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Borna Espenhainer Recycler holen viel mehr als Stahlschrott aus alten Autos
Region Borna Espenhainer Recycler holen viel mehr als Stahlschrott aus alten Autos
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00:19 15.07.2017
Alltag auf dem Gelände des Recyclingunternehmens Scholz in Espenhain. Kräne beschicken die Verarbeitungsanlagen mit dem angelieferten Material. Darin steckt viel mehr als nur Stahlschrott. Quelle: André Neumann
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Rötha/Espenhain

Was da kürzlich im Technischen Ausschuss von Rötha geschah, war so gar nicht im Sinne der in Espenhain ansässigen Verwertungsunternehmen Scholz Recycling und des Tochterunternehmens SRW Metalfloat. SRW hatte den Antrag gestellt, eine weitere Anlage auch nachts betreiben zu dürfen. Die Stadt musste zum Bauantragsverfahren Stellung nehmen. In diesem Zusammenhang kam aus Mölbis Kritik, weil schon jetzt, da nur ein Teil schon nachts laufe, gelegentlich Lärm auftrete, der Bewohner aus dem Schlaf reiße.

Die Firmen Scholz Recycling und SRW Metalfloat zerlegen im Industrie- und Gewerbepark Espenhain Altautos und andere Siedlungsabfälle in ihre Bestandteile und gewinnen neben Stahl weitere wertvolle Rohstoffe daraus.

„Für uns ist ein gutes Verhältnis zur Gemeinde wichtig“, sagt SRW-Geschäftsführer Volker Grunert in dem Zusammenhang. Seit 2000 habe es nur zwei Beschwerden wegen Lärmes gegeben. Aktuell liege nichts vor, auch nicht bei der Umweltbehörde in Grimma. Ausschließen könne er nicht, dass nachts aus Unachtsamkeit mal ein lautes, weit zu hörendes Geräusch entsteht. Für den Fall bittet Grunert, das Unternehmen gleich am nächsten Morgen zu kontaktieren, dann könne man der Ursache nachgehen.

Um zu verstehen, um was es konkret geht, muss man wissen, was das Geschäft der beiden Firmen im Industrie- und Gewerbepark Espenhain ist. Mit der gängigen Vorstellung von einem Schrottverarbeiter ist das nur annähernd erklärt.

Angefangen hat Scholz in Espenhain 1991 mit zwölf Mitarbeitern, die monatlich 4000 Tonnen Schrott aus den alten Industrieanlagen verarbeiteten. Seitdem wurden am Standort 60 Millionen Euro investiert, die beiden Unternehmen gehören heute zum chinesischen Konzern Chiho-Tiande, einem der weltweit größten Metallrecycler, und beschäftigen in Espenhain zusammen 270 Leute.

Geht es nach Menge und Gewicht, macht Stahlschrott vorzugsweise aus alten Autos, aus Waggons, immer noch aus alten Industrieanlagen wie dem Kraftwerk Thierbach und aus allgemeinem Siedlungsabfall den Löwenanteil aus. Der wird, nachdem der Stahl von allen Fremdstoffen befreit und zerkleinert ist, in Waggons geschüttet und an Stahlwerke verschickt.

Viel aufwendiger zu verarbeiten ist der ganze Rest, der in Autos und allen anderen so genannten Siedlungsabfällen steckt: mineralische Reste, Kunststoffe, Holz, Gummi, Gemische von alledem und vielerlei Metalle in kleinsten Mengen, versteckt in allerlei Motoren und anderen Geräten. Ein Recyclingunternehmen kann es sich nicht leisten, auf diese Fraktionen zu verzichten, sie müssen getrennt werden für die Verwertung: als Zuschlagstoffe für die Deponie, als Brennstoffe für Verbrennungsanlagen, als wiederverwendbarer Kunststoff und als Metalle für den industriellen Bedarf. In den Arbeitsschritten dafür stecken viel Know-how und komplizierte Technik. Da wird in Flüssigkeitsbädern getrennt, werden bestimmte Stoffe durch Sensoren erkannt und mittels exakter Druckluftstöße separiert, werden Stoffe geröntgt. Immerhin steht in Espenhain die modernste und zugleich eine der größten Aufbereitungsanlagen für Schredderrückstände weltweit.

In dem Bereich der so genannten Leichtschredderfraktion arbeitet auch jene Verarbeitungsstrecke, die den aktuellen Streit auslöste. Sie befindet sich in einer Halle, deren Tore nachts geschlossen werden. Eine Strecke arbeitet schon rund um die Uhr. Die permanenten Geräusche, das haben Messungen ergeben, sind in Mölbis nicht mehr nachweisbar. Vorstellbar ist, dass nachts ein Container unsanft bewegt wird oder Stahlteile aneinander schlagen, was dann weit über die Halde Trages hallen könnte. „Das sind menschliche Fehler“, sagt Kay Weißflog, Forschungs- und Entwicklungsleiter bei SRW Metalfloat. Darauf könne man einwirken, wenn man zeitnah davon erfahre, unterstreicht er den Hinweis des Geschäftsführers.

In diesen Tagen reicht SRW die Antragsunterlagen für die nächste große Investition von rund 5,6 Millionen Euro ein. In vorhandenen Hallen sollen eine Kunststoffsortieranlage entstehen und eine Anlage zur noch feineren Aufbereitung von feinkörnigen metallhaltigen Abfällen. Letztere werden aus rund 20 000 Tonnen jetzigem Schredderabfall pro Jahr die darin noch enthaltenen zwei Prozent Kupfer und andere Metalle herausholen. Im kommenden Jahr soll der Betrieb aufgenommen werden.

Von André Neumann

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