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Borna Europa-Champion für Rammler und Häsin
Region Borna Europa-Champion für Rammler und Häsin
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00:17 14.10.2016
Rhönkaninchen bewerben sich in Groitzsch um den Europameister-Titel. Quelle: Jens Paul Taubert
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Groitzsch

Es war so etwas wie Liebe auf den ersten Blick. Frank Böhme hatte als Zwölfjähriger begonnen, Kaninchen zu halten. Schon kurze Zeit später, in den 1970er Jahren, begegnete ihm die Rasse, die jahrzehntelang sein Züchterleben bestimmen sollte: grau-weiß gescheckte Rhönkaninchen. Diese Tiere, ruhig vom Gemüt, waren damals gerade erst in der Rhön in Thüringen neu gezüchtet worden – mit dem Ziel, dass ihr Fell den Birkenstämmen dieses Mittelgebirges gleichen sollte. Als zweite Rasse wählte der Groitzscher die kleinen agilen Löwenköpfchen in den gleichen Farben. „Das ist ein schönes Hobby als Ausgleich und Entspannung. Es macht einfach Spaß“, sagt der Züchter. Mit dieser Meinung steht er nicht allein.

Deutschland ist eine Hochburg der Kaninchenzucht

Der Zentralverband der Rasse-Kaninchenzüchter gilt als die weltweit größte Dachorganisation in diesem Bereich und vertritt nach eigenen Angaben mehr als 140 000 Mitglieder in 5000 Vereinen, 400 Clubs, 600 Frauen- und 2600 Jugendgruppen. „Zu DDR-Zeiten hatten wir sogar noch mehr Züchter in Ostdeutschland“, weiß Böhme. Zu seinem Groitzscher Rassekaninchenzüchterverein S 192 gehören 28 Frauen und Männer, auch eine Jugendliche ist dabei. Dieser kleine Verein hat sich nun eine Europa-Schau in die Stadt geholt und wird am Wochenende dort Europameistertitel verleihen. Außerdem wird der beste Rammler und die beste Häsin Europa-Champion.

Erst seit kurzem gebe es die rassebezogenen Veranstaltungen mit nur wenigen Arten. Neben den Rhönkaninchen werden die Preisrichter in Groitzsch auch die Schwarzgrannenkaninchen bewerten. Zudem dürfen Züchter dort Rassen mit dem gleichen weiß-grauen Farbmuster zeigen, so dass der 54-jährige Organisator auch vier seiner hübschen Löwenköpfchen ausstellen wird. Im vergangenen Jahr war Frank Böhme mit seinen Tieren bei der ersten Europa-Schau dieser Art in der Schweiz. „Es ist immer interessant, mit anderen Züchtern zusammenzukommen und sich auszutauschen“. Für die zweite Schau bewarb sich der Groitzscher Verein beim Europa-Verband und bekam den Zuschlag.

RHD-Virus schreckt ausländische Züchter ab

Rund 50 Züchter mit 300 Tieren haben sich angemeldet – leider nur aus Deutschland, bedauert der Ausstellungsleiter. Normalerweise sind die Schweizer und auch Österreicher gern vertreten, manchmal auch Holländer und Franzosen. Grund sei die Krankheit RHD (Rabbit Haermorrhagic Disease) – die Kaninchenseuche. Betroffene Tiere haben Krämpfe, Lähmungen, einen blutigen Nasenausfluss, sind kurzatmig, wirken teilnahmslos, fressen nicht. Das Virus soll spätestens nach drei Tagen Inkubationszeit zu hohem Fieber führen, nach weiteren zwölf bis 36 Stunden oft zum Tod. Dagegen gibt es eine Impfung, das Attest müssen die Züchter auch in Groitzsch vorlegen. Das Problem ist eine neue Variante von RHD mit einer erhöhten Empfänglichkeit bei Jungtieren. An dem neuen Impfstoff werde gearbeitet, doch noch gibt es ihn nicht. Dies schreckt manchen Züchter ab, mit seinen Tieren große Ausstellungen zu besuchen.

Zwölf seiner 48 Kaninchen wird der Groitzscher bei der Schau zeigen. Was den möglichen Erfolg betrifft, gibt er sich bescheiden: „Im Spitzenbereich wird es nicht sein, da gibt es schon einige Bessere.“ Neben Körperbau und Fell spielt auch die Zeichnung als Blickfang eine wichtige Rolle. Am Freitag vor der Eröffnung bewerten die Preisrichter die Tiere. In der Nacht zum Sonnabend wird dann der Ausstellungskatalog gedruckt.

Das ist ein enger Zeitplan und der Ausstellungsleiter hofft, dass alles klappt. Überhaupt hat er mit seinen Helfern bis dahin noch eine Menge zu tun, immerhin ist es eine Europa-Schau, da sind einige Extras zu beachten. Warum er sich dafür freiwillig den Hut aufsetzt? Die Antwort kommt prompt: „Einer muss es machen, sonst kann so was nicht stattfinden.“ In seiner Heimatstadt organisiert er regelmäßig solche Ausstellungen, mischt auch seit Jahren in Tautenhain bei der Landesjungtierschau mit.

Zweitägige Ausstellungen im Kulturhaus Großstolpen

Seiner Meinung nach ist Kaninchenzucht ein Hobby, das man entweder schnell wieder sein lässt – oder sehr lange dabei bleibt: „Es ist bei uns nicht so, dass ständig die Mitglieder wechseln. Wer zehn Jahre dabei ist, der ist gerade erst eingetreten.“ Auch Ältere, die schon um die 80 sind, haben daran immer noch Freude. „Natürlich muss man sich stets um die Tiere kümmern, jeden Tag zweimal füttern und wenn man in den Urlaub fährt jemanden finden, der verlässlich ist“, sagt Böhme. Trotzdem, er hat seine Wahl nie bereut.

Die rassebezogene Europa-Schau für Rhönkaninchen und Schwarzgrannen am 15. und 16. Oktober im Kulturhaus Großstolpen bei Groitzsch, ist geöffnet am Sonnabend 9 bis 18 Uhr und Sonntag 9 bis 13 Uhr. Neben der Europa-Schau findet gleichzeitig eine sachsenweite Clubschau für Weißgrannenkaninchen und eine Vereinsschau der Groitzscher statt.

Von Claudia Carell

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