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Versteht Deutzen nur Bahnhof? Ex-Eisenbahner klärt auf

Neukieritzsch Versteht Deutzen nur Bahnhof? Ex-Eisenbahner klärt auf

Einen Bahnübergang gibt es in Deutzen nicht mehr. Klaus Wolny bedauert das zwar nicht wirklich, aber ein bisschen schade ist es doch. Immerhin könnte der Rentner und erfahrene Eisenbahner dann vor Ort beobachten, ob die von ihm verfasste „Richtlinie 456 Wegübergangssicherungsanlagen“ sich bewährt.

Klaus Wolny am Haltepunkt Deutzen. Der 75-Jährige hat eine lange Karriere als Eisenbahner hinter sich.

Quelle: André Neumann

Neukieritzsch/Deutzen. Einen Bahnübergang gibt es in Deutzen nicht mehr. Klaus Wolny bedauert das zwar nicht wirklich, aber ein bisschen schade ist es doch. Immerhin könnte der Rentner und erfahrene Eisenbahner dann vor Ort beobachten, ob die von ihm verfasste „Richtlinie 456 Wegübergangssicherungsanlagen“ in der Praxis eingehalten wird und sich bewährt.

In dieser Vorschrift hat der Deutzener die Regeln der ehemaligen Deutschen Reichsbahn und der Bundesbahn zusammengestellt und vereinheitlicht, die an einem Bahnübergang zu beachten sind, wenn die Schrankenanlagen ausfallen, wenn der Bahnübergang mit Bändern oder Scherengittern gesichert werden muss.

Klaus Wolny, der heute 75 Jahre alt ist, kennt sich nicht nur mit Bahnübergängen aus, er ist Eisenbahner von der Pike auf. Er hat schon während der Lehre in Lobstädt Fahrkarten verkauft, hat später Züge begleitet, als Rangierer Züge zusammengestellt und vom Stellwerk aus den Verkehr auf den Schienen überwacht. Nach Studium und Fernstudium verbrachte er den überwiegenden Teil seiner Laufbahn damit, an Verbesserungen von Technologien und Sicherheit mitzuarbeiten und die unterschiedlichen Systeme von Reichsbahn und Deutscher Bahn zusammenzuführen. Einer wie er kennt die Abläufe im Detail, weiß um die Wichtigkeit von Regeln und Vorschriften und die Bedeutung der Begriffe.

Deswegen schaut und hört Wolny auch ganz genau hin, wenn etwas über die Bahn geschrieben oder gesagt wird. Was derzeit häufiger geschieht, da die Bahn an der so genannten Sachsen-Franken-Magistrale im Abschnitt zwischen Neukieritzsch und Regis-Breitingen die Strecke erneuern wird und dabei auch in Deutzen einige Umbauten vornimmt. Wenn dann vom Bahnhof Deutzen die Rede ist, ärgert das den Experten und er bittet darum, Begriffe korrekt zu verwenden. Wenigstens in der Zeitung. Denn ihm ist natürlich klar, gibt Klaus Wolny augenzwinkernd zu, dass auch die meisten Deutzener Bahnhof sagen, obwohl der Ort, an dem sie in die S-Bahn steigen, nicht mehr als ein Haltepunkt ist.

„Wenn es so einen Begriff gibt, sollte man den auch verwenden, damit man sich etwas darunter vorstellen kann“, empfiehlt der Deutzener. Und hat natürlich die exakten Erklärungen parat. In einem Bahnhof, sagt der Fachmann, gibt es mindestens eine Weiche. Hier können Züge beginnen, enden, kreuzen oder, indem sie das Gleis wechseln, sogar wenden.

All das ist in Deutzen nicht möglich. Hier können die Züge nur auf ihrem jeweiligen Gleis halten, damit die Fahrgäste aus- und einsteigen können. Mehr nicht. Deswegen Haltepunkt. Daran wird sich auch mit dem geplanten Ausbau nichts ändern. Eher wird die Ausstattung noch spärlicher. Im Zuge des Umbaus soll die Fußgängerbrücke ebenso verschwinden wie das Stellwerk. Statt der früheren festen, gemauerten Gebäude, von denen nur noch eins steht, wird es dann nur noch Wetterschutzhäuschen an den komplett neu gebauten Bahnsteigen geben. Vielleicht wird sich dann sogar der Volksmund überlegen, ob er noch Bahnhof dazu sagt.

Klaus Wolny wird so oder so im Herzen Eisenbahner bleiben und sich auch die kommenden Arbeiten an der Strecke und am Haltepunkt interessiert anschauen. So wie er auch schon Ostern 2013 mit dem Fotoapparat dabei war, als die vorgefertigte neue Bahnbrücke über die verlegte Staatsstraße an ihren Platz geschoben wurde, die den alten Bahnübergang ersetzt.

Und natürlich fährt er auch selbst Bahn. Nicht nur wegen der Freifahrten, die er als ehemaliger Mitarbeiter erhält. Vor allem wegen des zeitlichen Vorteils: „Ich bin in einer guten halben Stunde auf dem Markt in Leipzig. Das schaffe ich mit dem Auto nicht.“

Von André Neumann

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