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Erstmals wieder mehr als 2000 Geburten – Kita- und Hortplätze fehlen

Zuzüge machen Probleme Erstmals wieder mehr als 2000 Geburten – Kita- und Hortplätze fehlen

Hunderte Betreuungsplätze fehlen derzeit im Landkreis. Grund sind gestiegene Geburtenzahlen und Zuzüge. Der Kreis hat zwölf Kommunen aufgefordert, Kapazitäten zu schaffen.

Eltern suchen händeringend nach Betreuungsplätzen.

Quelle: picture alliance / dpa

Landkreis Leipzig. Die Kurve bei den Geburten zeigt wieder nach oben. „Erstmals seit dem Jahr 2008 konnten wir im Vorjahr wieder mehr als 2000 neue Erdenbürger im Landkreis begrüßen“, erklärt Landrat Henry Graichen (CDU). Eine Trendwende, die so nicht zu erwarten war. In den vergangenen Jahren hatte es starke Schwankungen gegeben. Der Tiefpunkt war im Jahr 2013 mit rund 1800 Geburten erreicht worden. „Seitdem“, so Graichen, „steigt die Zahl erfreulicherweise wieder kontinuierlich an.“

Die Kehrseite der Medaille: In den Kommunen fehlen hunderte Betreuungsplätze. Eltern suchen mitunter händeringend einen Ausweg. Für die Planung ist das Jugendamt zuständig, das in den vergangenen Wochen intensive Gespräche mit den Stadt- und Gemeindeoberhäuptern führte. Demnach sieht der Kreis in zwölf Städten und Gemeinden akuten Handlungsdruck. „Nicht nur Kommunen im unmittelbaren Speckgürtel von Leipzig verzeichnen Zuzug und damit einen höheren Betreuungsbedarf“, erklärte Graichen am Montag vor dem Jugendhilfeausschuss. „Auch in Kommunen wie Rötha oder Machern, die nicht unmittelbar an Leipzig angrenzen, sind die Plätze knapp.“ Graichens Appell: „Die Kommunen können bei der Ausweisung neuer Wohngebiete nicht nur im Blick haben, dass sie Straßen oder Kanäle bauen.“ Auch die soziale Infrastruktur müsse Schritt halten.

In verbindliche Formen gießt diesen Appell die Bedarfsplanung, die der Ausschuss am Montag einstimmig absegnete. Die Schaffung von Plätzen in Krippen, Kitas und Horten wird den betroffenen Kommunen ins Muttiheft geschrieben. Größtes Sorgenkind ist aktuell die Stadt Zwenkau, von der in der Tendenz 200 neue Plätze in Kita, Krippe und Hort gefordert werden. Auch Markranstädt müsse seine Hausaugaben machen. „Hier hat man in der Vergangenheit darauf vertraut, dass viele Eltern Plätze in Leipzig in Anspruch genommen haben“, erklärte Fachberaterin Ingrid Leutelt bei der Vorstellung der Zahlen. „Was aber aktuell in Leipzig los ist, konnten wir alle in der Zeitung lesen“, erklärte sie in Anspielung auf die Menschenschlange vor einer neuen Kita in der Leipziger Südvorstadt.

Noch ist derlei Notstand im Landkreis nicht zu verzeichnen, aber einige Kommunen müssten massive Anstrengungen unternehmen, so die Fachfrau. Dazu zählt der Landkreis neben den Leipzig-nahen Städten auch die Gemeinde Machern. Durch einen Anstieg auf zuletzt 72 Geburten jährlich und den Zuzug junger Familien gebe es hier einen akuten Engpass im Krippenbereich. Das Jugendamt geht aktuell von 20 bis 25 fehlenden Plätzen für unter Dreijährige aus. Auch in der Nachbarkommune Brandis werden neue Kapazitäten gefordert. Größeren Handlungsbedarf sieht der Kreis außerdem in Borna, Kitzscher, Markranstädt, Pegau und Groitzsch, ebenso in geringerem Maßstab in Böhlen, Rötha, Naunhof und Belgershain. Die meisten Kommunen haben sich schon auf den Weg gemacht, neue Kapazitäten zu schaffen. „Besondere Anstrengungen haben die Städte Borna und Markleeberg unternommen, in denen neue Einrichtungen eröffnet wurden“, lobte Leutelt die getätigten Investitionen hervor. So habe Borna in der Kita „Die Kleinsteins“ sogar Integrationsplätze geschaffen. Den Hut zieht der Landkreis auch vor Markkleeberg. „Dort sind viele neue Plätze entstanden und die Kommune konnte damit drohenden Klagen von Eltern vorbeugen“, so Ingrid Leutelt. Auch in Regis-Breitingen konnte erst vor wenigen Tagen die Richtkrone auf einen Neubau gezogen werden.

Aus der Bedarfsplanung herausgefallen ist hingegen ein geplanter Neubau am Hainer See. Hier wollte der Seehaus-Verein, eine Einrichtung zur Resozialisierung straffällig gewordener Jugendlicher, eine Kita mit ursprünglich 30 Plätzen errichten. Noch vor drei Jahren hatte auch die Gemeinde Neukieritzsch den Bedarf dafür gesehen und das Vorhaben unterstützt Zuletzt fanden intensive Beratungen mit Gemeinde, Seehaus-Vertretern und der Diakonie Leipziger Land als potenziellem Betreiber statt. Ergebnis: Neukieritzsch könne den Neubau nicht mehr befürworten, der Standort am Nordufer des Hainer Sees sei für Eltern aus Neukieritzsch und anderen Ortsteilen zu schwer zu erreichen. Zudem könne der Bedarf in der Kommune durch freie Kapazitäten im Ortsteil Deutzen aufgefangen werden. Eine Sicht, der sich auch das Jugendamt anschloss. Der Seehaus-Verein prüfe unabhängig davon, eventuell eine Betriebskita zu realisieren, hieß es.

Von Simone Prenzel

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