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Erinnerungen an einen weggebaggerten Ort

Erinnerungen an einen weggebaggerten Ort

Wenn sich Helga Wiedenhöft an die Zeit vor mehr als 60 Jahren erinnert, fallen ihr trotz der vergangenen Jahrzehnte viele Erinnerungen ein - wie sie mit ihren Nachbarn als Kinder Theater gespielt und Frösche gefangen hatte und wie sie in den Heuballen herumgehüpft waren.

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Waltraud Thiermann nimmt stellvertretend für alle Geschwitzer die Glückwünsche des Röthaer Bürgermeisters Ditmar Haym (parteilos) entgegen.

Quelle: Julia Tonne

Rötha. "Geschwitz war einfach ein toller Ort, um groß zu werden", macht sie deutlich. Am Sonntag trafen sich fast 30 ehemalige Geschwitzer, die die Erinnerung an ihren 1952 weggebaggerten Ortsteil aufrecht erhalten wollen.

Organisiert hatte das Treffen wie in den vergangenen Jahren auch schon Waltraud Thiermann im Röthaer Schützenhaus - zusammen mit der Vorsitzenden des Heimatvereins, Bettina Wallasch. "Ich habe 20 Jahre in Geschwitz gelebt, bin dort geboren und habe die Zeit dort nie vergessen", begründet Thiermann ihr Engagement. Rund 30 Geschwitzer kamen zum mittlerweile 17. Treffen. Beim ersten waren noch mehr als 150 Leute dabei gewesen, "oft noch unsere Eltern und bei manchem auch noch die ganz betagten Großeltern", sagt Hildegard Rübner.

Wallasch hofft, dass bei den jährlichen Gespräche zwischen den Geschwitzern, die seit 1952 in alle Welt verstreut sind, Erinnerungen auftauchen, die dann schriftlich festgehalten werden. "Wir haben zwar eine feste Ausstellung im Museum zu dem früheren Röthaer Ortsteil, aber eine Art Heimatheft gibt es noch nicht", erklärt sie. Dabei gebe es vieles, das sich lohne aufzuschreiben. So erzählt Thiermann beispielsweise, wie sie in dem Tante-Emma-Laden eingekauft hatte. "Da wurde die Butter noch von einem riesigen Stück abgeschnitten. So etwas gibt es heute gar nicht mehr." Für die Kinder jedenfalls war Geschwitz ein traumhafter Ort, "denn zum Böhlener Schwimmbad brauchten wir gerade mal fünf Minuten und in der Gaststätte haben wir Tanzen gelernt".

Auch die dunklen Jahre des Zweiten Weltkriegs sind den heute etwa 80-Jährigen in Erinnerung geblieben. "Böhlen und Espenhain wurden stark bombardiert, und wir waren sozusagen mittendrin", betont Wiedenhöft, die heute 76 ist. Die Nächte hatten sie regelmäßig in den Kellern verbracht. "Wenn wir abends ins Bett gegangen sind, haben wir uns nicht mal mehr umgezogen."

Dennoch überwiegen die schönen Erinnerungen bei vielen. "Als Kinder waren wir nur draußen, alle haben zusammen gespielt", sagt Christa Zabel. Vielleicht sei auch deshalb heute der Zusammenhalt noch so groß. Das bestätigt der Röthaer Bürgermeister Ditmar Haym (parteilos). "Kommen Sie weiter jedes Jahr zusammen, sonst wird Geschwitz dem Vergessen preisgegeben", sagt er.

Auch wenn es viele geschmerzt hatte, als sie vor mehr als 60 Jahren den Ort verlassen mussten, war es für viele doch auch ein Neuanfang. "Die Wohnung, die wir in Espenhain bekommen haben, war ein echter Lottogewinn", erklärt Thiermann. Schließlich habe es dort ein Bad mit fließend Wasser gegeben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.09.2014
Julia Tonne

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