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Erst gezecht, dann brutal zugeschlagen - Geithainer wegen Totschlags vor Gericht

Erst gezecht, dann brutal zugeschlagen - Geithainer wegen Totschlags vor Gericht

Leipzig/Geithain. Aus Verärgerung über ein Telefonat soll Sebastian E. laut Anklage der Staatsanwaltschaft Leipzig "wahllos zugeschlagen" haben: Zwölfmal gegen den Kopf, elf Schläge trafen den Rumpf und weitere 15 Treffer Arme und Beine des späteren Opfers - Ronny G.

. aus Geithain. Der 42-Jährige starb am 13. August vorigen Jahres an einem Hirnödem. Seit gestern befasst sich das Landgericht Leipzig mit den tödlichen Ereignissen jenes Tages. Im Prozess um Totschlag müssen etliche Zeugen gehört werden, die eigenen Aussagen zufolge "alle betrunken waren".

Am Tatort - ein Mietshaus in der Laachgasse in Geithain - wurde oft und reichlich gebechert. Die Kumpels kannten sich. Der Angeklagte, ein Mann ohne Schul- und Lehrabschluss, arbeitsloser Holzmechaniker, war wenige Wochen zuvor ausgezogen, um mit Freundin und dem bald darauf geborenen Sohn im Neubaugebiet "ein neues Leben zu beginnen." Am 13. August aber wollte er "unter Männern sein, ein bisschen rumziehen", bereits früh sei Bier getrunken worden. Später dann wurde im Haus selbst gemachter Obstwein gekippt. Er habe seit Langem ein Alkoholproblem, räumte er gestern ein.

Offenbar vernebelte das Gesöff den letzten Verstand der Beteiligten. Plötzlich soll Ronny G. behauptet haben, dass Sebastian E. in der Wohnung eines Kumpels mit dessen Freundin allein sei und mit ihr rummache ... Der entsprechende Anruf ihres eifersüchtigen Freundes brachte Sebastian E. in Rage. Er habe das mit Ronny klären wollen. Was dann in dessen Wohnung geschah, blieb gestern im Dunkeln. "Ich kann mich nicht erinnern, was dort abgelaufen ist", erklärte der Angeklagte. Dreimal habe er bestimmt zugeschlagen, aber "so massiv, das kann ich nicht glauben." Augenzeugen dieser Auseinandersetzung gibt es nicht. Er habe nur "Gerumpel" gehört, erklärte ein Trinkkumpan.

Der Verletzte blieb sich selbst überlassen, die Männer zogen weiter zum Bahnhof, kehrten erst gegen Abend zurück. "Ich dachte, er schläft", erinnerte sich ein Zeuge gestern. Ein Irrtum, wie sich später zeigte. Der Versuch einer Wiederbelebung nach 23 Uhr schlug fehl, der kurz vor Mitternacht alarmierte Notarzt konnte nicht mehr helfen. Ermittlungen wegen unterlassener Hilfeleistung wurden nicht geführt.

Noch in der Nacht erreichte Sebastian E. die Nachricht vom Tod des Freundes. Er stellte sich daraufhin der Polizei, sitzt seither in Untersuchungshaft. Unmittelbar nach dem tödlichen Verbrechen gab er damals zu Protokoll, "richtig ausgerastet zu sein." Wie oft er zugeschlagen habe, konnte er auch seinerzeit nicht zu sagen. Alle seien geschockt gewesen, es habe mit dem Freund doch eigentlich keine Probleme gegeben.

Einen völlig neuen Aspekt brachte die Mutter des Angeklagten gestern in der Hauptverhandlung vor. Die Freundin einer Kollegin habe erzählt, dass es in der Laachgasse in der fraglichen Nacht nach 23 Uhr zu einem weiteren Streit gekommen sein soll. "Dem muss nachgegangen werden", sagte der Verteidiger des Angeklagten Stephan Bonell. Laut Aktenvermerk der Polizei gab es einen Notruf, weil sich vier bis zehn Personen schlagen würden. Das sei "absoluter Quatsch", waren sich hingegen die Zeugen, mehrfach wegen Eigentums- und Gewaltdelikten vorbestraft, einig. Sie betonten mehrfach, besoffen gewesen zu sein.

Das Gericht hat noch drei Prozesstage anberaumt. Es könne auch eine Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge in Betracht kommen, sagte der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf. Das Urteil wird für den 20. Mai erwartet.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.04.2015
Saskia Grätz

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