühl des Respekts und der Wertschätzung für jeden Einzelnen wichtig ist". Was seinen Niederschlag auch in der Gestaltung des Programms gefunden hat, das ja durchaus die Handschrift des Gewandhausgeigers Erben trug. "Bei mir durften die Musiker Wünsche äußern, was sie gern spielen wollten." Danach seien die Konzertprogramme gebaut worden, und so konnte sich manch' ein Instrumentalist während der Spielzeit freuen, wenn sein Vorschlag auf dem Programmzettel stand. In der Folge wuchsen die Musiker immer wieder über sich hinaus, wenn etwa Les Preludes von Franz Liszt oder Wagners Tannhäuser-Ouvertüre gespielt wurden.

Alles habe seine Zeit, und seine Zeit sei auch sehr begrenzt, weshalb er kürzertreten wolle. Jedenfalls gehe er nicht im Groll, sagte Erben. Und er wird sich nicht vollständig vom LSO verabschieden. Erben kommt wieder als Gastdirigent. Und zwar schon in der nächsten Spielzeit, wie er bei seiner Verabschiedung nach seinem allerletzten Konzert als künstlerischer Leiter des LSO am Sonntag im Bornaer Stadtkulturhaus angekündigt hat.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.07.2014
Natsidis, Nikos

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