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Ex-Bornaer erkundet die Welt und denkt über das Leben nach

Weltreise Ex-Bornaer erkundet die Welt und denkt über das Leben nach

Auf einer Reise durch die Welt versucht ein Ex-Bornaer, seinen Platz im Leben zu finden. In den beeindruckenden Nationalparks Südamerikas gewinnt Oliver Weickert die Erkenntnis: Zeit ist viel wichtiger, als materielle Güter. Und gelegentlich vermisst er die „leckeren Backwaren“ aus Borna.

Der erste Teil der Reise führte Oliver und Fabienne mit dem alten T4 durch Spanien und Portugal.

Quelle: privat

Borna. Ein ehemaliger Bornaer ist seit Ende September auf Weltreise und macht sich in Spanien und Südamerika Gedanken über seine alte Heimat, über das Leben der Menschen in dieser Welt und die eigene Zukunft. Damit Freunde und Bekannte seine Erlebnisse verfolgen und an seinen Überlegungen teilhaben können, schreibt er einen Blog im Internet.

Abenteuerlust und Reisefieber brachen bei Oliver Weickert (29) so richtig aus, als er knapp zwei Jahre Grundwehrdienst bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall leistete. In den bayrischen Alpen entdeckte er seine Leidenschaft für den Bergsport. Und weil es im Leipziger Südraum nun mal keine richtigen Berge gibt, zog es ihn später wieder in die Alpen, in die Schweiz.

Das Bergsteigen war anfangs allerdings nicht der einzige Grund zum Auswandern. Nach dem Abitur am damaligen beruflichen Gymnasium in Espenhain kümmerte er sich zunächst um Job und Karriere. Er lernte Industriemechatroniker bei der Deutschen Post. Weil er in der Heimat keine Arbeit fand, sagte er sich: Wenn schon wegziehen, dann richtig. Auf nur eine einzige Bewerbung bekam er einen Job in der Schweiz. Er zog an den Bodensee, lebte in Deutschland und zwei Jahre in der Schweiz und lernte seine Freundin Fabienne kennen. In seiner Firma brachte es Oliver Weickert bis zum stellvertretenden Abteilungsleiter. Nun kamen die Zweifel, ob das sein Leben sein soll.

Oliver Weickert und Fabienne auf Weltreise

Oliver Weickert und Fabienne auf Weltreise.

Quelle: privat

Täglich je eine Stunde auf dem Weg von und zur Arbeit waren genug Zeit zum Nachdenken. Da reifte der Entschluss, erst einmal alles hinter sich zu lassen. Ende September bestiegen Fabienne und Oliver einen orangefarbenen alten VW-Bus und brachen auf. Zunächst ging es über Frankreich und die Pyrenäen nach Spanien, dann weiter nach Portugal.

Nachdem die iberische Halbinsel einmal umrundet war, kehrten die beiden kurz nach Deutschland zurück, um Anfang Dezember erneut aufzubrechen nach Südamerika. Großes Ziel waren die Berge Patagoniens, wo sie beeindruckende Nationalparks teils unter extremen Bedingungen durchwandern.

Diesmal sind sie mit Zelt und Rucksack unterwegs, statt mit dem Bus. Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln und per Anhalter bietet mehr Möglichkeiten, mit Einheimischen in Kontakt zu kommen. Den suchen die beiden Reisenden immer wieder. Beispielsweise indem sie als Helfer auf Farmen leben und arbeiten, die sich traditioneller, auf natürlichen Abläufen basierender Landbewirtschaftung verschreiben.

Dieser so genannten Permakultur können Oliver und Fabienne sehr viel abgewinnen. Denn sie haben auch das krasse Gegenteil davon gesehen: „Steppen, die von Menschenhand geschaffen sind, in denen kein Leben mehr möglich ist“, wie der Ex-Bornaer bedauert. Riesige Farmen in Spanien, auf denen Obst und Gemüse wächst, dass in Deutschland zu jeder Zeit im Supermarkt zu haben ist, und wo „das ganze Grundwasser verseucht und die gesamten Bodenkulturen kaputt gemacht werden“. Oder riesige Ländereien in Spanien und in Argentinien, die nicht mehr bewohnbar sind, weil „durch Rohdung und Viehhaltung alle fruchtbaren Böden vom Wind abgetragen wurden.“

Bestätigt hat sich für Oliver Weickert mittlerweile auch das, was ihn zweifeln ließ, ob die berufliche Karriere allein die Erfüllung sein kann. Seine Erkenntnis lautet: „Das wertvollste Gut in unserer Gesellschaft sind nicht materielle Dinge, irgendwelche Statussymbole, ein angesehener Job oder riesen Eigentum, nein es ist viel einfacher, es ist die Zeit.“ Zeit, sagt er, in der man „sich mit seinen Liebsten und seinen Mitmenschen und nachhaltigen Aufgaben beschäftigt“, ist gut angelegt.

Während der 29-Jährige fremde Kulturen und Traditionen kennenlernt, fragt er sich gelegentlich, ob man die eigenen überhaupt kennt. Und dann wandern die Gedanken nach Borna und er stellt fest: „Wenn man da wohnt, wird man irgendwie blind für diese tolle Region mit ihren besonderen Menschen und der Kultur.“ In der Ferne verfolgt Oliver Weickert auch aktuelle Debatten in der Heimat, wie um das Freibad und um einen Supermarkt am Breiten Teich. Dem Trend einer zunehmenden Betonierung dieser schönen Landschaft kann Oliver Weickert nichts abgewinnen, und er beäugt die Entwicklung in den Städten sehr kritisch. Die Gedanken schweifen zurück bis zur Kindheit und Jugend, er denkt an damalige Wegbegleiter wie Familienmitglieder, Lehrer, Bekannte.

Gelegentlich vermisst er die „leckeren Backwaren“ aus Borna. Und wenn ihn sein Weg wieder einmal in die Stadt führen sollte, dann wird er „zum ’Brückenbäcker’ am Harbig-Stadion fahren und dort frischen Streusel- und sämtlichen Obstblechkuchen kaufen, den es gibt.“

Links zu den Blogs

Der Weg nach Spanien über die Pyrenäen:

https://findpenguins.com/05vfemvrn2iup/trip/57dfa060ec7ab8-17145947

Spanientrip:

https://findpenguins.com/05vfemvrn2iup/trip/58090170019191-12553071

Portugal:

https://findpenguins.com/05vfemvrn2iup/trip/5810a28551a0e0-30133703

Heimweg von Portugal über das Baskenland:

https://findpenguins.com/05vfemvrn2iup/trip/582c0d9fa8a948-77694886

Südamerika:

https://findpenguins.com/05vfemvrn2iup/trip/58429848d36a29-92442659

Von André Neumann

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