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Erster Wissenschaftstag im Beruflichen Schulzentrum Böhlen

Premiere Erster Wissenschaftstag im Beruflichen Schulzentrum Böhlen

Wie weit ist die Entwicklung künstlicher Intelligenz vorangeschritten? Wie kann Unendlichkeit berechnet werden? Die Antworten lieferten zwei Dozenten am Dienstag am Beruflichen Schulzentrum in Böhlen. Erstmals gab es für die Schüler der zwölften Klassen einen Wissenschaftstag, um sie auf die anschließende Studienzeit vorzubereiten.

Mensch und Maschine können interagieren, eigene Ziele aber hat künstliche Intelligenz (noch) nicht. Diese werden einprogrammiert.

Quelle: André Kempner

Böhlen. Wenn es im Hotel Hilbert unendlich viele Zimmer gibt, können unendlich viele Gäste einchecken. Wer dann welches Zimmer bekommt, ist gar nicht so einfach zu berechnen. Das wiederum kann bereits der Computer erledigen, sprich künstliche Intelligenz. Beide Themen standen am Dienstag im Beruflichen Schulzentrum (BSZ) in Böhlen im Mittelpunkt. Erstmals gab es für die Schüler der zwölften Klassen einen Wissenschaftstag.

Und der bestand aus zwei Vorlesungen. Anna Fukshansky, einst Dozentin an der University of London, heute selbstständig, vermittelte den Schülern ein Gefühl für Unendlichkeit und erklärte zudem, wie die sich berechnen lässt. Maciej Sumalvico, Doktorand an der Universität Leipzig, erläuterte hingegen den technischen Stand von Robotern und deren zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten. Die Premiere der Vorlesungen am BSZ hat laut Maren Deistler, Fachleiterin der Biotechnologie, den Hintergrund, die Schüler schon jetzt auf eine sich anschließende Studienzeit vorzubereiten. „Zudem sind die Vorträge gut geeignet, um auf Themen neugierig zu machen, die so detailliert nicht im Unterricht besprochen werden können“, sagt sie.

Dass die Unendlichkeit ausgerechnet ein Thema ist, das man detailliert unter die Lupe nehmen kann, dürfte einigen Schülern bisher nicht bewusst gewesen sein. Fukshansky hielt die Vorlesung auf Englisch – für den Aspekt des fächerverbindenden Unterrichts – und lud die Schüler gemeinsam ins Hotel Hilbert ein, benannt nach dem Mathematiker David Hilbert. Das ist zwar voll belegt, hat aber eben unendlich viele Zimmer, so dass jeder weitere Gast noch ein Bett finden dürfte. Hilberts Gedankenexperiment sieht zunächst einen Weg, Platz für einen weiteren Gast zu machen: alle bisherigen Gäste ziehen schlicht einen Raum weiter, so dass Zimmer 1 frei wird. Auch unendlich viele Gäste können untergebracht werden, indem man die Zimmer mit ungeraden Nummern wie eben beschrieben frei macht und dann die Gäste in die Zimmer 3, 9, 27, … schickt.

Faszination löste bei den Schülern aber nicht nur diese Herberge aus, sondern auch der Fortschritt bei künstlicher Intelligenz, den Sumalvico beleuchtete. Eine Angst nahm er den Jugendlichen gleich zu Beginn: „Die Robo-Invasion ist noch nicht zu befürchten.“ Denn eines unterscheide Roboter gravierend vom Menschen: Sie haben keine eigenen Ziele. Zwar sei Interaktion zwischen Mensch und Maschine längst möglich, aber die Maschine könne sich (noch) keine Ziele setzen. Sumalvico fände jedoch eine Idee reizvoll, um die Frage zu beantworten, ob Roboter eben das lernen könnten. „Dazu müsste man eine Population aus Robotern schaffen, in der jeder das tun kann, was er will. Vielleicht erkennen irgendwann einige Exemplare, dass sinnvolle Handlungen das Überleben sichern“, schaut der Informatiker in die Zukunft.

Deistler kann sich nach dem ersten Durchlauf des Wissenschaftstags durchaus jährliche Wiederholungen vorstellen. Wichtig dabei nur: Fachleute aus den jeweiligen Gebieten einladen. Bis es aber eine nächste Auflage gibt, steht zunächst eine andere Entwicklung in den Startlöchern. Der Fachbereich Biotechnologie bekommt in absehbarer Zeit weitere Geräte für das Labor. Dazu gehören unter anderem ein DNA-Messgerät, eine abschließbare Gefrier- und Kühlkombination, Umlaufkühler für Bioreaktoren, in denen Organismen kultiviert werden können, sowie Präzisionswaagen.

Ab Anfang des nächsten Schuljahres sollen in dem Labor mehr Experimente möglich sein als bisher, zum Beispiel DNA-Abgleiche für die Überführung von Tätern – aber auch Bakterien, die zum Leuchten gebracht werden. Zweiteres setzt wiederum eine weitere und äußerst wichtige Neuanschaffung voraus: ein Autoklav, also eine Art Zerstörer für gentechnisch veränderte Mikroorganismen.

Von Julia Tonne

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