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Erinnerungen an den Großtagebau Espenhain

Erinnerungen an den Großtagebau Espenhain

Man könnte ihn ein Klassentreffen nennen: den zweiten Teil von Thomas Schmidts Vortrag zur Geschichte des Großtagebaus Espenhain. Mehr als 60 ehemalige Beschäftigte und auch jüngere Interessierte waren am Sonnabend in den Veranstaltungsraum der Espenhainer Gemeindeverwaltung gekommen, um Erinnerungen aufleben zu lassen und mehr über die Entwicklung des riesigen Tagebaus von 1946 bis zur Schließung Mitte der 1990er Jahre zu erfahren.

Espenhain. Bereits im November hatte Thomas Schmidt, 57, zu einem Vortrag eingeladen. Damals ging es um die Entstehung und den Start des Tagebaus.

Die wechselvolle Geschichte mit all ihren Fakten sprengte den Zeitrahmen, und so entschieden sich die Organisatoren vom Soziokulturellen Zentrum Kuhstall Großpösna zu einem zweiten Treffen. „Die Vorträge von Thomas Schmidt sind für mich ein Muss", sagte Gerald Riedel, Vorsitzender des Vereins Bergbau Technik Park im Leipziger Neuseenland. „Er ist eine Koryphäe auf dem Gebiet."

Der Verein ist Anlaufpunkt für viele ehemalige Beschäftige des Tagebaus. So auch für Werner Schreyer, der von 1950 bis 1984 E-Lok-Fahrer in Espenhain war. „Ich bin und bleib Espenhainer. Es war eine schöne Zeit – und wir hatten einen guten Verdienst", erinnert er sich.

Chronist Thomas Schmidt, gebürtiger Waldheimer, war von 1972 bis 1982 im Großtagebau tätig, machte eine Lehre als Maschinist für Großgeräte und bediente die „Riesenbagger". Schon damals recherchierte er, sammelte Bilder, Fakten und auch Anekdoten. Die Geschichte des Großtagebaus lässt ihn bis heute nicht los. Und so schildert er am Sonnabend wichtige Stationen des Tagebaus, wie die Wiederaufnahme der Kohleförderung ab 1946, als nach Kriegsende die Bänder und die Anlagen kaputt waren. Erst 1950 liefen die Maschinen wieder normal, konnte volle Leistung gefahren werden. Ab den 1960er Jahren wurden pro Jahr bis zu zwölf Millionen Tonnen Kohle gefördert und ab 1969 zum Beispiel das Kraftwerk Thierbach damit beliefert. Unvorstellbare Mengen Kohle kamen in Espenhain zutage: Von 1939 bis 1996 waren es rund 585 Millionen Tonnen.

In Schmidts Vortrag ging es um Personalien, um beteiligte Ingenieure und um Maschinen. Viele historische Bilder und Dokumente wurden gezeigt. Stolz waren alle darauf, dass in Espenhain bis 1972 die größte Förderbrücke der Welt stand. Mehr als 500 Meter war sie lang. Bei den ehemaligen Lokführern, Stellwerkern, Baggerfahrern oder Absetzerfahrern wurden Erinnerungen wach – an ihre Arbeit, an technische Details, aber auch an ein tragisches Ereignis aus dem Jahr 1958, als der Bagger SchRs 200 umkippte und eine Arbeiterin unter sich begrub oder als es 1971 zu mehreren Kippenrutschungen kam. Schmidt fragt immer wieder nach, bezieht seine Zuhörer mit ein, schließlich kennen sich alle von damals. Das „Du" ist hier normal. Während des zweistündigen Vortrages ist Fachjargon angesagt, es geht um Zahlen und Begriffe aus der Tagebauwelt.

1990 wurde das Ende des Großtagebaus besiegelt. Zu der Zeit arbeiteten mehr als 1000 Menschen in Espenhain.

Ulrike Witt

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