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Borna „Es ist Aufgabe der Volkshochschule, modernes Wissen zu übersetzen“
Region Borna „Es ist Aufgabe der Volkshochschule, modernes Wissen zu übersetzen“
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10:44 15.05.2018
Die Volkshochschule als Gesprächskreis zur digitalen Welt – das ist das Ziel von Ralph Egler. Quelle: Jens Paul Taubert
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Borna

Die digitale Welt verstehen – das ist nicht nur ein Thema für Senioren, sagt Ralph Egler im Interview. Der 58-Jährige ist Direktor der Volkshochschule Leipziger Land und zudem Vorsitzender des Sächsischen VHS-Verbandes. Er plädiert bei diesem Thema für andere Angebotsformate und angepasste Förderstrukturen für seine Institution.

Die Beschäftigung mit digitaler Technik stellt vor allem für Senioren eine Herausforderung dar. Wie lange bietet die VHS zu diesem Thema Kurse an?

Seit etwa zehn Jahren. Es gab zum Beispiel Angebote, als die ersten Fahrkartenautomaten aufgestellt wurden. Selbst jüngere Menschen hatten damit ihre Probleme, erst recht Senioren. Aber Kurse zu diesem Thema fanden damals wenig Anklang. Das hat sich jetzt gewandelt. Und das ist gut so. Ich sehe es als eine Aufgabe der Volkshochschule, modernes Wissen zu übersetzen. Wer nicht mehr im Berufsleben steht, wird mit den technischen Entwicklungen nicht zwangsläufig konfrontiert und muss sich scheinbar nicht damit auseinandersetzen. Bei unseren Kursen spielt auch das Soziale eine wichtige Rolle.

Inwiefern?

Es gibt Untersuchungen zum Lernen im Alter, die nachweisen, dass dieses Wissen am besten im vertrauten sozialen Umfeld aufgenommen wird. Das sind für ältere Menschen meistens ihre Kinder, doch die wohnen oft woanders oder haben wenig Zeit. Die Volkshochschule mit ihren vielen Standorten kann meiner Meinung nach ein Ort sein, wo dies kombiniert werden kann: digitale Wissensvermittlung und sozialer Kontakt. Allerdings braucht dies Kontinuität, weil natürlich auch immer wieder neue Fragen entstehen.

Was mit der bisherigen Kursstruktur schwierig ist...

Ja, es muss auch Möglichkeiten geben, außerhalb der Kursrunde nachzufragen. Deshalb denken wir derzeit über andere Formate nach. Die Digitalisierung ist ein großes und wichtiges Thema und wir sind ja erst am Anfang. Die Gesellschaft wird sich dadurch wandeln. Es wird künftig möglich sein, digital einkaufen zu gehen oder sich ärztlichen Beistand zu holen. Dabei dürfen aber nicht die sozialen Bindungen leiden.

Sie meinen, dass jeder nur noch zu Hause allein vor seinem Computer oder Smartphone sitzt?

Genau. Es ist jetzt bereits bekannt, wie sehr kognitive Fähigkeiten dabei verkümmern können. Das ist auch nicht nur für ältere Menschen wichtig. Wer auf seinem Computer spielt oder mit seinem Smartphone hantiert, ist ja nicht automatisch fit in der digitalen Welt. Dazu gehört mehr.

Wie können Sie Ihre Angebote anpassen?

Wir führen verstärkt Kurse für Smartphone, Tablet und Laptop durch. Wenn sechs bis acht Teilnehmer zusammen kommen, können wir das in jedem Ort des Landkreises mit neuster Technik anbieten. Darüber hinaus versuchen wir, neue Formate zu finden. Zum Beispiel gibt es im Mehrgenerationenhaus Markranstädt einen Computerclub, wo digitale Angebote regelmäßig und außerhalb von festen Kursen stattfinden. Ein Gesprächskreis zur digitalen Welt in der VHS an vielen Standorten – das wäre ein Anfang. Da müssten sich allerdings die Förderstrukturen ändern und die Volkshochschule institutionell gestärkt werden.

Und verstärkt das Interesse bei Senioren dafür geweckt werden, oder?

Ja, das ist ein wichtiges Feld. Grundsätzlich gibt es da viele Hemmschwellen. Wenn ältere Menschen einen Vertrag mit einem Mobilfunkanbieter abschließen, ist das für sie oft ganz schwierig. Das gilt auch für den Kauf geeigneter Technik, zum Beispiel eines Smartphones. Hier ist viel Aufklärung und Hilfe nötig. Es genügt nicht, unser Angebot auf der Homepage zu veröffentlichen und zweimal im Jahr ein Programmheft zu drucken. Da muss mehr passieren, das ist ein gesellschaftlicher Auftrag.

Wie meinen Sie das?

Es darf nicht zu einer Spaltung kommen: Die eine Hälfte der Bevölkerung versteht die Digitalisierung und kann damit leben und arbeiten und die andere Hälfte nicht. Es bedarf konzertierter Aktionen, eine flächendeckende Weiterbildung dazu anzubieten.

Dafür ist die Volkshochschule geeignet?

Ja, die Volkshochschulen decken in Sachsen zwei Drittel der Erwachsenenbildung ab und sind territorial gut vernetzt. Die digitale Welt wird unsere Gesellschaft maßgeblich verändern und wir alle müssen uns darin zurechtfinden. Es ist klar, dass Digitalisierung nicht nur politisch artikuliert werden darf, sondern auch mit Blick auf notwendige Bildungsvoraussetzungen ausreichende Lernorte und Lernmöglichkeiten, vor allem im ländlichen Raum, bereit stehen müssen.

Von Claudia Carell

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