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Borna Europas Epochen-Brücke – Großevent knüpft an Völkerschlacht-Gedenken an
Region Borna Europas Epochen-Brücke – Großevent knüpft an Völkerschlacht-Gedenken an
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06:00 16.11.2017
Die Hubertusburg rückt 2018 in den Mittelpunkt einer Gedenkveranstaltung der Sparkassen-Stiftungen. Quelle: Dirk Hunger
Borna/Wermsdorf

Europas Epochen-Brücke – es ist vorerst nur ein Arbeitstitel. Doch die Vorbereitungen sind weit gediehen, um fünf Jahre nach dem Völkerschlachtjubiläum erneut Europas Blick auf den Leipziger Raum zu lenken. Dabei wird es im Oktober kommenden Jahres auch einen historischen Zapfenstreich auf geschichtsträchtigem Boden geben: im Innenhof des Schlosses Hubertusburg in Wermsdorf. Im Leipziger Mediencampus soll tags darauf ein Symposium mit namhaften Referenten den Blick ins Gestern und Heute weiten.

Der Impuls für diese nächste große Gedenkveranstaltung in der Region kommt von der Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land der Sparkasse Leipzig, genau genommen von ihrem Direktor Stephan Seeger. „Wir wollen aus der reinen Rolle eines Fördermittelgebers herauswachsen und gleichzeitig an den 200. Jahrestag der Völkerschlacht 2013 anknüpfen“, sagt er. Mit im Boot sind dieses Mal die beiden anderen Sparkassenstiftungen – für Medien und für Torgau-Oschatz. Die drei Geldgeber teilen sich die geschätzten Kosten von 85 000 Euro, allein sei das nicht zu stemmen, so Seeger. Die jeweiligen Stiftungsräte gaben mittlerweile grünes Licht.

Wermsdorf rückt dabei ganz bewusst ins Licht der Öffentlichkeit. Denn auf der Hubertusburg wurde 1763 nicht nur das Ende des Siebenjährigen Krieges besiegelt. Nach Napoleons Russlandfeldzug 1812 fanden hier die zurück weichenden französischen Soldaten ein Lazarett vor. „In den Mittelpunkt wollen wir aber das Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren stellen“, so Seeger, der allen drei Stiftungen vorsteht. Und das deutsch-französische Verhältnis. Mit den Befreiungskriegen gegen Napoleon begann eine tiefe Feindschaft zwischen beiden Ländern, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg eskalierte und Millionen Menschenleben forderte. Erst 1945 gelang die Aussöhnung. Mit der Gedenkveranstaltung soll eine Brücke von damals ins Hier und Jetzt geschlagen werden. Seeger: „Was sagen uns die Ereignisse heute?“

Das für die Region wichtige Thema Völkerschlacht habe die Kultur- und Umweltstiftung von Anfang an belegt, so der Direktor. Die Veranstaltung im kommenden Jahr soll nun einen neuen Akzent setzen und die Kontakte vertiefen. So werden Repräsentanten europäischer Fürstenhäuser ebenso eingeladen wie hochrangige Militärs und Politiker. Eingebunden werden erneut die Traditionsvereine der Region. Bereits am 17. und 18. Oktober schlagen die Darstellungsgruppen am alten Wermsdorfer Jagdschloss ein Biwak auf. Seeger rechnet mit 100 Leuten in der Uniform der Infanteristen und mit 30 Hobby-Kavalleristen. Am 19. Oktober (ein Freitag), sind zunächst ein Ökumenischer Gedenkgottesdienst in der Schlosskapelle und ein Konzert der Sächsischen Bläserphilharmonie im Ovalsaal geplant, ehe um 18 Uhr im Innenhof der Hubertusburg zum großen Zapfenstreich geblasen wird und die historischen Darsteller aufmarschieren.

Der 20. Oktober beginnt mit einer Andacht in der Russischen Gedächtniskirche in Leipzig, ehe am Nachmittag zum wissenschaftlichen Symposium Platz genommen wird. Die namhaften Referenten decken ein breites Spektrum ab. Christopher Clark, der an der Cambridge Universität lehrt und bekannt für seine Europa-Serie bei Terra X ist, hat mit dem Buch „Die Schlafwandler“ provoziert und aufgerüttelt. Seine These: Deutschland trage nicht allein die Schuld am Ersten Weltkrieg. Die damaligen Mächte seien wie Schlafwandler in den Konflikt gestolpert. Sönke Neitzel von der Universität Potsdam wiederum tritt als Fachmann für den Zweiten Weltkrieg ans Rednerpult, und Konrad Adenauer, ältester Enkel des einstigen Bundeskanzlers, spricht über die deutsch-französische Aussöhnung. Froh ist Seeger, auch Walburga Gräfin von Douglas gewonnen zu haben. Mit ihrem Vater Otto von Habsburg steht sie für das Paneuropäische Picknick 1989 an der ungarisch-österreichischen Grenze, als erstmals der eiserne Vorhang aufging. Politikwissenschaftler Herwig Münkler soll dann die Entwicklung nach dem Mauerfall aufgreifen. Den Schlussstrich zieht ein Gedenkkonzert des Leipziger Symphonieorchesters.

Inzwischen gebe es in Europa wieder starke Regionalbestrebungen, so Seeger mit Blick auf England und Katalonien, auf Polen und Ungarn. Die Botschaft der Veranstaltung solle ein Bekenntnis zu Europa sein. „Wir können die geglückte Aussöhnung zwischen Deutschen und Franzosen als Beispiel nehmen, wie ein vereintes Europa funktionieren kann.“

Von Frank Prenzel

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