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Erneuerbare Energie statt fossiler Brennstoffe: Pödelwitzer diskutieren

Nacht der Dorfkirchen Erneuerbare Energie statt fossiler Brennstoffe: Pödelwitzer diskutieren

Große Themen wurden zur Nacht der offenen Dorfkirche in Pödelwitz angesprochen: Energiewende, die Zukunft des Braunkohlebergbaus und damit auch von Pödelwitz. Knapp 60 Gäste, darunter auch einige Ex-Heuersdorfer, waren dabei. Die Bürgerinitiative „Pro Pödelwitz“ versicherte: „Wir kämpfen weiter für unser Dorf“.

Die Dorfkirche von Pödelwitz stammt aus dem 13. Jahrhundert – und sie soll bitteschön im Dorf bleiben. Annähernd 60 Gäste besuchten am Sonnabend die Nacht der offenen Dorfkirche in dem Groitzscher Ortsteil.

Quelle: Jens Paul Taubert

Pödelwitz/Groitzsch. Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden, diesen Spagat schafften am Sonnabend die Bürgerinitiative „Pro Pödelwitz“ und die Kirchgemeinde zur Nacht der offenen Dorfkirche in Pödelwitz. Annähernd 60 Gäste, darunter viele Ex-Heuersdorfer, verbrachten den lauen Sommerabend mit Vorträgen und Gesprächen bei selbst gebackenem Kuchen, Rostern und Steaks vom Grill. „Ich weiß, dass wir heute große Konkurrenz haben“, sprach Pfarrerin Friederike Kaltofen das Viertelfinalspiel Deutschland gegen Italien an, „aber wir haben vorgesorgt.“ Aus einem Auto heraus wurde die Partie übertragen.

Im Mittelpunkt der Dorfkirchennacht standen jedoch große Themen wie die Zukunft des Braunkohlebergbaus und damit von Pödelwitz. „Wir sind nicht gewillt, unser Dorf herzugeben“, machten Jens Hausner und Thilo Kraneis von der Bürgerinitiative deutlich. „Lasst es stehen, genauso wie Großstolpen, Droßkau in Richtung Michelwitz, Obertitz und die Auenlandschaft, denn ihre Abbaggerung ist nicht mehr nötig“, richteten sie einen dringenden Appell an die Entscheidungsträger. „Wir müssen Visionen entwickeln und die Energiewende tatsächlich voranbringen.“ Unterstützt wird die Bürgerinitiative in ihrem Kampf von einem renommierten Hamburger Anwaltsbüro.

In einer Ausstellung waren am Sonnabend alle wichtigen Informationen darüber zusammengestellt. „Wir zeigen den zeitlichen Ablauf der vergangenen sieben Jahre auf“, fasste Jens Hausner zusammen und erinnerte an die erste Bürgerbefragung 2010, in der sich noch 50 Prozent der Dorfbewohner zum „Gehen“ und 17 Prozent zum „Bleiben“ entschieden sowie 33 Prozent unentschlossen waren. Letztere schwenkten später zum Gehen um.

Seitdem ist ein Großteil der Dorfgemeinschaft vor dem Tagebau Vereinigtes Schleenhain geflüchtet und das Leben in Pödelwitz ist ruhig geworden. Aber soll eine Umsiedlung tatsächlich der beste Lärm- und Staubschutz sein, fragte Thilo Kraneis. Für die wenigen Dagebliebenen habe das Dorf mit seiner über 700-jährigen Geschichte, den Bauernhöfen und der Kirche dagegen etwas von einem Paradies. „Es ist unsere Heimat, wir leben gerne hier“, erklärte der Pödelwitzer und fügte scherzhaft an: „Ich kann abends um zehn Rasen mähen, das stört keinen.“

Über Denkfallen („Konsum macht glücklich“) und alternative Lebensmuster sprach danach der Psychologe Peter Schmute von der Uni Göttingen. In Markkleeberg aufgewachsen, wisse er um die Problematik Bergbau und unterstütze den Kampf der Pödelwitzer. „So ein Dorf und eine Kirche kann man nicht abreißen. Das ist ein Verbrechen.“ Er möchte vielmehr neue Lebensmodelle aufzeigen, „die so funktionieren, dass man guten Gewissens so weiterleben kann."

Diese Vorlage griff der Geograf André Wüste auf und nannte als Beispiel die Energiespargemeinde Zschadraß, die bis 2050 komplett auf erneuerbare Energien umstellen und damit autark von großen Versorgern und fossilen Brennstoffen werden möchte. Der Anfang sei mit LED-Straßenbeleuchtung, Holzhackschnitzel-Heizungen in öffentlichen Gebäuden sowie der ersten Kohlendioxid-neutralen Turnhalle in Sachsen gemacht. Zudem wurde eine ökologische Sozialstiftung gegründet, die Windräder baue. Aus deren Ertrag fließen 20 Prozent in die Stadtkasse. Positiver Nebeneffekt dieser klimafreundlichen und kostengünstigen Lebensweise: Die Eltern zahlen in Zschadraß keine Kindergartenbeiträge mehr.

Für Pödelwitz sind diese Beispiele Wasser auf die Mühlen. Die Devastierung des Ortes sei aus ihrer Sicht energiepolitisch nicht mehr zu rechtfertigen.

Von Kathrin Haase

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