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Ex-Bürgermeister: Wir sind ein schönes Dorf geworden

Ex-Bürgermeister: Wir sind ein schönes Dorf geworden

"Es ist ein hübsches Dorf geworden", sagt Eduard Gerling mit Blick auf Eula. Der Mann muss es wissen. Er war der letzte Eulaer Bürgermeister, bevor das über 900 Jahre alte Dorf mit seinen Ortsteilen Kesselshain.

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Die Wiprechtskirche in Eula ist das markanteste Bauwerk des Ortes. Sie entstand im 12. Jahrhundert. Fotos (6): Thomas Kube

Quelle: Thomas Kube

Eula. Haubitz und Gestewitz nach Borna eingemeindet wurde. Das war vor 20 Jahren - am 1. März 1994.

"Wären wir eigenständig geblieben, wäre das Gewerbegebiet heute voll", ist Gerling überzeugt. Er hatte sein Amt 1990 angetreten. Nicht gleich nach den Wahlen, sondern einige Monate später. Da hatte es die CDU, die dem Wahlergebnis nach an sich das Zugriffsrecht auf den Bürgermeisterposten gehabt hätte, immer noch nicht geschafft, einen geeigneten Kandidaten zu benennen. Also wurde Gerling, heute 74 und damals als Nicht-Mitglied auf der SPD-Wahlliste, gefragt und bekam das Amt.

Vorher hatte er im Werk Espenhain als Kraftwerksmaschinist und später im Landtechnik-Anlagenbau in Großzössen gearbeitet. "Ursprünglich wollte ich Tierarzt werden", so Gerling. Nach der Eingemeindung war er Mitarbeiter des Bornaer Bauordnungsamtes, bevor er 1999 arbeitslos und zwei Jahre später Ruheständler wurde.

Ein erster Höhepunkt seiner Amtszeit war die 900-Jahr-Feier von Eula im September 1990. Die erste größere Festivität nach der Wende überhaupt, für die es noch etwas Geld gab - aus DDR-Zeiten. Es war die Zeit, als es in Eula noch einen Konsum gab. Und es stellten sich Interessenten für das neue Gewerbegebiet ein. Gerling: "Es verging kein Tag, an dem nicht Leute deswegen vorbeikamen." Dabei musste sich der Eulaer Bürgermeister und seine Mitstreiter erst einmal kundig machen, wie ein Bebauungsplan für ein Gewerbegebiet überhaupt auszusehen hatte. Wer das Gewerbegebiet heute betrachtet, sieht die Früchte der damaligen Arbeit - etwa die Firmen Alltec, Möbel-Voigt oder die Tankstelle.

Später ging es vor allem um die Zukunft des Ortes, der erstmals im Jahr 1206 erwähnt wurde. Es war die Zeit der großen Weichenstellungen im wiedergeschaffenen Freistaat Sachsen, als der damalige Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) Kommunalpolitikern wie Gerling bei einer Veranstaltung im Kulturhaus Böhlen erkläre, dass es Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern künftig nicht mehr geben werde. Da war Eula mit seinen weit weniger als 1000 Seelen nicht mehr zu halten und es begann die Suche nach Anschluss. "Nach Borna wollte keine Gemeinde", erinnert sich der einstige Bürgermeister und hat damit seine damalige Gemeinde ebenso im Blick wie etwa Regis heutzutage. So entstand die Idee, dass Eula mit Großzössen und Kahnsdorf, die später zur Gemeinde Lobstädt gehörten und heute Ortsteile von Neukieritzsch sind, oder aber mit Dittmannsdorf und Braußwig, mittlerweile Kitzscheraner Ortsteile, zusammengehen könnte. Eine Idee, mit einer relativ kurzen Halbwertzeit, wie sich Gerling erinnert. Denn plötzlich gab es eine Direktive, derzufolge Gemeinden mindestens 5000 Einwohner haben sollten. "Da war ich dann bei Wolfram Seiffert", dem seinerzeitigen Lobstädter Gemeindeoberhaupt. Auch das erwies sich letztlich als erfolglos, weil das Regierungspräsidium auf wiederum neue Richtlinien verwies. Die besagten, dass sich Lobstädt in Richtung Neukieritzsch orientieren sollte, wo die Gemeinde allerdings erst sehr viel später landete. "Schließlich wurde Kitzscher ein Thema für uns", sagt der Ex-Bürgermeister, "aber das ging dann auch nicht." Was blieb, war Borna. Den damaligen Bornaer Bürgermeister Lutz-Egmont Werner (damals CDU) habe das Eulaer Gewerbegebiet gereizt. "Ich denke, wir haben die Eingemeindung gut hinbekommen", sagt Gerling. Allerdings sei seither nicht mehr allzu viel in Eula passiert. "Was es in Eula gibt, stammt noch aus den Zeiten unserer Eigenständigkeit." Schließlich sei Eula damals Förderdorf gewesen, wodurch etliche Gelder in die Dörfer geflossen seien. Dadurch sei auch die Sanierung des Vereinshauses möglich gewesen. Das gelte auch für den Kindergarten "Am Rehgarten" oder die Straße der Genossenschaft. Gerling: "Was die Stadt seit der Eingemeindung gemacht hat, sind ein paar Bürgersteige in der Kirschallee."

Das liegt womöglich auch an der Vertretung von Eula im Bornaer Stadtrat. Bei der Eingemeindung "hatten wir sechs Stadträte". Mittlerweile ist es mit Günther Kolbusa (Linke) nur noch einer. Dennoch ist der letzte Eulaer Bürgermeister Gerling überzeugt: "Eula ist ein hübsches Dorf geworden."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.02.2014
Nikos Natsidis

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