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Ex-Bürgermeister Frank Lange: Notfallpläne sind keine Erfindung dieses Sommers

Notvorsorge Ex-Bürgermeister Frank Lange: Notfallpläne sind keine Erfindung dieses Sommers

Bis Rettungskräfte eintreffen, sollten Bürger in Katastrophenfällen auch einige Zeit lang in der Lage sein, sich selbst zu helfen. Dazu rät Macherns Ex-Bürgermeister Frank Lange, Multiplikator in Sachen Zivilschutz.

Die Bundesregierung rät für Notsituationen zur Bevorratung mit Lebensmitteln.

Quelle: dpa

Landkreis Leipzig. Als beunruhigend haben es viele Bürger empfunden, als kürzlich die Aufforderung erging, sich für den Notfall zu rüsten und Lebensmittelvorräte anzulegen. Einer, der zu solchen Vorsichtsmaßnahmen rät, ist Frank Lange (CDU), ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde Machern. „Zivilschutz ist keine neue Erfindung. In verschiedenen Entwicklungsstufen hat es ihn seit Gründung der Bundesrepublik 1949 schon immer gegeben.“ Lange interessiert sich seit Jahren für das Thema. „Wie alle Amtsträger habe ich auch den Lehrgang an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) in Bad Godesberg bei Bonn besucht.“ Der CDU-Mann versteht sich deshalb als Multiplikator in Sachen Zivilschutz und bietet dazu auch Lehrgänge an. „Die Notfallpläne, die jetzt heiß diskutiert werden, sind keine neue Erfindung dieses Sommers, sondern Ergebnis langjähriger Auswertung von Schadensereignissen und internationalen Bedrohungen.“ Die Grundsätze der Katastrophenvorsorge würden schon immer gelten. „Wenn es jetzt plötzlich zum Aufschrei in der Bevölkerung kommt, so kann dies nur am bisherigen Desinteresse an diesem Thema liegen.“ Vielleicht, vermutet Lange, liege dies auch daran, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten eine gewisse Vollkasko-Mentalität breitmacht. „Der Staat wird schon für meine Sicherheit garantieren, sagen sich viele.“ Aber gerade in besonderen Notsituationen müsse man in der Lage sein, sich für eine gewisse Zeit auch selbst zu helfen.

„Und ist ein Notfall erst eingetreten, ist es für Vorsorgemaßnahmen meist zu spät. Wenn es brennt, muss sofort reagiert werden. Wenn eine Evakuierung erfolgt, kann man nicht erst beginnen, das Notgepäck mit wichtigen Dokumenten zu packen. Wenn der Strom für Tage ausfällt, sollte ein Notvorrat im Haus vorhanden sein.“ Lange nimmt sich ein Beispiel an seinen Altvorderen: „Da gehörte eine gut gefüllte Speisekammer immer dazu.“ Jede gute Hausfrau beziehungsweise auch ein Hausmann seien gut beraten, sich eine eiserne Reserve anzulegen. „Warum jetzt die Aufregung über Vorräte an Dosenravioli, Bockwurst und 14 Liter Mineralwasser“, fragt sich Lange und schüttelt den Kopf über die Hysterie, die nach Vorstellung der neuen Zivilschutzstrategie teilweise zu spüren war. „Niemand muss diese Ratschläge befolgen, aber jeder kann!“ Im Übrigen hätten Vorkommnisse auch gezeigt, wie anfällig die Infrastruktur geworden ist. „Als vor Jahren in Norddeutschland für längere Zeit das Licht ausging, haben die Leute einen Vorgeschmack bekommen, wie verwundbar die Gesellschaft ist.“ Bei mehrtägigen Stromausfällen würde unser Alltag sich auf einen Schlag ändern. „Im Supermarkt würde keine Tür mehr aufgehen, Geld am Automaten gibt es auch nicht mehr. Niemand wünscht sich solche Zustände, aber man sollte sich dafür wappnen“, rät der CDU-Politiker.

„Drei Tage sollte man in der Lage sein, autark zu leben.“ Zur nötigen Ausstattung sollte unter anderem ein Campingkocher, haltbare Lebensmittel, aber auch Einweggeschirr gehören. „Wenn der Handyempfang versagt und der Strom weg ist, kann außerdem ein batteriebetriebenes Radio gute Dienste leisten.“ Das sei krisensicher, um an Informationen zu gelangen.

„Keinesfalls eignet sich das Thema Zivilschutz, um sein parteipolitisches Süppchen zu kochen oder den Verantwortlichen Panikmache vorzuwerfen. Dazu ist die Sache viel zu ernst.“ Angesichts der Gefahr von Terroranschlägen gebe es allerdings wohl keinen geeigneten Zeitpunkt mehr, an dem die Bürger mit Tipps zur Katastrophenvorsorge nicht zwangsläufig verunsichert würden, räumt auch Multiplikator Lange ein.

Von Simone Prenzel

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