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Erster Baggerbiss für neue Heimat

Erster Baggerbiss für neue Heimat

Gehen oder bleiben? Für die Pödelwitzer stellt sich diese Frage nicht mehr. 90 Prozent wollen weg aus dem Dorf, um dem Dreck und Lärm des näher rückenden Tagebaus zu entfliehen.

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Freudig erwartet: Unter den aufmerksamen Augen der Pödelwitzer hebt ein Bagger der Mibrag die erste Kuhle aus. Auf 3,6 Hektar Land finden die bisherigen Dorfbewohner eine neue Heimat.

Quelle: Thomas Kube

Groitzsch. Ein Drittel der Dorfbewohner hat sich für die Umsiedlung in das neue Wohngebiet am "Schiefen Weg" in Groitzsch entschieden. Am Freitagnachmittag feierte die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (Mibrag) mit den Umzugswilligen den ersten "Spatenstich" für diese neue Heimat - per Baggerbiss. Das 700 Jahre alte und nun bedrohte Pödelwitz liegt auf 20 Millionen Tonnen Braunkohle, die nach dem Umzug der Einwohner abgebaut werden können. Das Bergbauunternehmen hält den Schritt für die beste Lösung.

Einen sonnigen, für diese Jahreszeit ungewöhnlich milden Nachmittag hat die Mibrag auserkoren, um mit den Bauarbeiten zu beginnen. Es weht kein Lüftchen auf dem insgesamt 3,6 Hektar großen Areal. Bis 2018 werden dort jetzige Pödelwitzer ihre neuen Häuser beziehen können. Auf dem Bauland am "Schiefen Weg" soll nach Angaben der Mibrag Platz für 23 Einfamilien- und fünf Mehrfamilienhäuser sein.

"Wir kommen heute mit dem symbolischen Spatenstich für die Erschließung dem mehrheitlichen Wunsch der Pödelwitzer Familien für ein neues Zuhause einen großen Schritt näher. Wir werden sie auf ihrem Weg auch weiterhin tatkräftig unterstützen", verspricht Mibrag-Geschäftsführer Bernd-Uwe Haase. Bei der gestrigen Zeremonie scheint es, als gebe es nicht die bleibewilligen sieben Familien, die vehement um den Erhalt ihres Dorfes kämpfen. Vielmehr geht es um einen Neustart für jene, die bereits im Spätsommer 2009 signalisiert hatten, dass sie unter Berücksichtigung der Entwicklung des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain eine Umsiedlung bevorzugen.

"Mein Mann wurde in Pödelwitz geboren, ich lebe seit 38 Jahren dort. Der heutige Tag ist ein großes Ereignis für uns", sagt die 68 Jahre alte Christina Moritz, die einer freiwilligen Umsiedlung frühzeitig zustimmte. "Es war bis hierher ein langer, schwieriger Weg. Ich kann die Leute verstehen, die nicht weg wollen. Doch wir haben beschlossen, unseren Lebensabend nicht neben Dreck und Lärm zu verbringen." Rund 90 Prozent von insgesamt 130 Pödelwitzern sprachen sich in den zurückliegenden Jahren für einen Umzug aus. Zunächst ziehen 13 Familien gemeinsam in das von der Mibrag finanzierte Neubaugebiet. 13 weitere nahmen bereits das Geld und suchten sich selbst eine neue Bleibe.

"Mit den Umsiedlungsgegnern suchen wir nach wie vor das Gespräch. Wir versuchen sie zu überzeugen, die Umsiedlung zu vollenden", so Haase. Und Landrat Gerhard Gey (CDU) betont: "Die Umsiedlungsmaßnahmen sind kein Geschenk an die Pödelwitzer. Ist es doch ein fairer Ausgleich für all die Opfer, die die Bewohner gebracht haben." Ginge es nach den Wünschen der baldigen Häuslebauer, dann würden sie am liebsten noch in diesem Jahr mit der Grundsteinlegung beginnen. Doch Verzögerungen sind vorprogrammiert: So muss zunächst das archäologische Gutachten Baufreiheit ermöglichen. "Ist dies abgeschlossen - und wir rechnen dabei nicht mit Problemen -, können wir die Grundstücke im Herbst dieses Jahres zur Bebauung an die Eigentümer übergeben", versichert die Umsiedlungsleiterin der Mibrag, Sylke Saupe.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.04.2014
Juliane Lange

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