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"Erfahrung fürs Leben und anderen helfen"

"Erfahrung fürs Leben und anderen helfen"

Die beiden hatten Spaß - beim Einräumen des Geschirrspülers in der Küche der Lebenshilfe in Borna. Der 14-jährige Vincent Bliemel ist Schüler der Frohburger Oberschule und leistete gestern seinen sozialen Tag in der Behindertenwerkstatt.

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Nach dem Frühstück wird aufgeräumt: Vincent Bliemel (r.) füllt mit Matthias Jung den Geschirrspüler.

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna/Frohburg. Für Matthias Jung, der gern und viel lacht, ist dies der Arbeitsplatz. Gemeinsam räumten sie Teller, Tassen und Besteck in den Spüler.

Vincent hat sich den Ort gezielt ausgesucht. "Der soziale Tag ist ja so gedacht, dass man Erfahrung fürs Leben sammelt, in einem sozialen Bereich arbeitet und anderen hilft", meinte der Schüler. Ein Autohaus biete sich da weniger an, eher etwas mit Senioren, Kindern oder Behinderten. Da seine Mutter in der Werkstatt als Betreuerin arbeitet, lag es nahe, hier anzufragen.

Kurz nach sieben Uhr war der Frohburger gestern im Haus am Bornaer Wilhelmschacht 8. Dort gibt es neben den Werkstätten Wäscherei, Näherei, Verpackung und Stanzerei auch einen Förder- und Betreuungsbereich für Schwerst- und Mehrfachbehinderte - wo Vincent vor allem mithalf. Morgens nahm er gemeinsam mit den Betreuern die behinderten Menschen in Empfang. Zunächst gab es ein gemeinsames Frühstück, das hieß Tisch decken und wieder abräumen, hier und da ein kleines Gespräch oder ein helfender Handgriff für Frauen und Männer, die nach Unfall, Krankheit oder schon seit ihrer Geburt mit vielen Einschränkungen leben müssen. Danach war Bastelzeit. Zum Thema Heimat wurden Fotos ausgedruckt und aufgeklebt, gestern war Groitzsch an der Reihe. "Ich finde die Idee mit dem sozialen Tag gut", meinte Vincent - auch wenn es beruflich in eine andere Richtung gehen soll: Kriminalpolizist oder Lehrer könnte er sich vorstellen.

Die meisten Jugendlichen würden in Unternehmen gehen, wo Eltern, Onkel oder Tanten arbeiten, erzählte der Schüler. Es habe bei der Suche einer Arbeitsstelle aber auch Unterstützung von der Schule und der Stadtverwaltung gegeben. Dies bestätigte Frank Ziemann, Leiter der Bornaer Dinterschule: "Die meisten Schüler werden selbst aktiv und suchen sich mit Hilfe der Familie etwas. Wem das nicht gelingt, den unterstützen wir. Das läuft super!" Generell gebe es vorab viele Informationen - und danach eine Auszeichnung für die beste Klasse.

Seit rund zehn Jahren bietet die Lebenshilfe in Borna jungen Leuten die Möglichkeit, ihren sozialen Tag hier zu absolvieren. Gestern waren drei Schüler da. "Sie können uns wirklich helfen", sagte die Kaufmännische Leiterin Ines Reimann. Da viele Jugendliche durch Verwandte oder Bekannte zu diesem Praktikumsplatz kommen, wissen sie in etwa, was auf sie zukommt. Bei der Lebenshilfe in Borna arbeiten derzeit 300 behinderte Menschen, 21 Frauen und Männer werden im Förderbereich betreut, zudem gibt es zwölf Pflegeplätze. In der Wohnstätte leben 34 Leute, hinzu kommen 30 Personen im ambulant betreuten Wohnen. Die Lebenshilfe hat 103 Angestellte.

Vincent war einer von 114 Frohburger Oberschülern der Klassenstufen 7 bis 9, die gestern in Unternehmen und Einrichtungen in der Stadt und der Region arbeiteten; einige übernahmen auch Dienste im Schulgelände. Schulsozialarbeiterin Marika Seiffert rechnet mit rund 2500 Euro, die diese Einsätze erwirtschaften. 30 Prozent der Summe erhält die Schule, um soziale Projekte zu unterstützen.

Nutznießer ist die Greifenhainer Kindertagesstätte "Regenbogenland", in der Kinder integrativ betreut werden. Was die Schüler erarbeiten, macht Therapeutisches Reiten für diese Kinder in Machern möglich. Hiltrud Schlegel, die die Greifenhainer Einrichtung leitet, erzählte den Sechstklässlern über Integration, um sie für "Genialsozial" im kommenden Jahr zu begeistern. Das tat auch Josephine Külbel; die Frohburger Oberschülerin war beim Jury-Tag des Projektes dabei, auf dem über die weltweite Verwendung der erwirtschafteten Gelder entschieden wird. Die Fünftklässler ihrerseits, für die "Genialsozial" noch Zukunftsmusik ist, sind am Donnerstag im Waldgebiet Eisenberg und auf dem Busplatz im Arbeitseinsatz, außerdem in der Kinder- und Jugendbegegnungsstätte Frohburg.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.07.2015
Claudia Carell und Ekkehard Sch

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